63 Bibelpflanzen laden zum „Tag der offenen Gartenpforte“

Ulla Hönsch in Düsseldorf in ihrem Garten.
Ulla Hönsch in Düsseldorf in ihrem Garten.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Die Düsseldorferin Ulla Hönsch hat sich ein mediterranes Paradies geschaffen. Vom Aronstab bis zur Zypresse

Düsseldorf..  Und Jesus sprach: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben!“ (Matthäus 23, Vers 23).

Der frische Minztee steht in hohen Gläsern auf dem Tisch, der Dattelkuchen liegt auf dem Teller, die Passionsblume kitzelt einem im Nacken. Die Orangenbäumchen sind mit den ersten kleinen Früchten dabei, die Blätter des Feigenbaums bedecken die Blöße des Glasdaches im Wintergarten und die des Olivenbaums schimmern silbrig in der Sonne. Wir befinden uns mitten im Paradies, und das liegt in der Spatenstraße 20 in Düsseldorf-Mörsenbroich, im Bibelgarten von Ulla Hönsch.

Hier hegt und pflegt Ulla Hönsch, die gerade 70 Jahre alt geworden ist, einen Garten mit 63 von rund 110 in der Bibel erwähnten Pflanzen, hat ihn zwischen Häusern und Straßen zu einem mediterranen Kleinod gestaltet, übrigens nicht ohne Augenzwinkern, denn eine Schalke-Fahne steckt mitten drin.

Der Dornbusch ist am Eingang

„Schmecken, fühlen, riechen und anfassen“ sollen demnächst auch wieder jene Besucher, die sich am „Tag der offenen Gartenpforte“ im Rheinland und am Niederrhein aufmachen in fremde Gärten. Zum dritten Mal macht Ulla Hönsch in diesem Jahr mit. Im letzten Jahr kamen sage und schreibe 300 Gäste, pieksten sich die Finger am Original-biblischen Dornenbusch und vor allem die Kinder erschraken, als sie hörten, dass Jesus eine Krone mit den zentimeterlangen, harten Dornen tragen musste. Oder staunten über den Granatapfel, jene Frucht, die Eva dem Adam wohl überreicht haben mag. Einen Boskop gab’s damals ja noch nicht.

Ulla Hönsch hat zu jedem ihrer biblischen Gewächse die passende Geschichte parat, hat selbst recherchiert und zusammengetragen, bis zu den Accessoires. „Die Lampen haben mir Freunde aus Bethlehem mitgebracht, aus der Geburtsgrotte“, sagt sie. Sie hängen unter einem Dach von Wein, und nicht weit davon entfernt die symbolischen Tonkrüge, in denen Jesus Wasser zu Wein verwandelt hat.

Neben der Weihrauchpflanze liegen Phiolen, an denen man schnuppern kann, wie er riecht. Es gibt Flaschenkürbis, den Maulbeer- und den Judasbaum (da soll sich der Verräter erhängt haben, der Baum blüht rote „Tränen“, Zypressen, Tamarisken („Manna“!), den „Brennenden Dornbusch“ und den Aronstab, den Gott im Buch Numeri höchstpersönlich zum Blühen brachte.

Zu ihm und dem Mini-Teich mit Rohr und Papyrus tritt man durch ein Tor aus Efeu: „Am Fest der Dionysien zwang man sie (die Juden), zu Ehren des Dionysos mit Efeu bekränzt in der Prozession mitzugehen“ (2. Makkabäer 6,7).

Frau Hönsch weiß noch mehr: „Es soll so gewesen sein, dass frühe Christen gläubige Verstorbene auf Efeu betteten, die nicht Bekehrten auf Zypressen legten.“ Der immergrüne Efeu versinnbildliche Unsterblichkeit, während eine Zypresse, die einmal abgeschlagen wurde, nicht mehr nachwächst.

Seltene Pflanzen haben die gelernte Arzthelferin immer schon interessiert, aber den letzten Kick bekam sie vor ein paar Jahren, als sie in Erlangen im Botanischen Garten in einer Bibelausstellung war: „Wir haben doch schon 12 Pflanzen davon zu Hause, sollen wir nicht einfach weitermachen?“, hat sie ihren Mann damals gefragt.

Und dann legte sie eine erstaunliche Hartnäckigkeit an den Tag. Weit und breit gab es keine Myrrhe, außer „in Erlangen, das wusste ich“. Kein Bibelgarten funktioniert ohne Myrrhe, jene Pflanze mit dem betäubenden Harz. Die Heiligen Drei Könige brachten es zu Christi Geburt mit, und Jesus bekam vor der Kreuzigung mit Myrrhe gemischten Wein gereicht, den er aber ablehnte. Zuerst fragte sie also telefonisch in Erlangen, bekam eine Abfuhr. Dann, an einem 30. April, ihrem Geburtstag, fährt sie höchstpersönlich hin und bittet den Direktor des Botanischen Gartens um einen Ableger. Da konnte er nicht mehr „nein“ sagen.

Im Winter kommen die Pflanzen, die üblicherweise im Nahen Osten beheimatet sind, auf den Dachboden, in die Garage, ins Wohnzimmer oder werden, wie die Olive, dick eingepackt. Und doch gibt es den einen oder anderen Verlust zu beklagen. Die Baumwolle beispielsweise gerade eben und „Oma Hönsch“ im letzten Winter. „Oma Hönsch“ ist – oder besser war – eine Brautmyrte, die im hinteren Teil des Gartens auf Auferstehung hofft. Ulla Hönsch hat sie von ihrer Schwiegermutter geerbt, die 2001 mit 94 Jahren starb. Ein Foto der alten Dame hängt an den trockenen Zweigen von „Oma Hönsch“, Schwiegertochter Ulla bringt es nach so vielen Jahren nicht übers Herz, das Bibel-Bäumchen aufzugeben. Vielleicht hilft auch ein kleines Stoßgebet.

Der „Tag der offenen Gartenpforte“ mit Ulla Hönsch ist am 13. Juni, geöffnet ist der Garten in Düsseldorf-Mörsenbroich, Spatenstraße 20, von 11 bis 17 Uhr.