Wut in der GDL - Weselsky "will nur sein Ego befriedigen"

Steht als GDL-Chef zurzeit viel im Rampenlicht: GDL-Chef Claus Weselsky.
Steht als GDL-Chef zurzeit viel im Rampenlicht: GDL-Chef Claus Weselsky.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nicht alle Mitglieder der Lokführer-Gewerkschaft GDL wollen der harten Linie ihres Chefs Claus Weselsky folgen. In der Gewerkschaft herrsche ein Klima der Angst, sagen sie und fordern den streitbaren Gewerkschaftsboss auf, von seiner kompromisslosen Haltung im Tarifkonflikt mit der Bahn abzurücken.

Essen.. Mit schnellen Zügen kennt sich Olaf Schulz-Arimond aus. Einst war der Düsseldorfer einflussreicher Funktionär der Lokführergewerkschaft GDL in NRW. Davor saß der 53-Jährige viele Jahre im Cockpit eines ICE. Aufs Tempo zu achten und rechtzeitig abzubremsen, das gehört für Schulz-Arimond also ganz selbstverständlich dazu, wenn man an den Steuerhebeln eines Hochgeschwindigkeitszuges sitzt. Jetzt fürchtet er, dass ein anderer Lokführer im laufenden Tarifkonflikt gleich den ganzen Berufsstand aus dem Gleis hebt: Claus Weselsky, der kompromisslose GDL-Chef.

Von außen betrachtet sah es bislang so aus, als ob die Lokführer geschlossen hinter ihrem Gewerkschaftschef stehen. Weselsky gilt als harter Hund mit einem Hang zu verbalen Entgleisungen. Das muss kein Nachteil sein im zähen Ringen um Tarife und Arbeitszeiten. Unter seiner Führung hatte die GDL in der Vergangenheit für satte Gehaltssteigerungen der Lokführer gesorgt. Doch intern ist Weselsky keineswegs unumstritten.

"Es tut mir weh, wie Lokführer zu Buhmännern werden"

Olaf Schulz-Arimond gehört zu jenen Weselsky-Kritikern, die die Amtsführung ihres Chefs rundweg ablehnen. „Es tut mir in der Seele weh, wie wir Lokführer zu Buhmännern der Nation werden“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Gehen Sie mal in Dienstkleidung über den Bahnsteig, was Sie da zu hören bekommen von den Reisenden, das haben wir nicht verdient.“ Schuld daran trage die kompromisslose Haltung der GDL-Spitze.

Die Vorwürfe Schulz-Arimonds gegen den Gewerkschaftsboss haben es in sich. Weselsky könne keine Kritik vertragen und sei „nicht teamfähig“. Kritiker würden kurzerhand abgebügelt. Schulz-Arimond: „Früher standen in der Gewerkschaftszentrale die Türen offen. Es gab ein kollegiales Miteinander.“ Heute herrsche ein Klima der Angst. Jeder, der Weselsky nicht linientreu folge, müsse um seinen Gewerkschaftsposten fürchten.

Schulz-Arimond sieht sich selbst als Weselsky-Opfer. Gewerkschaftsfunktionär ist Schulz-Arimond schon länger nicht mehr. Als stellvertretender NRW-Vorsitzender trat er im Frühjahr 2013 zurück, ebenso der damalige NRW-Bezirkschef Frank Schmidt. Aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen, wie es offiziell hieß. In Wahrheit, so Schulz-Arimond, sei das Ganze eine „Säuberungsaktion“ gewesen.

Majestätsbeleidigung im Reich von Claus Weselsky

Schmidt und er hätten sich kritisch geäußert über den Vertretungsanspruch der GDL auch für die Zugbegleiter. Eine Majestätsbeleidigung im Reich von Claus Weselsky. Denn der GDL-Chef treibt den aktuellen Tarifkonflikt mit der Bahn AG besonders deshalb auf die Spitze, weil die Lokführergewerkschaft künftig auch für die Zugbegleiter verhandeln will, die jedoch mehrheitlich in der größeren Bahngewerkschaft EVG organisiert sind. Weselsky gehe es nur darum „sein Ego zu befriedigen“. Dafür werde die ganze GDL eingespannt.

Auch Dieter Kowalsky kann nicht fassen, was derzeit über „seine“ GDL hereinbricht: „Die dümmste Gewerkschaft Deutschlands“ titelte jüngst der „Spiegel“. Einen alten GDLer wie Kowalsky trifft das ins Herz. Zu verantworten habe diese Rufschädigung Claus Weselsky. Der, so Kowalsky, hätte den aktuellen Arbeitskampf „so niemals führen“ dürfen.

"Er kann nicht mehr zurück"

Kowalsky und Schulz-Arimond stehen nicht allein mit ihrer Kritik. Beide gehören der „Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL“ an, ein Sammelbecken von Weselsky-Gegnern, das nach eigenen Angaben vermehrt Zulauf hat. Dieter Kowalsky hat sogar Verständnis für die Haltung der Bahn. Das Staatsunternehmen will die beiden Bahngewerkschaften GDL und EVG gemeinsam an den Verhandlungstisch holen. Weselsky lehnt das kategorisch ab. Kowalsky fordert die GDL-Spitze im Gespräch mit dieser Zeitung dagegen auf, „wieder zurückzukehren zu sachgerechtem Handeln“.

Dass Claus Weselsky auf den Rat des gebürtigen Esseners hört, steht kaum zu erwarten. „Die GDL-Spitze schweigt unsere Initiative tot“, sagt Kowalsky, GDL-Bundesvize bis 2006. Weselsky will kommende Streiks noch stärker führen. Schulz-Arimond: „Der hat sich so weit aus dem Fenster gelehnt. Er kann nicht mehr zurück.“