Aldi-Witwe wollte den Picasso nicht

Essen..  Sie gilt als drittreichste Frau Deutschlands, aber elitäres Denken ist Babette Albrecht nicht anzumerken. Die 54 Jahre alte Witwe des Essener Aldi-Erben Berthold Albrecht erntet sogar manchen Lacher, als sie als Zeugin im Achenbach-Prozess Fragen von Richter Johannes Hidding ungekünstelt beantwortet. Die Hausfrau aus Essen, so ihre Angaben zur Person, ist die Frau, die den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach (62) vor Gericht gebracht hat.

Die Opferrolle spielt sie gar nicht erst. Dass ihr bei einem geschätzten Vermögen von acht Milliarden Euro die 23 Millionen Euro, um die Achenbach ihren Ehemann bei der Vermittlung von Oldtimern und Kunstwerken betrogen haben soll, nicht weh tun, ist anzunehmen. Ein Vertrauter der Familie hatte das vor Monaten bestätigt: „Betrügen lassen die Albrechts sich nicht.“

„Wir hatten ja schon Kunst, aber einige Wände waren noch frei“

Verständlich, dass viele Reiche Angst vor falschen Freunden haben, die es nur auf ihr Geld abgesehen haben. Achenbach lernte das Ehepaar Albrecht 2007 bei Nachbarn in Essen kennen. Schnell seien sie ins Gespräch gekommen, erzählt Babette Albrecht: „Er erzählte von seinen acht Kindern, ich von meinen fünf.“ Sympathisch sei er gewesen: „Er kann ja gut erzählen.“

Irgendwann hätte er später gefragt, ob sie an Kunst interessiert seien. Da hatte er den richtigen Nerv getroffen: „Wir hatten ja schon Kunst, aber einige Wände waren noch frei.“

Vor voll besetzten Zuhörerreihen erzählt sie von der mündlichen Vereinbarung zwischen Achenbach und ihrem Mann, eine Kunstsammlung aufzubauen: „Mein Mann wollte investieren, weil die klassischen Zinsen keine Rendite mehr brachten.“ Sie fand die Investition auch sinnvoll: „Eine Aktie ist eine Aktie – Kunst kann man sich wenigstens anschauen, kann man sich dran erfreuen.“

Ausschlaggebend seien die Empfehlung Achenbachs und die Entscheidung ihres Mannes gewesen. Aber sie hatte Mitspracherecht. Einen Picasso mit drei Mädchen lehnte sie ab: „Da fehlte mir ein Mädchen, schließlich habe ich vier.“ Oder ein Bild, das „besonders teuer“ war, siebeneinhalb Millionen Euro. „Ich fand es so schön“, sagt sie, „abends fragte mein Mann mich: Findest Du das toll? Und dann wurde es gekauft.“

Juristisch ist ihre Aussage nicht entscheidend. Achenbach hat eingeräumt, Rechnungen gefälscht zu haben, um seine Gewinnmarge zu steigern. Laut Anklage hätte er nur fünf Prozent Provision kassieren dürfen. Babette Albrecht bestätigt: „Achenbach stellte sich als Mann vor, der handeln und für uns den bestmöglichen Preis erzielen kann. Wir wollen doch keine Albrecht-Aufschläge zahlen.“

Dass die Großzügigkeit offenbar ausgenutzt wurde, bemerkte sie erst, als ihre Anwälte den Nachlass des Verstorbenen auswerteten und auf die Manipulationen Achenbachs aufmerksam wurden. Da erstattete sie Anzeige und stellte sich der Öffentlichkeit. Wie sie sich fühle, hatte ein Reporter sie auf ihrem Weg zum Gerichtssaal gefragt. „Spitze“, antwortete sie.