Wulff warnt vor Krieg und fordert Weiterentwicklung des Islam

Hamid Karzai (3.v.l.) , in der Jahren 2002 bis 2014 afghanischer Staats- und Regierungschef, und Christian Wulff, ab 2010 bis zu seinem Rücktritt im Februar 2012, zehnter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, diskutierten in der alten Lohnhalle in Wattenscheid über das Thema „Herausforderung Afghanistan – Die Situation am Hindukusch, globaler Terrorismus und Deutschlands Rolle in der Welt“.
Hamid Karzai (3.v.l.) , in der Jahren 2002 bis 2014 afghanischer Staats- und Regierungschef, und Christian Wulff, ab 2010 bis zu seinem Rücktritt im Februar 2012, zehnter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, diskutierten in der alten Lohnhalle in Wattenscheid über das Thema „Herausforderung Afghanistan – Die Situation am Hindukusch, globaler Terrorismus und Deutschlands Rolle in der Welt“.
Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoSevices
Was wir bereits wissen
Alt-Bundespräsident Christian Wulff warnt vor der Gefahr eines dritten Weltkrieges. Für besonders gefährlich hält Wullf islamistischen Terror.

Bochum.. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) sieht angesichts der vielen militärischen Konflikte und Terroraktivitäten in Asien, Afrika und Europa die Gefahr einer lang anhaltenden „weltweiten Auseinandersetzung“. Er sprach in diesem Zusammenhang sogar von der „Möglichkeit eines dritten Weltkrieges“. Bei einer Diskussion mit dem afghanischen Ex-Präsidenten Hamid Karsai warnte Wulff insbesondere vor den Gefahren, die vom islamistischen Terror ausgehen. Diese Terroristen führten einen „Krieg, der von Hass getragen ist“.

Wulff vermisst Anpassung des Islam "an die heutige Zeit"

Wulff, der seit 2010 für seinen Standpunkt „Der Islam gehört zu Deutschland“ Lob, aber auch harsche Kritik geerntet hat, vermisst die „Anpassung des Islam an die heutige Zeit“. Die islamische Welt müsse sich weiter entwickeln und zum Beispiel Frauenrechte akzeptieren. Der Alt-Bundespräsident warnte aber den Westen davor, Muslimen den erhobenen Zeigefinger zu zeigen. „Viele Deutsche und Europäer tun so, als hätten wir hier schon seit 600 Jahren Demokratie.“ Erst vor 70 Jahren hätten die Siegermächte Deutschland auf die Beine geholfen, noch vor 40 Jahren habe hier eine Frau die Unterschrift ihres Mannes benötigt, um ein Konto zu eröffnen.

Grass-Interview Wulff und Karsai waren von dem Bochumer Veranstalter Sascha Hellen in die „Alte Lohnhalle“ nach Wattenscheid eingeladen worden. Das Publikum erlebte einen nachdenklichen Ex-Bundespräsidenten. Amtsverzicht, Prozesse und private Rückschläge haben Spuren hinterlassen. Wulff wirkt gereift, an ihm ist nichts Jungenhaftes mehr zu finden. Sätze zur Amtsführung von Joachim Gauck ließ er sich natürlich nicht entlocken („Präsidenten sagen nichts über Präsidenten“), aber Wulff setzte einen eigenen Akzent auf die Gauck’sche Aufforderung, Deutschland müsse – auch militärisch – mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. „Deutschland muss umfassender als militärisch eine größere Rolle spielen“, sagte Wulff. Und ging damit – diplomatisch gut verpackt – leicht auf Distanz zu seinem Nachfolger.