67,5-Minuten-Stunde - In Velbert seit zwei Jahren ein Erfolg

Ab kommenden Mittwoch gibt es am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium einheitlich nur noch die 67,5-Minuten-Unterrichtsstunde.
Ab kommenden Mittwoch gibt es am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium einheitlich nur noch die 67,5-Minuten-Unterrichtsstunde.
Foto: dapd
Eine Schulstunde, die genau 67,5 Minuten dauert - das klingt zunächst absurd. Ist es aber nicht, denn immer mehr Schulen satteln um, von der normalen Schulstunde auf die Langstunde. Das Nikolaus-Ehlen-Gymnasium in Velbert hat das System vor zwei Jahren eingeführt. Vieles ist seitdem besser geworden.

Velbert.. Immer mehr Schulen in der Region stellen ihren Unterrichtsmodus von der traditionellen 45-Minuten-Stunde auf die 67,5-Minuten-Langstunde um. Die Realschule in Herne-Sodingen beginnt am kommenden Mittwoch. Am Nikolaus-Ehlen-Gymnaisum in Velbert ist das längst Geschichte. Zum Schuljahr 2010/11 ist das System eingeführt worden, in Kooperation mit dem benachbarten Geschwister-Scholl-Gymnasium.

„Der Schulalltag ist wesentlich ruhiger geworden“, beschreibt Werner Schuhmacher-Conrad, Leiter des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums, seine Erfahrungen mit der 67,5-Minuten-Stunde, „denn es gibt nur noch vier bis fünf Fächer pro Tag.“ Im Physik-Unterricht, nennt er ein Beispiel, könnten seitdem etwa Versuche durchgeführt und im Anschluss daran besprochen werden. In 45 Minuten war das nicht möglich.

Willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht

Hinzu kommt, dass auch andere Unterrichtsformen wie Still- oder Gruppenarbeiten zum Einsatz kommen können – eine willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht, auch „Lehrermonolog“ genannt. Zudem werde die Aufmerksamkeitsspanne der Fünft- und Sechstklässler nicht überstrapaziert.

Geboren ist die Idee der Langstunde als Reaktion auf das verkürzte achtjährige Gymnasium (G8). „Mehr Unterricht bedeutet auch mehr Bücher“, fasst Schuhmacher-Conrad zusammen, „und bei sieben Fächern kommt da einiges zusammen.“ Es ist einer der Gründe, warum die Eltern der Schüler schon von Anfang an eine Systemumstellung befürworteten. Lehrer und Schüler hatten größere Zweifel.

„Insbesondere Lehrer in den Nebenfächern sahen ein Problem darin, wenn ihr Fach nur noch einmal pro Woche unterrichtet wird“, so der Schulleiter. Da sei viel über Fremdsprachen und das Lernen von Vokabeln gesprochen worden, aber auch über Geschichte, Biologie und andere Fächer.

Nebenfächer von Klasse 5 bis 9 durchgehend

„Abhilfe schaffen hier kurze Wiederholungen zu Beginn jeder Stunde“, erklärt Schuhmacher-Conrad. Dafür ist ein entscheidender Vorteil, dass beim Langstunden-System Nebenfächer, die zweistündig unterrichtet werden, von der Klasse 5 bis zur 9 durchgehend stattfinden können. „Früher“, erinnert sich der Schulleiter, „gab es da durchaus mal ein Jahr Pause.“

Inzwischen sind alle Beteiligten, Schüler, Lehrer und Eltern, angetan von der Umstellung. „Nach einem Jahr haben wir die Zeit bis dahin ausgewertet. Der Großteil war dafür, genauso weiterzumachen.“ Denn ein weiterer Vorteil liegt für Werner Schuhmacher-Conrad auf der Hand: „Von den 45-Minuten-Stunden ist zu viel Zeit für Raumwechsel verloren gegangen.“

Auch diese Zeiten sind vorbei, denn die Pausen zwischen den Langstunden sind mit zehn bis 20 Minuten so ausgedehnt, dass selbst der Weg mit dem Shuttlebus zur drei Kilometer entfernten Kooperationsschule, dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, problemlos zu schaffen ist.

Hoffnung auf eine flächendeckend einheitliche Regelung

In den vergangenen beiden Schuljahren ist der Schulleiter zu einem Verfechter des neuen Systems geworden, der dafür auch bei anderen Schulen wirbt. „Unsere Erwartungen sind erfüllt worden, das System hat sich bewährt“, resümiert Schuhmacher-Conrad, „und ich habe es auch schon am Essener Burggymnasium beworben.“

Er hoffe, führt er aus, dass irgendwann im Hinblick auf G8 flächendeckend auf die 67,5-Minuten-Stunde umgestellt werde. Oder wenigstens auf die 60-Minuten-Stunde - nur einheitlich sollte es geregelt sein. Denn ein großes Problem gibt es da doch noch: „Es ist schwierig, die Lehrerarbeitszeit umzurechnen“, gesteht Schuhmacher-Conrad, „und sowieso gibt es sehr viel umzurechnen.“

Die 67,5 Minuten kommen übrigens so zustande: Hauptfächer werden in der Oberstufe dreistündig unterrichtet. Dreimal 45 Minuten sind 135 Minuten. Teilt man diese in zwei langstunden auf, bleiben unter dem Strich 67,5 Minuten. Schulschluss in Velbert ist übrigens zweimal pro Woche nachmittags um 15.17 Uhr.