Wohin verschwinden jährlich 1,5 Millionen deutsche Autos?

Bis zu 1,5 Millionen Schrottautos verschwinden in Deutschland jedes Jahr.
Bis zu 1,5 Millionen Schrottautos verschwinden in Deutschland jedes Jahr.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eigentlich muss die Entsorgung von Gebrauchtwagen dokumentiert werden. Das ist oft nicht der Fall. Die Bundesregierung geht jetzt auf Wrack-Suche.

Essen.. Katze, Sittich, Kugelschreiber. Es gibt viel, was einfach mal weg ist und nie wieder auftaucht. Aber Autos? Die Bundesregierung hat genau damit ein riesiges Problem. Jedes Jahr verschwinden zwischen eine Million und 1,5 Millionen abgemeldete Altfahrzeuge in Deutschland spurlos – mit steigender Tendenz. Große Sorgen machen sich deshalb auch Umweltexperten und die Opposition.

Jetzt soll im Auftrag des Bundesumweltministeriums ein Gutachten den Verbleib der oft schrottreifen und wohl auch umwelt- und klimaschädlichen Gebrauchtwagen klären. Es soll bis 2016 vorliegen, hat das Ministerium jüngst auf eine Grünen-Anfrage bestätigt.

Immer mehr Autos werden nicht ordnungsgemäß entsorgt

Die Altfahrzeug-Verordnung schreibt vor: Die ordnungsgemäße Entsorgung der Autos ist den Behörden zu melden. Wer das bewusst missachtet oder da zumindest locker drüber hinweg geht, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Doch hier macht sich offenbar immer öfter Ungehorsam breit. Das Umweltbundesamt stellt eine wachsende Lücke in seinen Statistiken fest.

Konjunkturpaket Gab es zum Beispiel 2010 erst 1,29 Millionen Fahrzeuge, deren geordnetes Ableben nicht erfasst werden konnte, ist die Zahl schon bis 2012 auf fast 1,4 Millionen geklettert – das ist ein Fünftel der acht Millionen Kfz, die gesetzestreue Bürger jährlich geregelt entsorgen lassen. Heute dürfte die Zahl noch höher sein.

Fahrzeuge werden illegal außer Landes geschafft

Die Sache ist also nicht lustig – und hat in vielen Fällen einen kriminellen Hintergrund. Georg Mehlhart vom Öko-Institut in Darmstadt glaubt, „dass viele dieser Fahrzeuge nach Afrika und über die Nordseehäfen nach Osteuropa exportiert werden“. Zudem gebe es Hinweise, dass nicht wenige in Deutschland illegal in ihre Teile zerlegt und diese dann nicht fachgerecht verwertet würden.

„Das ist ein Umweltproblem“, sagt Mehlhart. Gifte könnten in die Umwelt gelangen, „zum Beispiel bei Motorölen, Brems- und Kühlflüssigkeiten“. Was viele Experten besonders fürchten: Alte Autos mit hohem C2-Ausstoß, die ins Ausland gebracht werden, belasten dann in anderen Ländern statt in Deutschland die Atmosphäre.

Banden zersägen ganz Oldtimer

Es ist aber auch ein Sicherheitsproblem. Um die großen Teile handlicher nach Osten oder auf den afrikanischen Kontinent zu schmuggeln, zersägen Banden ganze Oldtimer, bevor das vermeintliche Altmetall in Container für den Seetransport verpackt wird. Am Zielort landet die Fracht in Hinterhof-Garagen, wo sie von Mechanikern wieder zu ganzen Autos zusammengeschweißt wird. Die Unfallsicherheit solcher Vehikel gehe natürlich „gegen Null“, glaubt der ADAC.

Studenten Auch die Bundesregierung teilt die Annahme vom heimlichen Export. „Im Ausland besteht eine große Nachfrage nach Altfahrzeugen aus Deutschland“, räumt sie ein – besonders gelte dies für Osteuropa. Und der Weg dahin ist ja nach dem Wegfall der Grenzkontrollen, der mit dem Schengen-Jubiläum in diesen Tagen das 30-jährige Bestehen feiert, besonders schnell und einfach.

Dumm nur: Offenbar sind es gerade hierzulande Bund und Länder, die das Problem der Überwachung nicht in den Griff bekommen. EU-weit sind es jedes Jahr insgesamt 4,1 Millionen Altautos, die verschwinden. Der deutsche Anteil daran ist überproportional.