Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Diebstahlschutz

Doppelt hält besser - Viele Fahrradschlösser sind leicht zu knacken

13.05.2013 | 16:36 Uhr
Doppelt hält besser - Viele Fahrradschlösser sind leicht zu knacken
Gute Beratung ist wichtig: Nicht jeder will viel Geld für ein Schloss ausgeben - 10 Prozent des Fahrradwerts sind aber eine gute Orientierung.Foto: dpa

Berlin.  Gelegenheitsdiebe werden meist von einem einfachen Fahrradschloss abgehalten. Anders sieht es bei Profis aus, die vor allem teure Räder im Visier haben. Nur wenige Schlösser bieten hier soliden Schutz. Experten erklären, welche Modelle wie sicher sind.

Nur die wenigsten Fahrraddiebe brechen nachts mit Strumpfmaske und schwerer Zange in den Gartenschuppen ein, um ein schickes Rennrad oder Mountainbike zu entwenden. In den meisten Fällen macht Gelegenheit Diebe. Das macht den Verlust nicht weniger ärgerlich. Der beste Schutz gegen Diebstahl ist ein hochwertiges, aufbruchsicheres Schloss - aber das ist nicht so leicht zu finden.

Als alarmierend bezeichnete die Stiftung Warentest in der Zeitschrift «test» (Ausgabe 4/2013) jüngste Testergebnisse: Nur 5 von 37 Fahrradschlössern erhielten die Note «gut». Und 17 Schlösser waren schlicht «mangelhaft». Die meisten Modelle konnten die Tester ohne große Mühe innerhalb von drei Minuten öffnen. Kein Schloss bot hundertprozentige Sicherheit. Dabei kosten die geprüften Modelle bis zu 120 Euro. Zahlt der Kunde also viel Geld für wenig Schutz?

Bügelschloss besonders aufbruchsicher

Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) sieht das nicht so. Es gebe in dem Test durchaus eine gewisse Korrelation zwischen Preis, Gewicht und Qualität. Ausnahmen lassen sich auch damit erklären, dass 15 Schlösser der Stiftung Warentest zufolge Weichmacher enthielten, die bei Hautkontakt in den menschlichen Organismus gelangen können - daher die Abwertung im Gesamtergebnis. Diese Schlösser schützen oft trotzdem gegen Diebe. Dennoch gibt es zwischen den verschiedenen Typen große Unterschiede.

Für Profis kein Problem: Ein dünnes Panzerkabelschloss lässt sich meist binnen 15 Sekunden knacken.

Besonders aufbruchsicher ist das Bügelschloss, auch U-Bogen genannt. «Da kann man relativ sicher sein, dass es nicht am Schloss gelegen hat, wenn das Rad weg ist», sagt Fehlau. Die Sicherheit geht zulasten des Gewichts: Ein Bügelschloss ist schwer. Und die starre Form macht das Anschließen an Pfosten und Pfählen manchmal schwierig.

Schließmechanismus ist der Knackpunkt

Hundertprozentige Sicherheit biete aber auch ein Bügelschloss nicht, sagt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Entscheidend sind die Dicke und Härte des Stahls. In diesem Punkt attestierte die Stiftung Warentest manchen Modellen leichte Mängel. Knackpunkt bei vielen günstigen Bügelschlössern ist außerdem der Schließmechanismus - die schwächste Stelle des Schlosses.

Grundsätzlich gilt: Ein gutes Bügelschloss hat seinen Preis. Das teuerste Modell muss es aber nicht unbedingt sein. Cibulski rät, zur Orientierung den Wert des Fahrrads heranzuziehen: «Etwa zehn Prozent des Kaufpreises sollte man auch für das Schloss ausgeben.»

Panzerkabelschloss besonders beliebt

Kompakter und flexibler als der U-Bogen ist das Faltschloss. Es ähnelt einem Zollstock und lässt sich eingeklappt besser am Rad verstauen. Das Anschließen des Rads an einen Gegenstand fällt ebenfalls leichter. Allerdings sind einige Faltschlösser der Stiftung Warentest zufolge relativ leicht zu knacken.

Lesen Sie auch:
Diese Fahrradhelme schützen Ihre Kinder

Der ADAC hat acht Fahrradhelme für Kinder getestet. Gute Nachricht: Die beliebten Freestyle-Modelle, die aus der Skater-Szene kommen, stehen den...

Besonders beliebt ist das klassische Panzerkabelschloss, meist als Spirale und eingefasst in eine schwarze Kunststoffhülle. Doch das Ergebnis der Warentester ist deprimierend: Ein Profi knackt ein dünnes Drahtseil demnach oft in weniger als 15 Sekunden. Gunnar Fehlau nutzt ein leichtes Kabelschloss deshalb nur als einfache Wegfahrsperre. Voraussetzung: Das Rad steht in Sichtweite.

Schwer und leicht zu knacken: Kettenschlösser

Auch Steck-, Speichen- und Rahmenschlösser taugen eher als Zusatzschutz - «wenn man mal kurz beim Bäcker reinspringt», wie Cibulski sagt. «Als genereller Schutz vor Diebstahl ist das viel zu wenig.» Gleiches gilt für Kettenschlösser: Sie sind oft schwer und trotzdem leicht zu knacken, so die Stiftung Warentest.

Orientierung für die Kunden im Fahrradgeschäft versprechen die sogenannten Sicherheitsstufen, die aber nicht für einen objektiven Vergleich zwischen den Anbietern taugen. «Sie zeigen in erster Linie Relationen im Sortiment», erklärt Fehlau. Jeder Hersteller habe seinen eigenen Standard.

Auf das Benutzen kommt es an

«Viele kommen in ein Geschäft und sagen, sie wollen nicht mehr als 30 Euro für ein Schloss ausgeben», hat Fehlau beobachtet. Oft reiche das schließlich auch. Etwa 80 Prozent aller Fahrräder würden geklaut, weil sie gar nicht oder nur minimal gesichert seien. «Auftragsklau ist nur ein Thema bei hochwertigen Sportgeräten.» Darum bringe meist allein schon das Benutzen eines soliden Schlosses genug Sicherheit.

Lesen Sie auch:
Jetzt kommt der Elektromotor fürs Mountainbike

Schwarz ist schick. Nicht nur in der Mode. Auch zahlreiche Fahrradhersteller setzen bei ihren neuen Modellen auf eine dunkle und edle Optik. Und: Das...

Wer ein Fahrrad für mehrere hundert oder gar tausend Euro fährt, setzt am besten auf maximale Sicherheit - und greift dafür auch etwas tiefer in die Tasche. «Der eine kauft sich ein Schloss für einen Warenwert, für den sich ein anderer nicht mal ein Fahrrad kaufen würde», sagt Fehlau.

Verschiedene Schlösser nutzen

Generell ist es sinnvoll, zwei verschiedene Schlösser gleichzeitig zu benutzen. «Diebe sind oft auf einen Typ spezialisiert», sagt Cibulski. «Sie können ein Schloss knacken, aber das andere nicht.»

Ein weitere wichtige Grundregel: Nicht nur abschließen, sondern auch anschließen - am besten an einen festen Gegenstand. «Es bringt nichts, ein sicheres Schloss zu haben, und es an einem wackeligen Gartenzaun festzumachen», sagt Fehlau. (dpa)

Kommentare
17.06.2013
13:47
Doppelt hält besser - Viele Fahrradschlösser sind leicht zu knacken
von Madde | #3

Aber spätestens wenn man die sehr massiven Schlösser nichtmehr aufbekommt hat man ein Problem.

Sei es durch Manipulationsversuche von einem Dieb,...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Das moderne Baby schlummert zu Metallica
Babys
Vom selbst hergestellten Brei bis zur Gute-Nacht-Musik: So leben Babys heute. Wir stellen einige Trends von der Messe Babywelt vor.
Der Trend zu Wurst ohne Fleisch mit Fleischgeschmack
Vegetarisch
Wurst ohne Fleisch ist im Trend. Nun drängt auch die Fleischindustrie in den Markt. Zielgruppe sind nicht so sehr Vegetarier, sondern Flexitarier.
E-Plus und O2 fusionieren Netz - was das für Kunden bedeutet
Mobilfunk
Die Fusion von E-Plus und O2 hat einige Vorteile. Mutterkonzern Telefónica lässt Kunden mit National Roaming im jeweils schnelleren Netz surfen.
Gelb geht nicht: Was bei der Golfmode erlaubt ist 
Stil
Ohne Konzentration wird es mit dem Abschlag nichts. Golfmode muss vor allem funktional sein. Aber auch einige Trends halten Einzug auf dem Grün.
Laufräder brauchen nicht viel Zubehör 
Radfahren
Laufräder sind eine optimale Vorbereitung aufs Radfahren. Kinder schulen mit ihnen das Gleichgewicht und das Gefühl für Geschwindigkeit.
Fotos und Videos
Fotografie-Kunst von Beba Ilic
Bildgalerie
Zivilcourage
Gisele Bündchen verlässt Laufsteg
Bildgalerie
Model-Karriere
Die Siegerinnen von GNTM
Bildgalerie
GNTM
Mode in Sydney und São Paulo
Bildgalerie
Fashionweek
article
7948026
Doppelt hält besser - Viele Fahrradschlösser sind leicht zu knacken
Doppelt hält besser - Viele Fahrradschlösser sind leicht zu knacken
$description$
http://www.derwesten.de/ratgeber/doppelt-haelt-besser-viele-fahrradschloesser-sind-leicht-zu-knacken-id7948026.html
2013-05-13 16:36
Ratgeber