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Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein

15.11.2009 | 23:59 Uhr
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein

München. Die Proteste der Studenten haben offenbar Wirkung: Der Wissenschaftsrat hat nun erstmals Fehler bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge eingeräumt. Die Reform sei zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet gewesen.

Angesichts der Proteste an den Hochschulen haben Wissenschaftsrat und Kultusministerkonferenz Verständnis für die Studenten gezeigt. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, räumte handwerkliche Fehler bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge ein. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch (CDU), sagte, die Forderung nach einer Verbesserung der Studienbedingungen seien richtig.

Unterschiedliche Fächer seien über einen Kamm geschoren worden, sagte Strohschneider dem Nachrichtenmagazin «Focus». «Während einige Geisteswissenschaften mehr Struktur vertragen können, bräuchten die Ingenieurfächer eher mehr Freiheiten», sagte Strohschneider. Zudem sei die Bachelor-Reform zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet gewesen. Gleichzeitig habe sich die finanzielle Ausstattung der Hochschulen weiter verschlechtert. Der Wissenschaftsrat berät unter anderem in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen.

"Die Forderungen der Studierenden sind richtig"

Studentin bei Protesten in Essen. Foto: ddp

"Die konkreten Forderungen der Studierenden, die vor allem darauf gerichtet sind, die unmittelbaren Studienbedingungen zu verbessern, sind richtig», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Tesch der «Bild am Sonntag». Nun seien die Hochschulen in der Pflicht, auf die Forderungen einzugehen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte ein Gespräch mit den Wissenschaftsministern der Bundesländer in den nächsten Tagen an. «Die Studenten haben ein Anrecht zu erfahren, was wir unternehmen, um die Lehre zu verbessern», sagte sie der «BamS».

Die Bundesregierung wird nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Dezember mit den Ministerpräsidenten beraten, wie die bis 2015 angestrebte Investition von sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung umgesetzt werden kann. Der Weg zur Bildungsrepublik werde ein beherrschendes Thema der nächsten Wochen sein, kündigte Merkel am Samstag in ihrem aktuellen Video-Podcast an.

Auch der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies, äußerte Verständnis für bestimmte Forderungen. Der Kritik an Mängeln bei der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse schließe er sich an, sagte Markschies am Samstag im RBB-Inforadio. Andere Forderungen im Zuge der Studenten-Proteste lehnte Markschies ab. «Ich verstehe den Protest nicht, sofern er einen grundsätzlichen Systemwechsel will, also eine ganz andere Form von Bildung.»

Hörsäle an mehr als 50 Hochschulen besetzt

Aus Solidarität mit den Studenten in Deutschland versammelten sich nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA in der Nacht zum Samstag rund 150 Wiener Studenten vor der deutschen Botschaft in Österreichs Hauptstadt. Angesichts der bundesweiten Proteste von Studenten solidarisierte sich die SPD am Samstag mit deren Forderung nach einem besseren Bildungssystem. «Die SPD nimmt die Forderungen und Kritik der Studierenden ernst und begrüßt das Engagement», heißt es in einer Resolution, die der Dresdner Parteitag der SPD beschloss.

Die Studenten hatten in den vergangenen Tagen ihren Protest gegen die Studienbedingungen an deutschen Unis nochmals deutlich ausgeweitet. Bundesweit waren am Freitag Hörsäle an mehr als 50 Hochschulstandorten besetzt. Weitere Aktionen gegen Missstände im Bildungssystem sind in Planung. (afp)

DerWesten

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Kommentare
17.11.2009
12:27
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von Tom Seht | #11

Merkt ihr es? Es kommt ein Sturm auf, ein Sturm der Empörten, der Entmündigten, der des Stillstandes und der Verwaltung Überdrüssigen. Ein Sturm der Mutti und alle ihre Fahnengänger, die Lösungen für die Zukunft in Maßnahmen der Vergangenheit ohne jede Hinterfragung deren Sinnhaftigkeit suchen, hinwegspülen wird.

17.11.2009
12:24
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von Tom Seht | #10

Arme Studierende der Jahre 2007 bis 2015. Politiker opfern eine ganze Bildungsgeneration auf dem Altar der Selbstgefälligkeit. Alter Wein in neuen Schläuchen mit weniger Mitteln in kürzerer Zeit ohne eigene Schwerpunktwahl.
Das Aufbegehren zeigt, dass der Versuch reine Arbeitsmaschinen hervorzubringen kläglich gescheitert ist. Das ist ein Zeichen der Hoffnung für Individualität und Erneuerungsfähigkeit einer Gesellschaft. Dank den Protestierenden! Mögen möglichst viel alte Zöpfe fallen, denn auch heute gilt innerhalb der Lehre wie der Bildungsbürokratie wie 1968 unter den Talaren der Muff von tausend Jahren

17.11.2009
00:11
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von ecnerwal | #9

Gibt es irgendwo Auflistungen aller an diesen Reformen beteiligten Personen aus der Politik und ggf. Wirtschaft?

17.11.2009
00:08
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von ecnerwal | #8

Hätte Einstein unter diesen Bedingungen studieren müssen, dann hätte er sich exmatrikuliert, nebenbei als Lehrer gejobbt und wäre einfach jeden Tag in die Bibliothek und hätte die entsprechenden Module in eigener Zeiteinteilung und ohne Hausaufgaben (Übungsblätter) wie in der Schule -.also geistig frei - gelernt und wäre ebenso zu seinen Theorien gekommen.

Dieses neue Studiensystem behindert und verhindert (!)ironischerweise sogar den wissenschaftlichen Nachwuchs.

15.11.2009
23:52
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von sich-Fragender | #7

Verharmlosen, Vertuschen und Verleugnen so sind unsere Bildungsbeauftragten!

15.11.2009
20:00
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von vantast | #6

Verkürzung und Gleichmacherei, Normierung der Bildungsinhalte, damit der Personalchef es etwas leichter hat mit der Auswahl der Bewerber. Was sich die Bertelsmänner da ausgedacht haben, hat nicht mehr viel mit Bildung zu tun, nur mit Verschulung. Vermutlich wollten sie die Wissenslandschaft mit ähnlichen Strukturen vereinheitlichen, wie in der Technik, wo die Normierung ein großer Produktivitätsfortschritt war. Sogar China hat vor vielen Jahren deutsche Normen aufgekauft.

15.11.2009
18:53
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von rollstuhlgollum | #5

@#4
aus genau diesem grund wollte ja unser mobilitätshilfen-smeagol, auch als sportminister eingesetzt, die bundeswehr im inneren einsetzen dürfen ...

solidarität der spd, als wenn das noch was wert wäre, kann mich nur schlecht erinnern, aber hatten die was gegen die studiengebühren getan bzw. gegen den bachelor/master-müll?

umbau zur bildungsrepublik ... wenn ich sowas schon lese. unter der biene-maja-koalition werden doch jetzt eh nur noch die letzten gewinne aus deutschland abgezogen und dann ... der letzte machts licht aus ...

15.11.2009
17:00
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von holmark | #4

@2 rote Zora
Das von Ihnen - oder darf ich Dir sagen? - verlinkte Zitat kann ich nur vollständig unterschreiben. Auch ich arbeite als Berater kleiner Firmen und erlebe deren Ängste täglich, bis hin zu Selbstmordgedanken der Inhaber, weil sie einfach nicht mehr weiter wissen.

Nur die Konsequenz will keiner hören: der derzeitige Kapitalismus mit Zockereien über Finanzderivate ist schuld an der Misere. Erhard hatte eine soziale Marktwirtschaft im Sinn, die heutigen Politiker missbrauchen dieses Etikett um sich und ihre zweifelhaften Freunde zu bereichern.

Ich frage nicht zum ersten Mal, wann der erste Palast brennt, Autos werden schon angezündet...

15.11.2009
13:21
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von Dr.phil Collins | #3

ein mediävist als vorsitzender des wissenschaftsrates, aha

15.11.2009
12:49
Wissenschaftsrat räumt Fehler beim Bachelor ein
von Rote_Zora | #2

Klar zahlen immer die anderen. Wie man hier unschwer erkennen kann:

Zitat:

Ein persönlicher Zustandsbericht eines Irritierten, aber dafür aus der Praxis.

Ein NachDenkSeiten-Leser, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater hat uns folgenden Bericht über die Lage im Land geschickt. Er wohnt und arbeitet in einer Region, die als verhältnismäßig florierend gilt. Er hat den Eindruck, dass die Führungsschicht in Politik und Wirtschaft in einer abgehobenen Parallelgesellschaft lebt und nicht weiß oder verdrängt, wie die Wirklichkeit aussieht. Albrecht Müller.


Hier seine Mail:

Wenn ich Ihre NDS lese und andere Medien, die über die Berliner Rocky-horror-show berichten, dann frage ich mich: In welcher Parallelgesellschaft leben die Damen und Herren Politiker und die KonzernBosse eigentlich?

Merken die nicht, dass unten im Volk die Basis völlig wegbricht, sich alles beginnt aufzulösen?

Als WP/StB, Unternehmensberater und Seminarleiter habe ich u.a. auch sehr viel mit Gewerbetreibenden, Freiberuflern und anderen Steuerpflichtigen zu tun, aber auch mit Menschen, die noch nicht der Steuerpflicht unterliegen wie im wesentlichen Kinder und Jugendliche. Alle, aber auch alle haben die größten Probleme und auf deutsch gesagt: Die Nase voll von diesen Politikern.

Schüler und Studenten klagen über den unsäglichen Schulstress, diese völlig bescheuerten Bachelor und Master Studiengänge tun ihr Übriges. Überforderte Lehrer (Lehrermangel), denen zunehmend die Mittel fehlen und ein Schulsystem aus dem Mittelalter lassen auch unser Bildungssystem verrotten.

Alles weitere dazu hier an folgender Quelle: http://www.bürgermeinungen.de/index.php?option=com_kunena&Itemid=55&func=view&catid=6&id=85&limit=5&limitstart=15#119

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