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Terrorgruppe

Anschlag in Köln aufgeklärt - Anwohner der Keupstraße erleichtert

15.11.2011 | 07:40 Uhr
Anschlag in Köln aufgeklärt - Anwohner der Keupstraße erleichtert
Die Keupstraße in Köln. Hier war am 9. Juni 2004 die Nagelbombe explodiert, die 22 Menschen zum Teil schwer verletzte. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Köln.   Die Thüringer Terrorgruppe verübte auch einen Anschlag in der Kölner Keupstraße. Doch lange war unklar, wer hinter dem Attentat mit mehreren Verletzten steckte. Unter den Anwohnern kursierten die unterschiedlichsten Gerüchte. Nun haben sie Gewissheit.

Für einen kurzen Moment lässt Özcan Yildirim den Kamm sinken. Er sagt etwas auf türkisch und eine junge Kundin im Friseursalon, die sehr viel besser deutsch spricht, übersetzt für ihn: „Ihm ist ein Stein vom Herzen gefallen, als er gehört hat, dass die Tat von damals jetzt aufgeklärt ist.“ Wie Özcan Yildirim geht es allen Anwohnern der Keupstraße in Köln. Wie ein langer Schatten hatte die Ungewissheit über die Urheber des Anschlags vor sieben Jahren über der Straße gelegen. Mit der posthumen Selbstbezichtigung der Zwickauer Neonazis ist der Schatten gewichen.

Bruder sah Täter: Ein blonder Mann, sagte er

Direkt vor dem Salon der Yildirims hatte am 9. Juni 2004 gegen Nachmittag ein unbekannter Mann sein Fahrrad abgestellt. Zehn Minuten später detonierte der Sprengsatz auf dem Gepäckträger des Rades. Die Bombe bestand aus einer Gasflasche und einem Metallbehälter gefüllt mit Nägeln, die nun wie Geschosse durch die Straße peitschten. 22 Menschen wurden von den Stiften getroffen, vier von ihnen dabei schwer verletzt. Auch der Schaden an den Gebäuden ist enorm; der Salon wird völlig zerstört.

Özcan widmet sich wieder dem langen Haar der Kundin: „Viele haben damals gesagt, das sei eine Mafia-Geschichte gewesen.“ Dass er zum Beispiel Schutzgeld nicht bezahlt habe. Oder dass ihm der Anschlag aus anderen persönlichen Gründen gegolten habe. Nachbarn munkelten was von Frauengeschichten. „All diese Unterstellungen sind jetzt vom Tisch. Endlich.“

Video
Köln, 14.11.2011:Nach dem Selbstmord der beiden männlichen Mitglieder des Rechtsextremisten-Trios kommen auch wieder die Erinnerungen an die Nagelbombe in der Keupstraße in Köln hoch.

Özcans jüngerer Bruder war damals im Laden, als die Bombe hochging. Er blieb weitgehend unverletzt, hatte zudem einen der Männer mit dem Fahrrad gesehen, wenn auch nur kurz und im Vorbeigehen. Schon damals hatte er der Polizei den Hinweis gegeben, dass der Täter blond gewesen sei.

„Den Hass verstehe ich nicht“

Eine Überwachungskamera einer Bank-Filiale in der Nähe hatte den Verdacht erhärtet, dass es sich wohl nicht um eindeutig türkisch aussehende Männer handelte. Alle Ermittlungen verliefen damals im Sande.

Im Haus gegenüber lebt Trudi Katzenburg, vor 75 Jahren hier geboren und eine der wenigen in der Nachbarschaft, die keinen türkischen Namen trägt. „Ich muss gestehen, ich habe auch geglaubt, dass es um Schutzgeld geht. Jetzt bin ich vor allem froh, dass die beiden Täter nicht wieder irgendwo zuschlagen können. Ich verstehe diese ganze Ausländerfeindlichkeit auch nicht. Ich muss sagen, ich komme gut mit den Leuten zurecht. Nur dass die nachts so viel hupen, das stört mich schon. Aber sonst . . .“

Ali Demir (60) hatte sein Büro damals in der Keupstraße. Er hatte schon damals auf einen fremdenfeindlichen Anschlag getippt. „Ich habe gedacht, das muss doch ein Kranker gewesen sein. Eine Bombe mitten in einer Straße. Auch die Menschen, die dahinter stehen oder diese Leute zu solchen Taten motivieren, müssen doch geisteskrank sein. Seit 50 Jahren leben wir jetzt in diesem Land. Wie kann man nur so einen Hass aufbauen. Das verstehe ich nicht.“

„Versicherung zahlte – und warf mich raus“

Özcan Yildirim fühlt sich trotz allem weiter wohl in seiner Straße. „In Köln fühlt man sich als Ausländer sicher.“ Außerdem hat er auch eine Menge Geld investiert. „Der Salon war nicht ausreichend versichert. Gut 40 000 Euro hat mich die Beseitigung der Bombenschäden gekostet.“

Zum Thema Versicherung kann auch Trudi Katzenburg etwas beitragen: „Bei mir ist ja auch viel kaputt gegangen durch die Bombe. Den Schaden hat mir die Versicherung auch bezahlt, danach hat sie mich aber rausgeschmissen. Da musste ich mich gleich noch mal richtig aufregen . . .“

Matthias Maruhn

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Kommentare
15.11.2011
10:42
@1:
von knutmithut | #2

Welche Terror von "links" haben wir denn bitteschön? Die paar brennenden Autos, die wie letztens bei einer Festnahme wieder berichtet eher von einem unpolitischen und frustrierten Arbeitslosen durchgeführt wurden?
Die RAF, die ich mittlerweile eher nicht als "links" definiere hat sich 1998 aufgelöst und den linken Terrorismus danach darf man vergebens suchen!

15.11.2011
08:40
Terror
von West09 | #1

Jetzt können wieder neue finanzelle Mittel gegen Rechts genehmigt werden. Dabei ist es gleich ob der Terror von Rechts, Links oder von Islamisten ausgeübt wird - Es bleibt Terror und es muß an allen Fronten "gekämpft" werden.

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