„Wir wollen einmal Bayern schlagen“

Lennestadt..  Der Musikverein Bilstein intoniert „Preußens Gloria“. Armin Laschet arbeitet sich in der Schützenhalle in Kirchveischede nach vorne durch, genießt den Gang durch die Gasse. Der CDU-Landesvorsitzende schüttelt Hände, scherzt und klopft auf Schultern. Sein Empfang. Der gebürtige Aachener darf mit 450 Sauerländern seinen 54. Geburtstag feiern: „Hoch soll er leben, hoch, hoch,“ singt der Saal stimmgewaltig. Ein Auftakt nach Maß.

Kritik in Reime gefasst

Die Christdemokraten geben sich optimistisch. Vorneweg Generalsekretär Bodo Löttgen: „Nur noch 117 Wochen bis zum Wechsel im Mai 2017.“ In Reimform rechnet er mit Rot-Grün ab. Sei es die Abwesenheit von Ministerpräsidentin Kraft bei der Hochwasserkatastrophe in Münster oder das Leitungswasser für Gäste als vermeintlich populäre Sparaktion: „Mit einer Stimme schallt es im Chor, der Schuss ging ins eigene Tor.“ Ins Visier nimmt er Innenminister Jäger. „Die Polizei trifft auf Gewalt, doch das lässt den Jäger kalt.“

Laschet nimmt den Faden auf, ergreift Partei für die Polizei. Der eine oder andere winkt mit der Pappkelle, die druckfrisch auf den Tischen liegen. Die CDU startet in Kirchveischede eine landesweite Initiative, die der Polizei den Rücken stärken soll. Laschet: „Es ist verdammt noch mal wichtig, dass wir uns hinter die Polizeibeamten stellen.“ Die Aktion verweist auf die wachsende Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte und die stark angestiegenen Beleidigungen und Beschimpfungen der Ordnungshüter im Einsatz.

Richtig Fahrt nimmt der Landesvorsitzende auf, wenn er sich von seinem 14-seitigen Redemanuskript löst, wenn er die Sozialdemokratin Kraft verbal vor sich hertreibt. „Es gibt das Grundgefühl in diesem Land: Wir wollen auch einmal die Bayern schlagen. Wir wollen nicht immer Letzter sein.“ Die Ministerpräsidenten hingegen „schlägt sich in die Büsche“, wenn es darum gehe, für Nordrhein-Westfalen zu kämpfen. Sei es bei der angedachten Maut auf allen Stadt-, Kreis- und Landstraßen oder dem „Ausverkauf der Energieerzeugung im Land“. Stichwort Braunkohletagebau. Wenn Kraft der Wind in Berlin zu rau sei, wie sie selbst sage, habe sie in dieser Position nichts zu suchen. An Deck gehöre jemand, der Gegenwind aushalte müsse.

Finanzminister Norbert Walter-Borjans spart Laschet nicht aus. Er sei nur halb so hipp wie der griechische Finanzminister Varoufakis, „aber doppelt so dreist“. Warum? Weil Walter-Borjans die Kunstwerke, die mit Steuermitteln angeschafft worden seien, verhökere wie auf einer Resterampe: „Das muss nicht sein.“

Planungen verschlafen

Richtig in Rage gerät Laschet, wenn es um die desaströse Infrastruktur im Land geht, weil Planungen verschlafen worden seien. Es sei schön, wenn ein Zug von Duisburg in die chinesische Metropole Clongqing fahre: „Aber wir wollen erst einmal in Leverkusen über den Rhein.“ Das trifft die Stimmung.