Ärzte in Iserlohn „verschreiben“ Theaterbesuch für Verhaltensauffällige
02.02.2012 | 14:44 Uhr 2012-02-02T14:44:00+0100
Iserlohn/Herdecke. Keine Medikamente, sondern ein Theaterbesuch: So wollen Iserlohner Ärzte verhaltensauffällige Kinder therapieren. Das Projekt, an dem die städtischen Bühnen und eine Krankenkasse teilnehmen, soll Kindern das Bühnenspektakel zugänglich machen. In anderen Städten laufen schon vergleichbare Projekte.
Unter dem Motto „Theater auf Rezept“ startet das Iserlohner Parktheater eine große Kampagne, um Kinder und Jugendliche für die Bühnenkultur zu begeistern. Und auch in Herdecke ist eine Bürgerstiftung darum bemüht, dem Nachwuchs die Welt des Theaters schmackhafter zu machen.
Wieder einmal steht der umtriebige Rockmusiker Peter Maffay Pate für eine gute Sache: In Großstädten wie Düsseldorf, Berlin und München hat sich „Theater auf Rezept“ bereits als ein Erfolgsmodell etabliert; jetzt kommt die Aktion auch in die heimische Region: Schülerinnen und Schüler in Menden, Hemer, Iserlohn, Altena und Hagen erhalten bei den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen U10 (erstes Schuljahr), U11 (drittes Schuljahr und J1 (für Dreizehnjährige) beim Arzt jeweils einen Theatergutschein, um damit aus den speziellen Jugendspielplänen eine Inszenierung ihrer Wahl besuchen zu können. Die Zusammenarbeit des Iserlohner Kulturbüros mit den regionalen Kinder- und Jugendärzten wird dabei von der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) finanziell unterstützt.
Theaterbesuch soll Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten helfen
Iserlohns Kulturchef Johannes Jostmann ist von dem Projekt herzlich begeistert: „Gutes Theater hat auch immer eine heilende Wirkung auf Geist und Seele“, sagt er und betont: „Die Förderung emotionaler Kompetenz ist für mich die wichtigste Therapie in diesen Zeiten.“
Auch Dr. Jochen Wulff, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Iserlohn, weiß um den tieferen Sinn der Gutschein-Angebote: „Wir haben es heute in unseren Praxen für Kinder und Jugendmedizin häufig mit Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und nicht zuletzt auch mit Sprech- und Sprachstörungen zu tun. Das Theater bietet hierbei auf vielfältige Weise Anregungen und Motivation zu lernen, über Sichtweisen von sich selber und anderer neu nachzudenken, zu kommunizieren, seine Kreativität zu entdecken und einfach auch einfühlsamer zu werden“, so der Mediziner: „Das Projekt ,Theater auf Rezept’ kann da wirklich helfen.“
Eine Krankenkasse ist als Partner im Projekt-Boot
Und auch die Krankenkasse als dritter Partner im Projekt-Boot, ist von der Idee überzeugt: „Wir betrachten die Gesundheitsförderung im Allgemeinen, aber besonders die von Kindern und Jugendlichen, als eine ganzheitliche Aufgabe. Gerade im jungen Alter ist es besonders wichtig, auch ein Augenmerk auf die Förderung geistiger und seelischer Gesundheit zu legen. Und kulturelle Erlebnisse, wie eben Theaterbesuche, können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten“, urteilt Volker Nöring, Geschäftsstellenleiter der SBK in Hemer.
Ganz ähnlich sieht es auch die Bürgerstiftung in Herdecke, die gemeinsam mit der Robert-Karl-Rudolph-Stiftung und dem Theater Hagen eine vergleichbare Initiative angeschoben hat.
Hier geht es ebenfalls darum, junge Leute für das Theater zu begeistern, indem kostenlose Eintrittskarten angeboten werden. Interessierte müssen sich lediglich bei der Stiftung melden (Tel. 02330 / 7979 oder per Mail: info@jugendstiftung-herdecke.de) und können dann aus dem Angebot frei wählen. Dabei sollen aber nicht nur Aufführungen besucht werden, auch ein Blick hinter die Kulissen, Gespräche mit Künstlern, Theaterangestellten und andere Bühnenkontakte sollen ermutigen, die Schwellenangst vor der vermeintlich hohen Kultur nachhaltig zu verlieren.

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