Aufsässige Insassen

In der demokratisch verfassten Bundesrepublik Deutschland ist die Freiheit ein hohes Gut, soll sich Arbeit lohnen und was Recht ist, Recht bleiben, auch hinter Gittern. Darum wird die Forderung, dass auch im Gefängnis für dort geleistete Arbeit der Mindestlohn gezahlt und für die Rente nach der Haft gespart wird, durchaus auf Verständnis stoßen. Zumal das Strafvollzugsgesetz zwar schon seit 1978 eine Sozialversicherung für Gefangene vorsieht, der Rechtsstaat aber bislang noch keine Zeit fand, eine solche auch bundesweit einzurichten.

Weil die Vollzugsanstalten bislang die Zahlung eines Mindestlohns verweigern und die Arbeit durch freie Kost und Logis weitgehend abgedeckt sehen, hat sich zunächst in Berlin und jetzt auch in NRW im Kampf gegen „die Ausbeutung hinter Gittern“ so etwas wie eine „IG Knast“ formiert: eine Gewerkschaft aufsässiger Insassen, der sich bundesweit bereits 400 Knackis angeschlossen haben.

Mal sehen, wie sich die IG Knast entwickelt, vor allem im Tarifstreit. Wobei wir da ganz stark auf friedliche Einigungen am runden Tisch hoffen, denn:

Sollte es zum Arbeitskampf kommen, dürfen die Knackis nicht streiken, das wäre womöglich Widerstand gegen die Staatsgewalt. Mit Transparenten und Trillerpfeifen auf die Straße gehen können sie auch nicht. Und für ihre Arbeitgeber wären Aussperrungen ebenfalls keine ernsthafte Alternative.