Zahl chronisch kranker Kinder wächst

An Rhein und Ruhr..  Wenn es um Kinderkrankheiten geht, sagen die Ärzte dreimal A: Allergien, Adipositas und Aufmerksamkeitsstörungen. Denn diese haben in den vergangenen Jahrzehnten alarmierend hohe Zuwachsraten. „Diese Krankheitsbilder haben sich nahezu verdreifacht“, berichtet Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Chefarzt einer Bielefelder Kinderklinik und Leiter des Allergie-Centrums Ruhr.

Und schlimmer noch für viele Kinder: Beinahe jedes dritte Kind leidet gleich an zweien dieser beiden Krankheiten, manchmal sogar an allen drei Symptomen. „Da muss es Zusammenhänge geben“, ist Hamelmann überzeugt. Doch damit hat sich bislang niemand befasst. Mit einer Pilotstudie wollen Kliniken im Ruhrgebiet nun herausfinden, welche Zusammenhänge es zwischen den Krankheitsbildern gibt – und wie sich der dramatische Anstieg bremsen, möglichst sogar stoppen lässt.

Die Befunde jedenfalls sind alarmierend: Die Zahl fettleibiger Jugendlicher zwischen 14 und 17 hat sich seit den 90er-Jahren verdreifacht, jedes vierte Kind leidet mittlerweile unter Allergien, bei der Elterngeneration ist es nur jeder 30. Warum diese „Neuen Volkskrankheiten des Kinder- und Jugendalters“ (Niki) so dramatisch zunehmen, ist unklar. Immerhin hofft das Land NRW, dass die Studie ein wenig Erkenntnis bringt. Das Wissenschaftsministerium unterstützt die Studie mit 1,5 Millionen Euro. Damit sollen in den nächsten anderthalb Jahren 600 junge Patienten zwischen 6 und 12 Jahren eingehend untersucht und gemeinsam mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten beforscht werden.

Diese müssen natürlich zustimmen – und Geduld mitbringen für außerordentlich detailreiche Fragebögen. Vom sozialen Status über das häusliche Umfeld, von den Ernährungsgewohnheiten über den Medienkonsum bis zu den Schlafgewohnheiten wollen die Mediziner alles abfragen, um herauszufinden, welche Faktoren bei diesen Krankheiten eine Rolle spielen. Besonders ins Auge nehmen die Mediziner dabei Kinder, die gleich an mehreren der sogenannten neuen Volkskrankheiten der Kinder leiden. Zudem werden Blutwerte, Entzündungsparameter und andere medizinische Daten erfasst. Auch ist eine genauere Untersuchung der Genetik geplant. „Wir hoffen auf einige Antworten und dass sich Risikofaktoren benennen lassen. Aber wir sind schon froh, wenn wir bessere Fragen stellen können“, so Hamelmann.