Zigtausend Flüchtlinge in NRW haben noch kein Asyl beantragt

Zahlreiche Flüchtlinge in Deutschland haben noch kein Asyl beantragt.
Zahlreiche Flüchtlinge in Deutschland haben noch kein Asyl beantragt.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Lange Wartezeiten für Flüchtlinge machen eine schnelle Integration unmöglich. Das Bundesamt kann sich nicht ausreichend um die Zugewanderten kümmern.

Düsseldorf/Soest.. Kommunalpolitiker und Flüchtlingshelfer warnen vor den Folgen eines riesigen Staus bei der Annahme von Asylanträgen. Allein in NRW sind nach Einschätzung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe „mindestens 100 000 Flüchtlinge in die Kommunen verteilt worden, die noch keinen Asylantrag gestellt haben“. Dem zuständigen Bundesamt für Migration (Bamf) seien diese Menschen unbekannt.

Wartende Flüchtlinge bekommen keine Deutschkurse

Viele Flüchtlinge warteten seit acht bis zehn Monaten darauf, überhaupt registriert zu werden. Eine Integration dieser Zugewanderten bleibe so vorerst unmöglich. Sie dürfen zum Beispiel keine Sprachkurse belegen oder sich Hoffnung auf eine Ausbildung machen.

Flüchtlinge „Die Antragsannahme dauert noch immer Monate“, bestätigte die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, bei einer Tagung des Städte- und Gemeindebundes NRW in Soest. Erst rund 442 000 von 1,1 Millionen registrierten Flüchtlingen im vergangenen Jahr hätten bundesweit einen Erstantrag auf Asyl gestellt.

Aus dem Kreis der Rathauschefs kam Kritik an der aus ihrer Sicht fehlenden Unterstützung des Bundes und des Landes. Die Wohnungsmärkte in vielen NRW-Städten seien nicht für die Unterbringung so vieler Migranten geeignet. Der soziale Wohnungsbau sei Jahrzehnte lang nicht ausreichend gefördert worden. Bürokratische Vorschriften verhinderten die Ausweisung von Bauland. Die Städte bräuchten mehr Planungssicherheit und mehr Geld, um Flüchtlinge integrieren zu können. Die Kommunalpolitiker forderten eine Wohnsitzauflage für anerkannte Asylbewerber.

"Wissen nicht, wo wir die Menschen unterbringen sollen"

„Wenn 2016 so viele Menschen zuwandern wie 2015, dann können wir mit der Integration gar nicht erst anfangen. Wir wissen nicht, wo wir diese Menschen unterbringen sollen“, warnte Christof Sommer (CDU), Bürgermeister von Lippstadt.