13 Frühchen mit Darmkeim befallen

Düsseldorf..  Mit nur 760 Gramm Gewicht kam Tom (Name geändert) im Januar auf die Welt. Der Geburtstermin war für Ende April ausgerechnet. Seitdem pendeln seine Eltern zwischen Krefeld und dem Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth und zwischen Hoffen und Bangen. Ihre Sorge ist nun umso größer geworden: Denn auf der Frühchenstation der Klinik hat sich ein gefährlicher Darmkeim ausgebreitet. Die Eltern, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, werfen der Klinik vor, sie hätte den Ausbruch über Wochen vertuscht.

Keime an Frühchenstationen - das sorgt für Aufsehen: In Lippstadt war im Juli 2014 ein Frühchen in einer Klinik an einem Darmkeim gestorben. 2012 sorgten mehrere Keimausbrüche in Frühchenstationen in Norddeutschland und an der Berliner Charité für Aufsehen.

Im Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf geht es nun um VRE-Keime. Die Abkürzung steht für Vancomycinresistente Enterokokken. Es handelt sich um Darmbakterien, die zu den multiresistenten Keimen gezählt werden und bei geschwächten Menschen oder Frühchen lebensgefährlich sein können.

Sie werden mit speziellenAntibiotika behandelt

Derartige Keime sind nach Auskunft des Landeszentrums Gesundheit in Münster „sehr langlebig“. Ausbrüche etwa in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen sind innerhalb von 24 Stunden den Gesundheitsbehörden zu melden. „Es kommt jedoch in Krankenhäusern oft vor, dass man erst rückblickend und Wochen später merkt, dass man es mit einem Ausbruch zu tun hat“, sagt eine Gesundheitsschutzexpertin: Einzelfälle seien nicht meldepflichtig.

Auch bei Tom wurde der Keim jüngst festgestellt. Zwei Frühchen aus der Station sind aktuell daran erkrankt und werden mit speziellen Antibiotika behandelt. Insgesamt waren seit März 13 Frühchen von dem Keim befallen, teilte Klinikvorstand Dr. Holger Stiller am Dienstag mit. Zudem sind zwei Frühchen innerhalb der vergangenen Wochen gestorben. Der Zusammenhang mit den ZRE-Keimen „kann jedoch ausgeschlossen werden“, heißt es gestern von der Klinik.

Laut Krankenhausvorstand habe man den resistenten Darmkeim inzwischen „erfolgreich eingedämmt“, die erkrankten Frühchen seien von anderen isoliert. Doch Toms Eltern werfen der Klinik vor: „So weit hätte es nicht kommen müssen.“ Sie glauben, erst weil sie Druck gemacht haben und Ende März auch das Gesundheitsamt informierten, hätte die Klinikleitung den Ausbruch überhaupt erst der Behörde gemeldet - und zwar erst am 1. April.

Die Häufung der VRE-Bakterien in der Frühchenstation „haben wir Anfang März festgestellt“, erklärte dagegen Klinikvorstand Stiller am Dienstag. Ein Frühchen sei plötzlich infiziert gewesen, ein anderes von VRE-Keimen „besiedelt“. Insgesamt hat die Station 24 Frühchen-Betten. Nicht alle der Eltern seien über die Ausbreitung des Keims informiert worden, auch als sie die Station bereits nur in Schutzanzügen betreten durften, was bei vielen Sorgen auslöste. Man habe in den ersten Wochen nur die Angehörigen informiert, deren Kindern von Keimen befallen waren. „Ein Fehler“, räumte Stationsleiter Dr. Martin Berghäuser gestern ein. Das habe womöglich bei einzelnen zu dem Eindruck geführt, die Klinik gehe nicht verantwortungsvoll mit der Keim-Ausbreitung um.

„Von Vertuschung kann nicht die Rede sein“, glaubt auch Klaus Göbels, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes. Die Klinik habe bereits im März das Gesundheitsamt informiert, „als rechtlich dazu noch keine Veranlassung bestand“, weil damals nur ein Frühchen infiziert war, sagt Goebels; nur eine Keim- „Ausbreitung“ sei den Behörden zu melden, dazu müssen mindestens zwei Patienten infiziert sein. Dass die „offizielle Meldung“ der Klinik erst am 1. April erfolgt sei, ist aus Göbels’ Sicht kein Verzug. Klinik und Behörde hätten zu diesem Zeitpunkt längst gemeinsame Sache gemacht, um den Keim in der Station einzudämmen.

Sorgen und Ängste der Eltern „nehmen wir sehr ernst“, versichert Krankenhausvorstand Holger Stiller indes gestern. Man bedaure es sehr, dass sich die VRE-Keime auf der Frühchenstation ausgebreitet haben. Man hätte inzwischen „alle Eltern im persönlichen Gespräch aufgeklärt“.

Klinikpersonal und -Besucher sind nun angewiesen, größtmögliche Hygiene zu wahren. Pflegekräfte seien zu speziellen Teams zusammengezogen worden, um die weitere Keimausbreitung einzudämmen.