Zerreißprobe in der Lebensmitte

Die meisten Frauen in der Lebensmitte kümmern sich von morgens bis abends. Um die Kinder. Um ihren Job. Um den Haushalt. Und oft auch noch um die Eltern oder die Schwiegereltern. Ein strammes Programm. Doch zum Jammern haben die meisten keine Zeit. Und viele auf den ersten Blick auch keinen Grund: Haben Sie sich nicht selbst für dieses Lebensmodell entschieden? Es ist deshalb gut, wenn andere das Jammern übernehmen. Oder besser: Wenn andere offen über die Zumutungen und die Überforderungen sprechen, die aus diesem Mammutprogramm erwachsen können. Es ist gut, wenn über die Vielfachbelastungen der Sandwich-Generation gesprochen wird.

Sicher, es gibt auch Frauen, denen macht die Vielfachbelastung nichts aus. Und es gibt nach wie vor viele Familien, in denen die Rechnung aufgeht: Der eine verdient das Geld, die andere kümmert sich um die Kinder, den Haushalt und die alte Schwiegermutter – und die Rente wird am Ende geteilt.

Doch seit in Deutschland auch für verheiratete Frauen gilt, dass nur Erwerbstätigkeit auf Dauer für soziale Sicherheit sorgt, ist es für Frauen zumindest riskant, in die traditionelle Fürsorge-Rolle zu schlüpfen. Das wissen die meisten. Sie arbeiten sich deswegen am täglichen Spagat ab und lernen mit dem schlechten Gewissen zu leben. Weil immer einer zu kurz kommt: der Job, die Kinder, die alten Eltern. Oder auch die Frauen selbst. Es ist gut, dass das Land nicht mehr nur über die Probleme junger Eltern redet – sondern auch über die Zerreißprobe in der Lebensmitte.