Wulff trifft geballte Kritik und Häme der Journalisten
03.01.2012 | 12:06 Uhr 2012-01-03T12:06:00+0100
Berlin. Bundespräsident Wulff erntet für seinen Anruf bei der „Bild“-Zeitung scharfe Kritik der Presse. Tenor der Kommentare: Wulff hat sich endgültig ins Abseits manövriert. Die Kritiker sparen nicht mit harten Worten: Der Bundespräsident wird als „dumm“ gegeißelt. Er sei „von allen guten Geistern verlassen“.
In der deutschen Presselandschaft schlägt Bundespräsident Christian Wulff ein rauer Wind entgegen. Quer durch alle Zeitungskommentare hagelte es am Dienstag heftige Kritik für seine versuchte Beeinflussung der Berichterstattung über seinen umstrittenen Privatkredit. Tenor: Wulff manövriert sich mit seiner mehrmaligen Betonung der Bedeutung der Pressefreiheit und dem unmittelbar vorangegangenen Versuch, die Veröffentlichung eines kritischen Artikels zu verhindern, endgültig ins Abseits.
„Ein Bundespräsident, der sich in dürren Worten zur Pressefreiheit bekennt, um sie in entscheidenden Momenten mit Füßen zu treten, erscheint in einer offenen Gesellschaft denkbar deplatziert“, kommentiert etwa der stellvertretende Chefredakteur der „Welt“, Ulf Poschardt. Das „Hamburger Abendblatt“ bezeichnet Wulffs Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann samt zugehöriger Mailbox-Nachricht als „Ungeheuerlichkeit“. Der Rechtsexperte der „Berliner Zeitung“, Christian Bommarius, spricht von einer Dummheit. Laut Berthold Kohler, Mit-Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, zeugen die nach außen gedrungenen Äußerungen Wulffs von „einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden ist.“
„Mischung aus Naivität und Dreistigkeit“
Wolfgang Krach, stellvertretender Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, zeigt sich „bestürzt“ über „die Mischung aus Naivität und Dreistigkeit, mit der Wulff agiert hat “. Auch die „Financial Times Deutschland“ bewertet seinen Griff zum Telefon „irritierend“. „Aber dass er glaubt, damit etwas zu erreichen, ist beunruhigend. Und dass er sich auch noch erwischen ließ, indem er auf die Mailbox sprach, ist schlicht peinlich.“
Für die „Rhein-Zeitung“ offenbart Wulffs Vorgehen nicht nur eine kaum zu überbietende politische Dummheit, sondern auch „ein merkwürdiges Verständnis des Bundespräsidenten von der Rolle der Medien und der Pressefreiheit“. Die „Frankfurter Rundschau“ bezeichnet den Versuch, „die Arbeit einer Zeitung durch Druck auf die Führung des Hauses zu unterbinden“, als „unentschuldbar“. „Rechtlichkeit meint Redlichkeit. Von der aber versteht Wulff nichts“, heißt es in dem Blatt weiter. „Tagesspiegel“-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff erscheint es so, „als verlören sowohl das Amt als auch Wulff fortschreitend an Würde.“
Zweifel an Wulffs Eignung
Mit Blick auf das Krisenmanagement des Bundespräsidenten wächst bei den meisten Leitartiklern die Skepsis, ob Wulff seinem Amt noch länger gewachsen ist. Er „wirkt zu oft so, als würde er mit Learning by Doing das Amt des Staatsoberhauptes im Selbstversuch erproben“, kommentiert Poschardt von der „Welt“ weiter. Ähnlich sieht das auch Krach von der „SZ“: „Die Sicherungen, die bei einem Präsidenten im Falle einer - politischen wie privaten - Krise funktionieren sollten, funktionieren bei ihm nicht.“ Dem „Hamburger Abendblatt“ dient das Wulffsche Krisenmanagement inzwischen „als Beispiel, wie man eine kleine Affäre durch Tricksen, Vertuschen und Verschweigen in ein großes Scheitern verwandelt.“
Während der „General-Anzeiger“ bereits vom „Noch-Bundespräsidenten Christian Wulff“ spricht, hat die „Thüringer Allgemeine“ nur noch Mitleid für ihn übrig: „Er selber hatte die Geister gerufen, die ihn nun bedrängen. Er hatte der Bildzeitung exklusiv die Story über die Trennung von seiner Frau gegeben - im Handel für eine wohlwollende Berichterstattung. Auf den Handel pochte der Bundespräsident. Vergeblich. Deutschland ist eben stolz auf seine Pressefreiheit, aber nicht mehr stolz auf diesen Bundespräsidenten.“
Auch in Wulffs niedersächsischer Heimat schwindet die Rückendeckung. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ fragt: „Hatte ein Bundespräsident es jemals nötig, erklären zu lassen, dass er die Pressefreiheit achte? Ein Fehler lag schon darin, den Chefredakteur von ‘Bild’ überhaupt nur anzurufen; so etwas tut ein Bundespräsident nicht. Ein zweiter Fehler lag darin, sich mit drohendem Ton auf einer Mobilbox zu verewigen. Zwar gehört immer eine zweite Stillosigkeit dazu, solche Dinge öffentlich zu machen. Doch die zweite Stillosigkeit macht die erste nicht besser.“ (dapd)

23:06
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19:45
Das Ganze ist eigentlich unfassbar.Ein Politiker der fast als Kanzlerkanidat NR 1 neben Angela Merkel gehandelt wurde begeht so viele Imagefehler.Man kann ja nur froh sein das er im Großen und Ganzen nur Bundespräsident ist, oder war.
19:02
Der Mann bekommt nur , was er selbst bestellt hat !
16:33
Müssen wir denn jede Mode von Amerika übernehmen? Jetzt haben wir auch einen Präsidenten wie diesen Bush...ein Fettnäpfchen-Suchgerät halt mit einem Fingerspitzengefühl wie ein Luftkissenboot: Schwebt über allem, wirbelt dabei aber jede Menge Staub auf.
15:38
Lasst Wulff bloß nicht mehr allein in die Badewanne...
15:01
Anstelle von Horst Köhler würde ich mir jetzt ganz schön ins Fäustchen lachen!
14:41
Rücktritt! und auch Verzicht auf aller Vergünstigungen eines "Alt-Präsidenten" inkl. dem Pensionsanteil u.s.w !.
Jedem Bürger kann zugestanden werden, dass er z.B. in ein Ferienhaus von Freunden eingeladen wird. Jedem kann zugestanden werden, dass er ein Pünktchen weniger Darlehens-Zinsen zahlt.
Aber, sobald auch nur die Möglichkeit des Verdachtes einer Vorteilsnahme entstehen könnte, hat man dies zu unterlassen, jeder - Das gehört sich einfach, und erst recht ist dies vom ersten Mann im Staate zu erwarten! Während ein normaler Durchschnittsbürger nur mit einer Rente wenn er sie überhaupt bekommt obwohl er 30J.oder länger gearbeitet hat in der Höhe von ca. 50 - 68 % seines Nettoeinkommen rechnen kann, bekommt ein Bundespräsident, egal wie lange er in "Amt und Würden" war, bis ans Lebensende seine Präsidentenbezüge weiter.
Das sind aktuell 199.000 Euro im Jahr. Dazu kommt ein repräsentatives Büro + Mitarbeiter in Berlin und - natürlich - ein Dienstwagen; ALLES KOSTENLOS!
"UND DAS UNABHÄNGIG SEINER LEISTUNG UND WÜRDE IM AMT - FINANZIERT VOM „DEUTSCHEM VOLK“
14:19
Also, auf der einen Seite lässt NochBP Wulff immer seine Anwälte sprechen, bevor er selbst das zugibt, was ehe nicht mehr zu verschleiern ist, und dann geht er, völlig unbedarft und der Würde seine Amtes entsprechend;-), dämlich mit der Presse um. Sollte es sich bei NochBP um Klons handeln? Einen für das Präsidialamt, einen für korrupt politisches Verhalten? H. Wulff eine gespaltene Persönlichkeit des öffentlichen Rechtes? Einfach unheimlich!
14:13
Die bundesdeutsche parlamentarische Demokratie zeigt mit der Wulff-Affäre die ersten schweren Verschleißerscheinungen. Das Grundgesetz gehört generalüberholt und der nächste Bundespräsident darf nicht mehr von der Bundesversammlung, sondern muss direkt vom Volk gewählt werden. Ein Notnagel nach einem unerwarteten Rücktritt darf nicht ins höchste Staatsamt. Das kann eine neue Verfassung mit einem hohen Anteil plebiszitärer Elemente gewährleisten!
14:13
Jeder bekommt das, was er Verdient. ;-) Dumm gelaufen.