Wissenschaft reagiert erleichtert auf Guttenbergs Rücktritt
01.03.2011 | 17:59 Uhr 2011-03-01T17:59:00+0100Ruhrgebiet.Mit Erleichterung reagierte die Wissenschaft auf den Rücktritt des Verteidigungsministers. In einem offenen Brief hatten zuvor zehntausende Doktoranden und Professoren Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, alle wissenschaftlichen Mitarbeiter zu verhöhnen, indem sie die Plagiatsaffäre kleinrede. Sie sorgten sich um die Standards in der Wissenschaft.
„Vielleicht ist nun klarer geworden, dass der Diebstahl geistigen Eigentums eben auch ein Diebstahl ist“, sagte Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen zum Fall Guttenberg . „Dass sich die Wissenschaft so deutlich positionierte, hat auch zu seinem Rücktritt beigetragen“, meint Radtke. „Wenn er damit durchgekommen wäre, wäre es ein Schlag ins Gesicht für alle gewesen, die sich wissenschaftlich redlich verhalten.“
Fall aus akademischer Sicht noch nicht erledigt
Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, sagte: „Fatal wäre es gewesen, wenn man die Sache als Kavaliersdelikt begraben hätte.“ Die Affäre sei eine „Generalwarnung an alle Beteiligten“, die Frage des geistigen Eigentums ernst zu nehmen. Für seinen Kollegen, Professor Gereon Wolters, Studiendekan der Juristischen Fakultät Bochum, hätte Guttenberg dagegen durchaus Chancen gehabt, sein Amt zu behalten: „Aber nur, wenn er seine Fehler nicht scheibchenweise zugegeben hätte, sondern sofort eine Reue-Rede gehalten hätte. Gerade die Art seines Verhaltens hat dazu geführt, dass er wund geschossen wurde. Jetzt ist es an der Zeit gewesen, dass er zurücktritt.“ Wolters glaubt außerdem, dass Guttenberg einen Ghost-Writer bemüht hat: „Wenn es stimmt, dass 76 Prozent der Dissertation abgeschrieben sind, dann vermute ich, dass er die Arbeit gar nicht selbst geschrieben hat. So blöd kann keiner sein.“
Es sei nicht immer einfach, bei den Quellen die Übersicht zu behalten, sagt Arnim Kolat, Doktorand an der Uni Bochum.
Noch vor ein paar Tagen hatte Guttenberg zugegeben: „Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren.“
Um das zu vermeiden, arbeitet Kolat zum einen mit einem Literaturverwaltungsprogramm. Zum anderen vermerkt er schon im Entwurf seiner Dissertation die Quellen, um am Ende Fehler zu vermeiden.
Ursula Gather, Rektorin der TU Dortmund, sieht den Fall aus akademischer Sicht noch nicht als erledigt an: „Trotz des Rücktritts müssen die erhobenen Plagiatsvorwürfe umfassend geprüft werden und es müssen, falls sie sich als richtig herausstellen sollten, die entsprechenden Konsequenzen, die im wissenschaftlichen Bereich hierbei Anwendung finden, gezogen werden“, so Gather.
Dies sieht auch die betroffene Universität Bayreuth so. Denn noch ist der Verdacht, Guttenberg habe vorsätzlich getäuscht, nicht ausgeräumt. „Der Rücktritt hat nichts daran geändert, dass die Arbeit der Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft unabdingbar bleibt“, teilte Uni-Präsident Rüdiger Bormann mit. Die „notwendigen Prüfungen“ würden fortgeführt.
Professor Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV), der die Interessen von 26 000 deutschen Wissenschaftlern vertritt, hatte zuvor bereits heftig protestiert: „Die Marginalisierung schwersten wissenschaftlichen Fehlverhaltens durch höchste Repräsentanten unseres Staates ist empörend.“ Kempen weiter: „Wissenschaft ist kein Sandkasten, sondern ein elementar wichtiger Teil unserer Gesellschaft.“
Exzellenz, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit
Auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft fordert ein eindeutiges Bekenntnis der Politik zu Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis. „Nur wenn Exzellenz, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit die Bewertungskriterien sind, sind junge Menschen bereit, das erhebliche berufliche, finanzielle und persönliche Risiko einer Karriere in Wissenschaft und Forschung einzugehen.“
Tatsächlich ist die Kritik – gerade von Seiten der Nachwuchswissenschaftler – gesalzen. Wie Guttenberg hat auch Dr. Friedhelm Kulmann sieben Jahre für seine Dissertation gebraucht. Und wie Guttenberg ist Kulmann Familienvater. „Zur Promotionszeit war gerade das vierte Kind unterwegs“, erzählt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Fernuniversität Hagen. Er ist auch Protokollant bei Disputationen, also der mündlichen Prüfung der Doktoranden. Den Umgang von Kanzlerin Merkel, das Vergehen sozusagen als Kavaliersdelikt darzustellen, beurteilt Kulmann als nicht nachvollziehbar. „Man kann nicht den Minister und die Doktorarbeit voneinander trennen. Wissenschaftliche Leistung hat etwas mit der Persönlichkeit zu tun.“
Arnim Kolat findet, dass der Rücktritt von Guttenberg zwingend war. Er promoviert seit zweieinhalb Jahren an der Universität Bochum zum Kartellrecht. „Wenn sich jemand wie zu Guttenberg sozusagen den Titel erschleicht, dann muss er auch die Konsequenzen tragen“, sagt der 28-Jährige. Es sei eben nicht nur ein Abschreiben wie in der Schule gewesen, sondern in der Wissenschaft ein „Schwerstverbrechen“.

11:24
Die Wissenschaft kam spät, aber dann kam sie mit Macht ! Gott sei Dank !
10:31
Ach Leute , Eltern sind die einzigen Vorbilder ihrer , wohlgemerkt IHRER Kinder!!
07:26
@#1 es ist ja wohl so das der Inhalt wirklich gut ist. Wenn man also die Quellen nicht kennt kann man zu dem Schluss gelangen das da etwas wunderbares abgeliefert wurde. Wenn man sich aber im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit mitdenke verschiedensten Quellen zum Thema beschäftigt, worunter dann auch diese herausragende Arbeit von z gutti zählt fallen natürch gleiche passagen auf.
05:42
Lächerlich: Rücktritt. Der ehemalige bayrische Minister Wiesheu hat, nachdem er betrunken am Steuer seines Wagens einen Menschen totgefahren hat, auch sein politisches Comeback gefunden und weiter den Steuerzahler belastet. Uns Gutti schafft es bestimmt auch wieder. Denn die Amigo- und Adelsriege lässt Ihresgleichen nicht untergehen. Dafür sorgt schon die BLÖD-Zeitung ! ;-)
23:59
Guttenberg will neben seinen Regierungs- und Parteiämtern nun auch das Bundestagsmandat niederlegen und erklärt somit seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern. Er verabschiedet sich also komplett aus der Politik.
Und das ist auch gut so und wird schon seine Gründe haben.
Wer nämlich über einen so langen Zeitraum lügt und betrügt (selbst seinen Lebenslauf hat er „aufgehübscht“) und alle Vorwürfe solange abstreitet, bis sie ihm Stückchenweise nachgewiesen werden, hat mit Sicherheit noch mehr Dreck am Stecken.
Denn auch die Staatsanwaltschaft wird noch ermitteln, es liegen schließlich schon Dutzende Anzeigen gegen ihn vor.
Ein verdammt schlechtes Vorbild/Beispiel für unsere Kinder und Jugend!
Gute Nacht Deutschland!
23:31
@galaxis88:
Ganz Deiner Meinung! Die Uni Bayreuth wird es wahrscheinlich nicht ganz ohne (finanziellen) Grund versäumt haben die Doktorarbeit genauer zu prüfen!? Und wenn es für die kleine Zeitschrift Kritische Justiz so einfach war die Texte durch eine Suchmaschine zu jagen, sollte eine Uni doch erst recht in der Lage sein!
Den Doktorvater der Arbeit würde ich mal genauer unter die Lupe nehmen und ich glaube auch nicht, dass Karl-Theodor das einzige schwarze Schaf in diesem Bereich ist, ganz im Gegenteil!
Gruss JF
23:25
Jetzt führt nur noch Merkel eine
verlogene Moraldebatte.
23:03
Man sollte natürlich nicht vergessen, dass es an den Unis ein Lehrer-Schüler-Verhältnis gibt, welches nicht auf Grundlage von Misstrauen funktionieren kann. Insofern wird es leider immer wieder Menschen geben, die dieses Vertrauensverhältnis zum Schaden aller ausnützen werden.
Im konkreten Falle G. scheint allerdings eher eine Gefälligkeitskultur wirksam gewesen zu sein.
22:59
#1
jawoll ;-)
Sie machen auch den Täter zum Opfer.
Es ist aber auch wirklich schwierig sich einzugestehen, dass man einem Betrüger erlegen ist. Fragen sie z.B. mal Opfer von Heiratsschwindlern...
22:37
Ich denke, hier werden auch noch ein paar Köpfe rollen. So ganz legal kann die ganze Sache doch nicht abgelaufen sein. Es ist ja schon überraschend, wie lange es dauerte, aber dann um so heftig war, dass sich Verantwortliche auf Buyreuth von ihm distnaziert haben.