Auch in Hamburg sexuelle Übergriffe auf Frauen an Silvester

In der Silvesternacht hat eine Gruppe von Männern am Kölner Hauptbahnhof mehrere Frauen bedrängt und ausgeraubt. Dabei kam es offenbar auch zu zahlreichen Sexualdelikten.
In der Silvesternacht hat eine Gruppe von Männern am Kölner Hauptbahnhof mehrere Frauen bedrängt und ausgeraubt. Dabei kam es offenbar auch zu zahlreichen Sexualdelikten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In der Hansestadt erstatten Frauen Anzeige nach Attacken. Die Kölner Polizei spricht nach Übergriffen von "Straftaten in völlig neuer Dimension".

Köln.. In der Silvesternacht ist es auch in Hamburg zu sexuellen Übergriffen auf junge Frauen gekommen. Dies bestätigte die Polizei dem „Hamburger Abendblatt“ (Bezahlinhalt) auf Anfrage. Auf der Großen Freiheit auf St. Pauli sollen mehrere Männergruppen Frauen begrapscht, eingekesselt und einige von ihnen ausgeraubt haben. Insgesamt gingen seit Silvester sechs Anzeigen bei der Hamburger Polizei ein.

Kriminalität Die Vorfälle weisen starke Parallelen zu den massiven Übergriffen in Köln auf. Hier hatten sich in der Silvesternacht etwa 1000 Männer am Hauptbahnhof versammelt, die in Gruppen junge Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt haben. Der Kölner Polizei lagen bis Montag 60 Anzeigen vor, darunter auch Diebstähle von Taschen, Handys und Geldbörsen. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben.

In Hamburg wie in Köln sollen die mutmaßlichen Täter dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum stammen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte scharf auf die Ereignisse. "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen", zitieren "Express" und "Kölner Stadt-Anzeiger" den Minister. "Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt."

Kölner Polizei erschüttert

Für Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers sind die Übergriffe auf Frauen rund um den Hauptbahnhof in der Silvesternacht "Straftaten einer völlig neuen Dimension". "Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden", sagte Albers am Montag in Köln.

[kein Linktext vorhanden] Am Silvesterabend hätten sich auf dem Bahnhofsvorplatz etwa 1000 Männer versammelt, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. Aus der Menge hätten sich Gruppen von mehreren Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten. Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. Die Männer sollen zwischen 15 und 35 Jahre alt sein. Konkreteres weiß die Polizei am Montag nach eigenen Angaben nicht.

Die Einsatzleitung der Polizei fordert noch in der Nacht Verstärkung an. Um eine drohende Massenpanik zu verhindern, räumt die Polizei zeitweise den Bahnhofsvorplatz. Erst im Laufe der Nacht und in den Folgetagen wird das Ausmaß der Gewalt deutlich, die von der Gruppe ausgegangen sein soll. Laut Polizeidirektor Michael Temme waren "alle Einsatzkräfte, die wir zur Verfügung hatten", vor Ort. Doch die Beamten bemerkten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen. Und Wolfgang Wurm, Präsident der zuständigen Bundespolizeistation Sankt Augustin erklärte: "Wir haben erst durch die Anzeigen davon erfahren".

Täter waren "völlig enthemmt und gewaltvoll"

Der Polizei lagen bis Montag 60 Anzeigen vor, darunter auch Diebstähle von Taschen, Handys und Geldbörsen. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte entsetzt auf die Vorfälle. "Das ist eine völlig neue Dimension der Gewalt. So etwas kennen wir bisher nicht", sagte der NRW-Landesvorsitzende der GdP, Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt und gewaltvoll" vorgegangen. "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst", berichtete Plickert. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine "tiefe Betroffenheit".

Oberbürgermeisterin Reker warnt vor "rechtsfreiem Raum"

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat laut einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" für Dienstag ein Krisentreffen anberaumt. Die Vorfälle seien "ungeheuerlich", sagte Reker der Zeitung.

Amtsantritt Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kommen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht", so Reker. Die Oberbürgermeisterin schlug eine Ausweitung der Video-Überwachung als mögliche Gegenmaßnahme vor. Im Hinblick auf den bevorstehenden Karneval kündigt Polizeipräsident Albers an: "Wir werden alles dafür tun, damit sich so etwas nicht wiederholt."

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte scharf auf die Übergriffe. "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen", zitierte der Kölner "Express" den Minister. "Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt."

Silvester-Übergriffe in Köln Die Kölner Polizei hatte nach den Vorfällen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Sie wurde jetzt aufgestockt, hieß es am Montag. Unter anderem werten die Ermittler Handyvideos und Material aus Überwachungskameras aus. Am Sonntag hatten Polizisten in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer festgenommen, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Ob sie auch etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun haben, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. (dpa/we)