Ausdauertanzen mit der virtuellen Trainerin

Die NRZ-Redakteurin Cornelia Färber-Lamm nimmt am Freitag (06.02.15) in Dinslaken mit anderen Kursteilnehmerinnen an einem Cybertraining teil. Für NRZ Serie Fitness. Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Service
Die NRZ-Redakteurin Cornelia Färber-Lamm nimmt am Freitag (06.02.15) in Dinslaken mit anderen Kursteilnehmerinnen an einem Cybertraining teil. Für NRZ Serie Fitness. Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Service
Foto: Volker Hartmann
Test in einem Dinslakener Studio. Mitglieder schwitzen in „Cyberkursen“. Kommandos vom Bildschirm

Dinslaken..  Marita ist zirka 1,65 Meter groß, wiegt um die 55 Kilo und hat schönes langes Haar. Marita ist in beneidenswerter Form, kann sie doch eine Stunde lang bei „Rhyth’m and Dance“ mit der Hüfte schwingen, die Beine um sich werfen und sich dabei noch diverse Male umziehen, ohne eine einzige Schweißperle auf der Stirn zu haben. Mir läuft es schon nach wenigen Minuten den Rücken herunter, aber ich bin auch echt und Marita hängt an der Wand, sie ist meine „virtuelle Trainerin“ für eine Stunde Ausdauertanzen im McFit-Studio in Dinslaken.

Es gibt heutzutage fast nichts, was es in einem der knapp 8000 Fitnessstudios hierzulande nicht gibt. Die Mitglieder werden es zu schätzen wissen – rund 8,6 Millionen Menschen waren Ende 2013 in einem Fitnessbetrieb angemeldet, das sind mehr als der Deutsche Fußballbund Mitglieder hat. Auch wenn man die Karteileichen aussortiert, trainiert die Mehrzahl der Sportfans in einem Fitnesscenter, biegt Eisen, stemmt Gewichte, tritt in die Pedalen, zieht Seilstränge in der Reha-Abteilung, schwitzt und rackert sich in Kursen ab.

Ohne Schnickschnack

McFit, unter den Fitnessketten mit mehr als drei Studios in Deutschland die größte, hat sich Effizienz zu günstigen Beiträgen auf die Fahnen geschrieben und ist bekannt für Trainingsstätten, die ohne viel Schnickschnack auskommen, dafür aber mit Technik hochgerüstet und mit Gerätschaften für viele Sportfans auf einmal ausgestattet sind.

Jörg Roskosch (34) ist Leiter des Dinslakener Studios, 2013 eröffnet ist es ein High-Tech-Quader auf zwei Etagen, kühl durchkalkuliert – unten Geräte, oben Ausdauer und Gewichte, Box-Raum und Express-Workout: 15 Minuten Zirkeltraining mit Stoppuhr und Hammermusik für den perfekten Körper. Am Eingang steht ein Hochglanz-Board mit Monitoren, der den Neuling per Touchscreen durchs Studio führt, wenn Jörg Roskosch keine Zeit hat. Hier kann man sich bis zu den Bauchmuskelgruppen durchklicken, die bei so genannten „Crunches“ aktiviert werden. Sie sind rot und grün.

Unten sind vier Räume abgetrennt, durch große Fenster kann man hineinschauen, die Trainer würden dies auch der Kontrollen halber tun, sagt Roskosch.

An der Tür hängt das virtuelle Kursprogramm für Spinning (Indoor-Rennradfahren), Yogates, Vibrations-Training oder Training mit dem „Cattlebell“, einem Kuhglockenähnlichen Mördergewicht zum Stemmen und Schwingen. Diese Räume sind das Zuhause von Marita und ihren Kollegen, die Mark heißen oder David, und die nie müde werden. Wer wollte, könnte mit ihnen in vier Räumen an sieben Tage zwischen 6 und 24 Uhr 600 Trainingseinheiten absolvieren. Alle drei Monate wird das Programm verändert.

Nur gucken, nicht anfassen

Was ist der Vorteil eines Trainers, den man nur angucken und nicht anfassen kann? „Sie sind immer da. Sie sind flexibel. Keiner wird krank. Ein Kurs fällt nicht aus, nur weil nur ein oder zwei Teilnehmer da sind“, sagt Roskosch. Man könne auch, wie der einzige Gast an diesem Freitag um die Mittagszeit in Raum zwei, ganz alleine mit Mark an der Wand eine Stunde Pump’n Shape-Langhanteltraining absolvieren.

Zurück zu Marita. Sie lächelt freundlich unverbindlich, als sie sich artig vorgestellt. Dann aber gibt sie Gas. Wir sind zu fünft, meine Mitstreiterinnen sind wie Marita wohl auch mit Mitte 20 nur halb so alt wie ich, dafür aber nett und unbefangen. Man kennt sich untereinander, es gibt Gekicher links und rechts, wenn Arme und Beine genau anders herum drehen, als Marita es gerne hätte.

Unsere virtuelle Trainerin macht mit uns eine fetzige Erwärmung und gibt ruck-zuck Anweisungen in internationaler Aerobic-Sprache: „Side-Step und Leg Curl, und vor, zurück und Cha-cha-cha. Und A-Step und Grapevine ... uuuuund die Arme nicht vergessen“. Zweimal macht Marita vor, dann „Aaachtung, doppeltes Tempo“ und man überlegt, was man besser weglässt, die Arme oder die Beine. So tanzt man sich durch vier, fünf kleine Choreographien: „Hey, das klappt super“, lobt sie: „Das sieht ja richtig gut aus!“

Was weißt du denn schon da oben, denkt man sich. Die netten Mädels beschwichtigen. Mindestens dreimal müsse man das Ganze schon mitmachen, um mitzukommen. Und nein, die meisten lassen sich nicht entmutigen, man würde viel lachen und sich Mut zureden, wenn einer neu ist.

Da kommt Marita dann doch nicht mit.