Wohlfahrtsverband warnt vor sozialen Unruhen im Revier
21.12.2011 | 19:39 Uhr 2011-12-21T19:39:00+0100
Essen. Nordrhein-Westfalen und besonders das Ruhrgebiet drohen nach Erkenntnissen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zum Armenhaus der Republik zu verkommen. Der Verband fürchtet soziale Unruhen.
Bei der Vorstellung des „Armutsberichts 2011“ bezeichnete der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, das Ruhrgebiet als „Problemgebiet Nummer eins“ in Deutschland und warnte vor sozialen Unruhen zwischen Duisburg und Dortmund: Wenn dieser „Kessel mit über fünf Millionen Menschen“ einmal ins Kochen gerate, werde es schwer fallen, ihn wieder abzukühlen.
Im Landesdurchschnitt ist die „Armutsgefährdungsquote“ in NRW zwischen 2005 und 2010 von 14,4 auf 15,4 Prozent gestiegen. Sie liegt damit zwar immer noch deutlich unter den Werten im Osten, wo Mecklenburg-Vorpommern mit 22,4 Prozent den Armutsrekord verzeichnet. Doch während in den neuen Ländern eine allmähliche Besserung zu beobachten ist, verläuft die Entwicklung in NRW genau umgekehrt.
Schneider warf der Bundesregierung vor, das Armutsproblem verschärft zu haben. So habe die Erhöhung des Kinderfreibetrages den Wohlhabenden eine Entlastung von 45 Euro im Monat beschert, während geringer Verdienende mit 20 Euro Kindergelderhöhung abgespeist worden seien. Hartz-IV-Empfänger mit kleinen Kindern hätten durch die Streichung des Elterngeldes eine monatliche Einbuße von 300 Euro zu verkraften. Die Einsparungen an öffentlich geförderter Beschäftigung hätten dazu geführt, das nun 200 000 Menschen wieder auf der Straße stünden: „Wir stehen vor dem Zusammenbruch der Infrastruktur für Langzeitarbeitslose.“ Um Abhilfe zu schaffen, verlangte Schneider einen auf 420 Euro angehobenen Hartz-IV-Satz und Steuererhöhungen für Vermögende und reiche Erben.
Der Sozialstaat-Experte Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen riet davon ab, die Revierstädte über einen Kamm zu scheren. Zu den Problemstädten zählten unter anderem Gelsenkirchen und Dortmund mit besonders vielen Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern. „Mülheim und Bochum stehen gar nicht so schlecht da“, so Bäcker.
Das Ruhrgebiet ist Problemregion
Ein Blick auf die Armuts-Karte scheint zu reichen: Je dunkler die Farbe, desto ärmer die Bürger. Besonders düster sieht es im Osten aus, in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen-Anhalt und in Berlin. Im Süden der Republik, bei den glücklichen Bayern, scheint Armut eher kein Thema zu sein. Und bei uns, im Ruhrgebiet, glänzt es rot und orange: Warnfarben für Bedürftigkeit. Das Ruhrgebiet ist dieser Farbenlehre entsprechend so etwas wie „der Osten im Westen“. Eine „Problemregion“, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband sie nennt.
Im Großen und Ganzen stimmt dieses Bild, und das schon seit vielen Jahren. Im Ruhrgebiet gibt es zum Beispiel erheblich mehr Arbeitslose als anderswo. In Gelsenkirchen lag die Quote zum Jahresende bei 13,9 Prozent (Deutschland: 6,5 Prozent). Im Unterallgäu herrschen diesbezüglich paradiesische Zustände mit einer Arbeitslosenquote von 1,7 Prozent.
Zahl der Hartz-IV-Empfänger dramatisch hoch
Im Revier leben auch „dramatisch viele“ Hartz-IV-Empfänger, sagt der Wohlfahrtsverband. Zu den Unterstützten zählen auch viele Kinder. So waren der Studie zufolge im Juli 2011 in Dortmund und in Duisburg 17,8 Prozent der Einwohner bis 65 Jahren auf Hartz IV angewiesen, in Essen waren es 18,2 Prozent und in Gelsenkirchen sogar 21,6 Prozent. Die relative Armutsquote sei sogar in den letzten sechs Jahren stark gestiegen. In Dortmund zum Beispiel von 18,6 auf 23 Prozent.
Ist das Revier also am Ende? Gehen Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen und Oberhausen vor die Hunde? So einfach, wie uns das die Farbenlehre im Armutsbericht suggeriert, ist das nicht zu beantworten. So ist die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen im Ruhrgebiet in diesem Jahr im Vergleich zu 2010 und zu 2009 sogar leicht gesunken. Das belegt der Sozialbericht für NRW. Erwerbstätige Hilfebedürftige sind Menschen, die, um leben zu können, komplett oder teilweise auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Es gibt auch weniger Arbeitslose im Revier. Die Quote sank laut Arbeitsagentur von 10,6 Prozent im November 2010 auf 10,2 Prozent im November 2011. Dennoch geht der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt an Langzeitarbeitslosen weitgehend vorbei. Und Langzeitarbeitslose gibt es reichlich zwischen Duisburg und Dortmund.
Ein Haufen Probleme
„Armut zu definieren ist nicht einfach“, weiß Gerhard Bäcker, Sozialstaat-Experte an der Uni Duisburg-Essen. „Es reicht nicht, nur die Zahl der Menschen zu betrachten, die auf Grundsicherung/Hartz IV angewiesen sind. Um Armut zu erfassen, sollte man die gesamte Lebenssituation erfassen, also auch Bildung, Integration und vieles mehr. Dazu gibt es aber bisher keine regionalisierten Daten“, erklärt der Professor.
Grundsätzlich aber ist das harte Urteil aus dem Armutsbericht über das Ruhrgebiet richtig, meint Bäcker. „Im Revier häufen sich die Probleme. Es gibt hohe Arbeitslosenquoten, viele Alleinerziehende, und es handelt sich um eine Region, in der Niedriglöhne verbreitet sind.“
Insgesamt seien die sozialen Unterschiede in NRW eklatant. Die Großstadt-Bevölkerung ist ärmer als die auf dem Land. Und die großen Kommunen des Ruhrgebiets schneiden schlechter ab als Düsseldorf, Bonn oder Münster. Das ist seit Jahren so, und die Lage wird nicht messbar schlimmer. „Es ist auch schwierig, den Ballungsraum Ruhrgebiet mit Mecklenburg-Vorpommern zu vergleichen“, sagt Bäcker. Das relativiert die Farbenlehre im Armuts-Atlas.
Schließlich kann man das Ruhrgebiet auch nicht über einen Kamm scheren. Die Problemkinder heißen Dortmund, Gelsenkirchen, Duisburg, Oberhausen, Essen. „Mülheim und Bochum stehen nicht so schlecht da“, sagt Gerhard Bäcker. In Gelsenkirchen galten im letzten Jahr 21,2 Prozent der Einwohner als erwerbsfähig und bedürftig, in Bochum waren es „nur“ 13 Prozent. In Dortmund gibt es aktuell vier Prozent mehr Arbeitslose als in Mülheim.
Die Vollbeschäftigung im Süden bedroht übrigens auch das Revier. „Viele Fachkräfte aus dem Ruhrgebiet dürften dorthin abwandern“, sagt Bäcker voraus. Das „junge Potenzial“ in unserer Region würde dann noch kleiner. Armes Revier!

16:36
Aufstand im Ruhrgebiet, das ist wirklich eine Lachnummer. Unser Volk, vor allen Dingen unsere Rentner an der Armutsgrenze, sind viel zu träge und zu dumm, so etwas zu Wege zu bringen. Statt Demo, stellen die sich lieber an den Suppenküchen an. In 2012 steigt die Armut weiter an, keinen scheint es zu interessieren. Nur einige von den Wohlfahrtsverbänden mucken mal wieder auf. Die Betroffenen gehen weiter, oder nicht zu den Wahlen und wählen mit einer gekonnten Gleichgültigkeit immer die selben Parteien, die, die für den Sozialbau verantwortlich sind. Sie wollen es wahrscheinlich nicht anders.
Schöne Weihnachten, auch weiterhin in Armut
15:02
Ich erinnere noch sehr gut die Bilder und höhnischen Kommentare über Schlange stehende Bürger in der "DDR".
Diese standen an wegen Bananen und Apfelsinen.
Wir stehen heute um Erbsensuppe an.
11:06
Es ist schon erstaunlich. Das Ruhrgebiet gehört mit zu den ärmsten Regionen. Gab es nicht zur Hochzeit von Kohle und Stahl fast Vollbeschäftigung und Arbeitsplätze für alle Bildungsschichten? Nur wer keine Lust hatte, war arbeitslos.
Nach den politischen (Kohle brauchen wir nicht) und den wirtschaftlichen Entscheidungen (woanders kann man billiger produzieren) bekommen wir jetzt die Quittung. Die sogenannte Neuschaffung von Arbeitsplätzen ist eine leere Wortblase der Politiker. Die sitzen allerdings entspannt am warmen Ofen und brauchen keine Sorge für ihre Zukunft zu haben.
10:32
Die Unruhen finden bereits bereits statt, durch verbale Übergriffe auf Bahnhöfen und ähnliches. Ursache ist ausschließlich die Hartz IV Gesetzgebung. Aber auch die Betroffenen haben mit Schuld. Statt vor der Glotze oder auf dem Fußballplatz gehören sie auf die Strasse und vor die Wahlurnen.
07:48
IN Dortmund ist es wie früher in der Dritten Welt. Es wird Geld für soziale Helfer eingesetzt, statt die Ursachen zu bekämpfen. Ebenso werden nur Billig-Arbeitsplätze gefördert. In der Presse wird von Erfolgen berichtet, wenn die Arbeitslosigkeit leicht sinkt. Dass das im Umkreis viel besser aussieht, wird verschwiegen. Es erinnert an die sozialistischen Staaten.
Warum sollen Parteien, die von dieser Bevölkerungsgruppe profitieren, die Armut wirklich bekämpfen?
Es ist natürlich grenzwertig, wie Armut von einem Verband, der von Armut profitiert (Armut ist auch ein Riesengeschäft), definiert wird.
Wir brauchen nachhaltige Förderung. Investitionen in Bildung müssen Priorität haben. Ein Praktikum für die Bedienung von Müllpressen fördert Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreichen. Hier versagt auch das ARbeitamt.
07:46
Aufstand im Ruhrgebiet...Ich kann mich vor Lachen kaum halten...
05:48
Der Phönix fliegt. lol
Herr Schneider greift zu kurz, wenn er die Bundesregierung verantwortlich macht.
Die jetztige Situation des Ruhrgebiets ist eine Entwicklung, die seit Jahrzehnten abzusehen war. Nur kein Politiker, der daran denkt, bei den nächsten Wahlen wieder gewählt zu werden, hat den Mut, das zu thematisieren.
Da können sich alle an die Nase fassen, von der Bundesregierung über die Landesregierung bis zu den Oberbürgermeistern und der Kommunalpolitik und ebenso die Parteien, egal ob von rechts oder links.
05:04
ich kann alles gar nicht verstehen,warum nicht schon lange das Volk rebelliert!
Es gibt noch zu viele Bürger die von unserem Staat Geld und überzogene Pensionen erhalten. So lange das einigermassen im Gleichgewicht bleibt wird sich in DE nichts ändern,dafür haben wir einfach nicht die richtigen Volksvertreter.Aber wir haben Sie auch in unserem System gezwungener Massen gewählt.Das Sytem ist keine echte Demokratie.Die macht geht vom Volk aus!!
www.gfu-page.de
03:57
Zum Thema:
sind die Sozialkassen leer, geht das Volk auf die Straße (HIV-ler, Rentner etc.)
Das wird so sicher sein wie das Amen in der Kirche.
Gelsenkirchen und Duisburg sind ernstzunehmende Kandidaten für "eventuelle Störungen" des friedlichen Zusammenlebens.
03:42
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