Zwei unversöhnliche Blöcke stehen sich gegenüber

Zagreb..  Vor der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag ist es wie immer beim jüngsten EU-Mitglied Kroatien. Es stehen sich zwei politische Blöcke unversöhnlich gegenüber, die auch Schläge unter der Gürtellinie nicht scheuen, um den Gegner zu schwächen. Auf der einen Seite das amtierende Staatsoberhaupt Ivo Josipovic (57) für die regierenden Sozialdemokraten. Er wird herausgefordert von Kolinda Grabar Kitarovic (46) für die größte Oppositionspartei HDZ.

Seit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 heißt es immer und immer wieder links gegen rechts. Auch jetzt wieder herrsche ein „blanker Fight zweier Parteienblöcke“, stellt die Nachrichtenseite „tportal“ resigniert fest. Beide Seiten schenken sich nichts. Zoran Milanovic, Regierungschef und Vorsitzender der Sozialdemokraten, warnt die Wähler vor der HDZ-Kandidatin, die ein schlimmes Sinnbild für groß angelegte Korruption sei. In der Tat saß Grabar Kitarovic als Außenministerin (2005-2008) im Kabinett des HDZ- und Regierungschefs Ivo Sanader, der wegen Korruption eine zehnjährige Haftstrafe verbüßt.

Unfähigkeit und Korruption

Die HDZ samt ihrer Kandidatin unterstellt den Sozialdemokraten, durch Unfähigkeit und Korruption das heimische Wirtschaftssystem zu ruinieren und das Land unverantwortlich zu verschulden. In der Tat ist in den vergangenen fünf Jahren jeder fünfte Arbeitsplatz verloren gegangen. Das ist auch der Grund, warum sich Josipovic lieber von seiner sozialdemokratischen Heimat absetzt und sich als unabhängiger und überparteilicher Kandidat präsentiert. Ob es ihm nutzt, ist fraglich.

Entscheidend wird am Ende sein, wer Anhänger des Überraschungskandidaten Ivan Sincic auf seine Seite ziehen kann.

Der 24-jährige Bürgerschreck mit seiner Fundamentalkritik am politischen und wirtschaftlichen Establishment hatte aus dem Stand in der ersten Wahlrunde 16,4 Prozent der Wähler für sich gewinnen können. Die allermeisten von ihnen dürften bei der Stichwahl wohl zu Hause bleiben, prognostizieren die Meinungsforscher.

Es handelt sich um die „Verbitterten und Enttäuschten, die niemandem mehr glauben“, analysierte die Zagreber Zeitung „Jutarnji list“: Hunderttausende der 3,8 Millionen Wahlberechtigten hätten sich „aus dem politischen Prozess zurückgezogen, weil sie fühlen, dass keine Partei und kein Politiker sie vertritt“. Das Ergebnis: Im ersten Wahlgang hatten nur 47 Prozent ihre Stimme abgegeben, über die Hälfte war erst gar nicht an den Urnen erschienen.

Jeder Zweite ging nicht zur Wahl

Dieses Problem Kroatiens dürfte bei den nächsten Parlamentswahlen zum Jahresende aktuell werden. Denn dann will Sincic erstmals antreten und alle Unzufriedenen um sich sammeln. Die Wahlforscher sagen ihm dann einen noch größeren Erfolg voraus. Er würde damit die seit fast einem Vierteljahrhundert einbetonierte politische Landschaft des Adriastaates aufbrechen.