43 Zentimeter fehlen: Stadt Neuss baut neue Straße zu eng

Beim Straßenneubau in Neuss (hier ein Symbolbild) ist es zur einer Reihe von Fehlplanungen gekommen.
Beim Straßenneubau in Neuss (hier ein Symbolbild) ist es zur einer Reihe von Fehlplanungen gekommen.
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
In Neuss muss eine zu schmale Straße noch vor der Fertigstellung verbreitert werden. Während zwei Abschnitte zu eng sind, sind zwei weitere zu breit.

Essen.. Peinliche Panne in Neuss: Im Stadtteil Allerheiligen ist eine neugebaute Straße stellenweise viel schmaler als geplant und muss sehr wahrscheinlich noch vor Fertigstellung angepasst werden. 43 Zentimeter beträgt die Abweichung in einem der vier Bauabschnitte.

Die Folgen: Autos müssen bei Gegenverkehr auf den Gehweg oder in Parklücken ausweichen oder zurücksetzen, Lkw drängen Fahrradfahrer regelrecht von der Straße. "Wir dachten immer, dass das eine Einbahnstraße werden soll", wird eine Anwohnerin der betroffenen Straße "Am Linckhof" in der "Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ)" zitiert.

"Irgendjemand hat einen Bock geschossen", muss auch Gerd Eckers feststellen. Der Leiter des städtischen Tiefbaumanagements Neuss äußert im Gespräch mit unserer Redaktion eine erste Vermutung: "Beim Bau des Gehweges vor drei Jahren könnte etwas falsch gelaufen sein." Doppelt ärgerlich: Dieser war dem Bau der Fahrbahn vorgezogen worden, um, so Eckers, "der Bevölkerung entgegenzukommen".

Neusser Tiefbaumanagement plant mit 15 Tagen mehr Bauzeit

Die Ursache für diese Baupanne könne erst in den kommenden Tagen und Wochen geklärt werden. Was aber nicht heißt, dass die wohl unumgänglichen Umbaumaßnahmen bis dahin aufgeschoben würden. Eckers: "Wir beginnen sofort. Ich bin gefrustet, weil ich es natürlich am liebsten sehr viel früher erkannt hätte. Mich persönlich stört auch, dass die Anlieger nun noch mehr belastet werden."

Auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht, glaubt Eckers nicht, dass der aktuelle Zustand haltbar sei und kalkuliert 15 Tage verlängerte Bauzeit ein. "Wir lernen daraus, künftig noch mehr Kontrollen durchzuführen."

Verkehr Die dann anfallenden Kosten hielten sich zwar, so Eckers weiter, "im Rahmen", da bisher weder der Fahrbahnbelag verlegt wurde noch die Gullys und damit die darunter liegenden Kanäle versetzt werden müssen. Dennoch sei der Faktor Geld nicht wegzureden: "Die Kosten sind nicht egal, das liegt mir schon am Herzen."

Sollte sich im Zuge der Untersuchungen herausstellen, dass der Fehler auf einen oder mehrere private Baubetriebe zurückzuführen ist, hält Eckers Regressforderungen für möglich. Als "hochgradig spannend" schätzt er den weiteren Verlauf der Sache ein.

Gegenverkehr muss in Parklücken ausweichen

Auf das Missgeschick hatte der Neusser SPD-Stadtverordnete Ralph-Erich Hellenbrandt hingewiesen, nachdem bei ihm mehrere Beschwerden von Anwohnern eingegangen waren. Das Tiefbaumanagement nahm daraufhin Maß: An einer Stelle fehlen die genannten 43 Zentimeter Straßenbreite, dafür aber ist der Bürgersteig 25 Zentimeter zu breit geraten.

Wo die sich daraus ergebendenden, fehlenden 18 Zentimeter abgeblieben sind, könnten sich die Verantwortlichen der Stadt (noch) nicht erklären. Auch an einem zweiten Abschnitt fehlen 25 Zentimeter, dagegen ist die Straße samt Bürgersteig an anderen Stellen breiter als vorgesehen.

Seit Baubeginn im Jahr 2012 haben verschiedene Privatbetriebe die vier Abschnitte am "Linckhof" umgesetzt. Wie viele Sektionen in einem Straßenzug öffentlich ausgeschrieben werden, hängt vom Baufortschritt ab. Würden diese alle gleichzeitig fertiggestellt, führt Eckers aus, könne der Auftrag für den Endausbau auch an nur ein Unternehmen gehen.

Im vorliegenden Fall aber waren die Abschnitte "nicht homogen". Am Montag wird die Straße komplett neu vermessen, am Dienstag dann beraten Tiefbaumanagement, Planungsamt und Verkehrslenkung über die erforderlichen Maßnahmen.