Zoll hebt riesiges Waffenlager aus

Schwerte..  Zollfahnder haben in einem Einfamilienhaus in Schwerte-Westhofen ein riesiges Waffenarsenal sichergestellt. Möglicherweise ist es bundesweit der größte Fund dieser Art seit Jahrzehnten. Rund 700 Revolver, Pistolen und Gewehre und 2,2 Tonnen Munition aller Sorten blockierten „alle Räume mit Ausnahme der Sanitäranlagen“, berichten Fahnder.

Die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der 54-Jährige Hauseigentümer mit den Beständen, die er aus Insolvenzen oder Erbschaften zusammenkaufte, einen schwunghaften illegalen Handel über die Internetplattform „e gun“ mit Waffenscheininhabern im In- und Ausland betrieben hat.

Dem professionellen Waffenhändler sei schon vor 13 Jahren die Lizenz entzogen worden. Es habe damals Unregelmäßigkeiten gegeben, sagt Wilhelm Paessens vom Zollfahndungsamt. Aber er habe Kunden „unter Ausnutzung der gültigen Handelsgenehmigung eines Freundes“ bedient.

Illegal war nach Angaben des Zolls auch die Aufbewahrung. Fahnder berichten: „Wir haben unseren Augen nicht getraut. In Wohnzimmer und Küche lagen Waffen auf den Tischen und auf dem Boden, im Keller versperrten sie den Weg zur Waschmaschine.“ In ihren Augen besonders brisant: Eine Gefährdung der ganzen Umgebung war gegeben. Das Haus steht in einem Wohngebiet nahe der Autobahn 1. „Der überwiegende Teil der scharfen Munition lagerte in unmittelbarer Nähe zur Ölheizung.“ Und der minderjährige Sohn habe unkontrollierten Zugang zum Arsenal gehabt.

Zu den sichergestellten Waffen gehören 38er Revolver, Perkussions-Revolver, Walther PP Sport, Pumpguns und Langwaffen aller Marken. Ein „Schießstock“, ein als Gehhilfe getarntes Gewehr, ist darunter sowie ein in einem Spazierstock versteckter Säbel, der „sehr scharf ist“. Ruth Haliti, Sprecherin des Essener Zolls: „Unvorstellbar, wie ein Mensch aus Gewinnsucht Familie und Nachbarn derart in Gefahr bringen kann.“

Die Staatsanwaltschaft in Hagen hatte im letzten Herbst Hinweise erhalten und die Zollfahndung in Essen beauftragt, diesen nachzugehen. Die Ermittler brauchten zwei Tage, um die Waffen zu sichern. Nachts musste das Haus bewacht werden.

Der Waffenhändler wartet auf sein Verfahren nicht nur wegen der falschen Lizenz. Auch die unsachgemäße Aufbewahrung ist seit dem Winnenden-Amoklauf eine Straftat.