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Außenpolitik

Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan

10.11.2009 | 15:31 Uhr
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan

Washington/Kabul. Die Entscheidung steht kurz bevor: US-Präsident Barack Obama plant, zusätzlich mehrere zehntausend Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Die Truppenaufstockung werde wahrscheinlich schon im Januar beginnen. US-Außenministerin Hillary Clinton setzt auf deutsche Unterstützung.

US-Präsident Barack Obama will nach Informationen aus Regierungskreisen zusätzliche Truppen im Umfang von mehreren zehntausend Soldaten nach Afghanistan entsenden. Die Entscheidung stehe kurz bevor und werde wohl noch Ende des Monats zusammen mit einer breiteren Strategie für Afghanistan vorgestellt, erfuhr die Nachrichtenagentur AP in Washington. Mehrere Mitarbeiter des Weißen Hauses erklärten, die Truppenaufstockung werde wahrscheinlich schon im Januar beginnen.

Die von General Stanley McChrystal geforderte Verstärkung um 40.000 Mann wird es aber wohl nicht ganz geben. Im Weißen Haus wird der Plan daher als «McChrystal light» bezeichnet. Die neuen Truppen sollen die von McChrystal vorgeschlagene Strategie der Konzentration auf Bevölkerungszentren umsetzen und besonders zehn Städte und deren Ballungsräume schützen, wie am Montag aus Regierungskreisen verlautete. Vorhut könnte eine Heeresbrigade aus Fort Drum im US-Staat New York sein, die sich zuletzt noch auf einen Einsatz im Irak vorbereitet hat und deren Marschbefehl kurzfristig annulliert wurde. Eine US-Brigade umfasst für gewöhnlich etwa 3500 Soldaten.

Präsidentensprecher Robert Gibbs sagte, Obama werde die Afghanistan-Strategie am Mittwoch wieder mit wichtigen Mitgliedern seines außenpolitischen und militärischen Beraterstabs besprechen. Eine Entscheidung werde voraussichtlich erst nach seiner Asienreise Ende des Monats bekanntgegeben. McChrystal hat in einem Bericht an Obama vor knapp drei Monaten gewarnt, dass dem Einsatz in Afghanistan ohne eine Truppenaufstockung das Scheitern drohe.

250 Tonnen Material zum Bombenbau sichergestellt

NATO- und afghanische Soldaten haben unterdessen bei einer gemeinsamen Razzia in der südafghanischen Stadt Kandahar 250 Tonnen an Material zum Bau von Bomben sichergestellt. Wie die NATO am Dienstag mitteilte, wurden bei dem Einsatz am Sonntag unter anderem 226 Tonnen Ammoniumnitrat-Dünger sichergestellt, der oft zum Bau von Bomben benutzt wird. Zudem wurden 5000 Teile gefunden, die offenbar dem Bau von Bomben dienen sollten, die am Straßenrand versteckt werden. 15 Verdächtige wurden festgenommen. In einem nahen Lagerhaus wurden weitere 4000 Düngersäcke zu je 45 Kilogramm gefunden.

"Es scheint US-Ausrüstung zu sein"

Ein vom Fernsehsender Al Dschasira ausgestrahltes Video zeigte unterdessen Aufständische in Ostafghanistan, die über Munition und Minen mit US-Kennzeichnung verfügten. «Es scheint US-Ausrüstung zu sein», sagte ein NATO-Sprecher. Laut Al Dschasira brachten die Aufständischen die Ausrüstung nach Angriffen auf zwei Außenposten in ihre Gewalt. Etwa 200 Aufständische hatten am 3. Oktober gemeinsame Stützpunkte der US- und der afghanischen Streitkräfte in der Provinz Nuristan angegriffen. Die US-Streitkräfte gaben den Stützpunkt später auf, erklärten jedoch, sie hätten keine Munition zurückgelassen.

Japan kündigte unterdessen neue Finanzhilfen für Afghanistan an. Innerhalb der nächsten fünf Jahre seien fünf Milliarden Dollar für den Aufbau der Polizei, die Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte geplant, teilte das Außenministerium in Tokio mit. Die Mittel sind auch als Ausgleich dafür gedacht, dass die neue Regierung von Ministerpräsident Yukio Hatoyama die Unterstützung beim Auftanken von US-Kriegsschiffen im Indischen Ozean einstellen will.

Hoffen auf Unterstützung von Deutschland

US-Außenministerin Hillary Clinton setzt auf Deutschlands Unterstützung für eine neue Afghanistan-Strategie der USA. Es müsse verhindert werden, «dass Afghanistan wieder eine Zuflucht für Terroristen wird», sagte Clinton in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit MDR INFO. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte im Bundestag in Berlin, der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan müsse «in eine neue Phase» geführt werden.

"Wir hoffen, Deutschland wird dabei sein, denn es ist in unser aller Sicherheitsinteresse», sagte Clinton. Die Aufständischen suchten «nur eine Gelegenheit, Deutschen, Amerikanern, Briten oder Franzosen Schaden zuzufügen». Die US-Chefdiplomatin würdigte zugleich den Beitrag Deutschlands in Afghanistan. «Deutschland hat nicht nur Truppen geschickt - und Verluste und Opfer bei diesen Truppen hinnehmen müssen. Deutschland hat auch zivile und finanzielle Unterstützung geleistet», sagte Clinton

"Gemeinsam weitermachen"

Deutschland habe zudem die «Erfahrung und Expertise» für die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. «Es gibt also eine Reihe von Möglichkeiten, wie Deutschland mitmachen kann», führte die US-Außenministerin aus. Daher hoffe sie, «dass, was auch immer Präsident Obama entscheiden wird, so überzeugend sein wird, dass wir gemeinsam weitermachen werden». Letztlich müssten das aber natürlich die deutsche Regierung und die Menschen in Deutschland entscheiden. 

Merkel sagte in ihrer Regierungserklärung, der «Kampfeinsatz» in Afghanistan fordere Deutschland «in ganz besonderer Weise». Mit den Bündnispartnern, der afghanischen Regierung und den Ländern der Region solle Anfang kommenden Jahres bei der geplanten Afghanistan-Konferenz besprochen werden, «wie und mit welchen konkreten Schritten» eine neue Phase gestaltet werden könne. «Wir wollen eine Übergabestrategie in Verantwortung festlegen», sagte Merkel. Von der Regierung in Kabul werde unter anderem eine gute Regierungsführung erwartet.(ap/afp)

DerWesten

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Kommentare
11.11.2009
12:27
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von politikistverlogen | #13

Was ist aus dem Heilsbringer Obama geworden? Krieg wird verstärkt, die Annäherung an Bush immer stärker. Schade für diese Welt. Besonders schade für Deutschland, das in den Kriegssog gerät. Die Mehrheit der deutschen Bürger will das nicht. Leider tritt die Politik das mit Füßen. Es ist einfach zum Kotzen.

11.11.2009
12:12
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von dusted | #12

... wir haben halt Krieg.

10.11.2009
19:39
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von Vanagas | #11

Friedensnobelpreisträger Obama - wir haben verstanden !

10.11.2009
18:27
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von Graf Koks | #10

Da hat die Bushstrategie mit der Selbstverwaltung der Afghanen und die geringe Präsenz des Militärs nicht gezogen.
Jetzt kommt die Obamataktik in jedem Dorf ein Stützpunkt. Halte ich nicht für verkehrt, da das afghanische Militär und die Polizei die Gegenden nicht befrieden kann. Ein paar große Stützpunkte und Patroilien konnten dies auch nicht.

10.11.2009
17:35
Blockierter Kommentar.
von Herold Schincke | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.11.2009
17:33
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von nasenhäufchen | #8

@3
Meinten sie die Sicherung der heimischen Energiequelle Koks?
Mutter der Mann mit dem Koks ist da,....
Junge, ach Junge das weiss ich ja.......)

10.11.2009
17:24
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von vongutaufdemberg | #7

Merkel sagte in ihrer Regierungserklärung, der «Kampfeinsatz» in Afghanistan fordere Deutschland «in ganz besonderer Weise». Jawohl!
Freddy Quinn wird mit seinem alten Schlager:
Hundert Mann und ein Befehl wieder zu neuem Leben erwachen. Die Bundeswehr wird demnächst in friedlicher Absicht 10000 Sportschützen in dieses Land beordern um das durchzusetzen, was in @ so treffend beschrieben wird.

10.11.2009
17:12
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von kuba4711 | #6

@ 4 Ergänzung. nebenbei bemerkt frage ich mich immer wieder ,wer denn verhindert ,dass Saudi-Arabien immer mehr zum Hort von extremistischen islamisten wird.
etwa die von US-Interessen gekaufte ,königliche familie Saud????
Allah u Akbar!!!!!

10.11.2009
17:11
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.11.2009
17:05
Zehntausende Soldaten mehr nach Afghanistan
von kuba4711 | #4

So ein Friedensnobelpreisträger Obama ,der kann ungeahnte Aktivitäten entwickeln.
Zu fragen bleibt , wer denn den amerikanischen Rückzug bezahlen soll -und mit welchem Geld - , denn angesichts des Werteverfalls des Dollars erhärtet sich immer mehr der Verdacht ,dass das amerikanische Imperium -mangels ökonomischer Schlagkraft - in der Versuchung ist , seine -noch vorhandene - militärische Option verstärkt zu nutzen.

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