Wissenschaft ehrt Carl Friedrich von Weizsäcker zum 100. Geburtstag
26.06.2012 | 18:48 Uhr 2012-06-26T18:48:00+0200
Kiel. Er war der letzte Universalgelehrte Deutschlands. Physiker, Atomforscher, Philosoph und Mahner. Zu seinem 100. Geburtstag ehrt die Wissenschaft Carl Friedrich von Weizsäcker, und Studierende in seiner Geburtsstadt Kiel entdecken sein Werk.
Als Carl Friedrich von Weizsäcker im April 2007 starb, würdigten ihn viele als letzten „Universalgelehrten“ Deutschlands. Zu seinem 100. Geburtstag nun ehrt ihn die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler mit einer Tagung, und auch an der Hochschule seiner Geburtsstadt Kiel rückt das Wirken des Physikers und Philosophen in den Fokus.
Die Studierenden, die das „W-Event“ organisiert haben, unternehmen den Schritt vom „Empört euch“ zum „Engagiert euch“. Sie haben als Festredner Ernst Ulrich von Weizsäcker, den Sohn, sowie als Ehrengast Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, den Bruder, gewonnen, und sie wollen, so formuliert es Projektleiter Tobias Orthen gegenüber der WR, „einen kleinen Beitrag zu einem Bewusstseinswandel in Richtung eines Weltbürgertums“ leisten.
Von Hagen aus nach Kiel
Orthen hat am Hagener Theodor-Heuss-Gymnasium Abitur gemacht und studiert inzwischen Physik in Kiel. Dort trifft er am Mittwochabend auf seinen ehemaligen Lehrer Klaudius Gansczyk, der als Referent der Stiftung Weltethos an der Diskussion teilnimmt. Die Welt ist klein, und ihre Entwicklung ist gemeinsames Anliegen, hin zur „Weltinnenpolitik“, wie Carl Friedrich von Weizsäcker sie einst entwarf.
„Unglaublich beeindruckend“ nennt Orthen „die Breite des Denkens von Carl Friedrich von Weizsäcker, aus der Physik, über Philosophie, Friedens- und Konfliktforschung bis hin zu Gedanken des politischen Systems, die letztlich zu der Forderung nach einer Weltinnenpolitik führen“.
Globale Gerechtigkeit und Frieden mit friedlichen Mitteln
„Dieses Konzept erscheint uns jungen Menschen notwendiger denn je, in der Welt, wie sie uns heute begegnet“, sagt der Student und nennt im Einzelnen die Verteilungsungerechtigkeit, die Atomwaffenfrage, die drohende Klimakatastrophe und ein „unheimlich instabiles Weltwirtschafts- und finanzsystem“.
An Problemstellungen wird es den Kieler W-Events so bald nicht mangeln, und auch Lösungsansätze, denen sie mehr Aufmerksamkeit verschaffen wollen, liegen vor. Orthen will „das Themengeflecht Weltethos, Weltinnenpolitik, Weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft auf Basis der Werte Nachhaltigkeit, Globale Gerechtigkeit und Frieden mit friedlichen Mitteln“ zusammendenken. Ganzheitlich, ganz im Sinne von Carl Friedrich von Weizsäcker.
„Es bleibt nicht viel Zeit“
Der junge Mann hat keine Scheu vor großen Aufgaben, und er wirkt entschlossen. „Es bleibt nicht viel Zeit, um unsere Globalisierung mit allem, was dazugehört, zu gestalten, bevor ihre systemische Eigendynamik unsere Welt, wie wir sie kennen, zerstört.“
Nur bei der Frage, ob Carl Friedrich von Weizsäcker sein Vorbild sei, zögert Orthen ein wenig: „Momentan traue ich mir noch nicht zu, zu sagen, dass er mein Vorbild ist“, sagt der Student. Er habe das Gefühl, „noch nicht genug über ihn und sein Wirken und Denken zu wissen und zu verstehen“. Allerdings fasziniere ihn „die Breite seines Denkens, die Fähigkeit Probleme und Fragestellungen nicht getrennt voneinander zu denken und seine Vision von der Überwindung der Institution des Krieges, der er sein Leben lang gefolgt ist“.

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