Ausgeschlafene Argumente

Uhrenvergleich! Also, ich habe jetzt 13 Uhr 55 und Sie früher. Viel früher? Sind Sie Nachtigall oder Lerche? Gehen Sie mit den Hühnern ins Bett oder tanzen Sie bis in die Puppen? Ich frage nicht ohne Grund. Es bahnt sich ein neuer Proteststurm an, gegen den das Genörgel gegen die Sommerzeit/Winterzeit-Uhrenverdreherei nur eine leichte Brise ist.

Frühaufsteher, so Schlafforscher Till Roenneberg, terrorisieren die Möchtegern-Langschläfer: Sie schmeißen Handtücher auf Badeliegen und die Kaffeemaschine an, brüllen frohsinnig in Radiomikrofone und rufen zur Frühschicht in Fabrik, Schule, Büro und sonst wo. Und alle müssen mitaufstehen, auch wenn sie mental im Tiefschlaf sind und viel zu müde, um wirksamen Protest zu organisieren.

Roenneberg hat herausgefunden: Langschläfer, die man nicht lang schlafen lässt, leben in einem permanenten Jetlag und werden davon krank. Weil sie abends nicht einschlafen können und morgens früh raus müssen, sammeln sie ein dauerhaftes Schlafdefizit und werden süchtig. Komischerweise nicht nach Schlaf, sondern nach Nikotin und Alkohol, so der Schlafforscher.

Meine subjektive Schlafforschung würde die umgekehrte These wagen, dass Menschen, die abends gesellig zusammensitzen, womöglich trinken und rauchen, am nächsten Morgen einfach nicht früh aufstehen mögen. Aber das ist vermutlich kein sehr ausgeschlafenes Argument.