2013: Notfall durch schlechte Luft im Cockpit

Köln/Bonn..  Im Jahr 2013 hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung einen brisanten Abschlussbericht veröffentlicht. Demnach führte kontaminierte Luft im Cockpit zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung von zwei Germanwings-Piloten. Die Ursache ist ungeklärt.

Am 19. Dezember 2010 hatte sich der Airbus A319 auf dem Rückflug von Wien zum Flughafen Köln-Bonn befunden. Wegen des starken Schneefalls in Nordrhein-Westfalen war die Maschine vier Stunden später gestartet. Der Flug verlief normal, bis die Piloten beim Landeanflug „einen seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch – eine Mischung aus verbrannt und elektrisch Riechendem“ bemerkten.

In der Kabine waren keine Gerüche zu vernehmen. Die Luftversorgung des Cockpits erfolgt aus der Ansaugluft aus der linken Turbine – die Kabinenluft wird aus der Ansaugluft beider Turbinen gemischt.

Den Piloten schwanden die Sinne

Beide Piloten berichteten von Taubheitsgefühlen in den Gliedmaßen und davon, dass ihnen die Sinne geschwunden seien. Sie mussten Sauerstoffmasken aufziehen. Beide beschrieben gegenüber der Bundesstelle ihre Verfassung kurz vor der Landung als surrealistisch und wie in einem Traum. Vor allem beim Co-Piloten zeigten sich auffällige Blutwerte. Die 142 Passagiere bemerkten nichts von der Notsituation.

Im Abschlussbericht schließt die Bundesstelle, bei der die Ermittlungen wegen eines internen Kommunikationsfehlers ein Jahr geruht hatten, die zunächst vermuteten Ursachen aus: Dass Reste von Enteisungsmittel in die Lüftung kamen sei genauso unwahrscheinlich wie Öl-Leckagen, ausdünstende Fracht oder eingesetzte Reinigungsmittel. Nicht gänzlich auszuschließen sei „eine Geruchsentwicklung durch fehlerhafte elektrische oder elektronische Bordsysteme“.

Wegen eines ungewöhnlichen Geruchs ließ 2014 ein Pilot von Germanwings auf Sardinien seinen Airbus am Boden. Auch Piloten anderer Fluggesellschaften berichteten von Beeinträchtigungen durch Gerüche.