Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Politik

"Wir sind sehr glücklich"

13.05.2008 | 22:52 Uhr
Funktionen

Altbundeskanzler Helmut Kohl und seine Lebensgefährtin Maike Richter haben in einer Heidelberger Reha-Klinik geheiratet. Kohls Söhne waren nicht dabei. Das Paar will in Oggersheim und Berlin leben

Ludwigshafen. Altbundeskanzler Helmut Kohl hat knapp sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau Hannelore wieder geheiratet. Kohl und Maike Richter, seit 2005 offiziell die Frau an seiner Seite, gaben sich in einer Heidelberger Reha-Klinik am Donnerstag vor Pfingsten das Jawort. "Wir sind sehr glücklich", ließ das Paar mitteilen.

Offenbar sollte die heimliche Trauung im engsten Freundeskreis noch länger vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden. Denn selbst die "Bild"-Zeitung, deren Chefredakteur Kai Diekmann gemeinsam mit dem Medienunternehmer Leo Kirch die Rolle der Trauzeugen übernommen hatte, brachte die Nachricht von der Hochzeit erst, nachdem die "Rheinpfalz" sie öffentlich gemacht hatte.

Dass Kohl die 34 Jahre jüngere promovierte Volkswirtin heiraten wollte, war schon länger bekannt. Doch zuvor, so hieß es, müsse er sich erholen - von einem Sturz Ende Februar in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim nach einer Knieoperation. Mit schweren Kopfverletzungen musste er sich seinerzeit einer Notoperation unterziehen. Die Ärzte diagnostizierten ein Schädel-Hirn-Trauma. Seit Wochen erholt sich Kohl in einer Heidelberger Reha-Klink. Immer an seiner Seite: Maike Richter, die sich von ihrem Posten im Berliner Wirtschaftsministerium hat beurlauben lassen. Die neue Zweisamkeit tut dem 78-Jährigen gut, berichten Freunde.

Zuletzt war es um den CDU-Politiker einsam geworden. Nach seiner Ablösung als Bundeskanzler 1998 sah man ihn im Bundestag auf den Hinterbänken Hof halten. Der Kreis der Getreuen um ihn wurde immer kleiner. Und mit seiner starren Haltung in der CDU-Spendenaffäre, als er auf seinem Ehrenwort beharrte und damit auch die Partei entzweite, trübte er sein Ansehen als Kanzler der deutschen Einheit und als einer der Bauherren der europäischen Einigung. Ein schmerzlicher Verlust traf ihn 2001: Seine Frau Hannelore, die seit Jahren unter einer Lichtallergie litt, wählte den Freitod. 2002 verabschiedete sich Kohl endgültig aus der Tagespolitik. Und schrieb seine Memoiren.

Während dieser Zeit sollen sich der Altkanzler und Maike Richter näher kennengelernt haben. Den Urlaub um den Jahreswechsel 2004/05 verbrachten beide gemeinsam auf Sri Lanka - zu jener Zeit, als ein Tsunami ganze Landstriche am Indischen Ozean verwüstete. Die Urlauber aus Deutschland standen auf dem Balkon ihres Hotels und entgingen nur knapp der Katastrophe.

Das Erlebnis in Sri Lanka und seine schwere Erkrankung werden dem scheinbar unverwüstlichen Kohl die Endlichkeit seines Lebens vor Augen geführt haben. Die Frau zu heiraten, die ihn seit Jahren begleitete, war sein Wunsch. Für Kohls langjährigen Vertrauten, den Ludwigshafener Altdekan Monsignore Erich Ramstetter, war es eine Selbstverständlichkeit, dem späten Glück den kirchlichen Segen in der Klinikkapelle zu geben. Nicht dabei waren die beiden Söhne Kohls. "Die Familien waren informiert", lautet das knappe Statement aus dem Berliner Büro Kohls.

Als "sehr herzlich, aufgeschlossen und überaus freundlich" beschreibt Ramstetter die Frau, die nun den Namen Maike Kohl-Richter trägt. Als zielstrebig, energisch, aber auch anhänglich und fürsorglich beschreiben andere die 44-Jährige. Als zweite Frau des Altkanzlers wird sie nun immer in seiner Nähe sein - in der Marburger Straße in Oggersheim, wo das Paar den ersten Wohnsitz nehmen wird. Und in Berlin, wo sie einen zweiten Wohnsitz unterhalten werden.

Von Monika Lauer

Kommentare
Aus dem Ressort
Wie Griechenlands Premier Tsipras die EU-Oberen brüskiert
Europa-Politik
Die neue griechische Regierung irritiert die EU mit offener Widerspenstigkeit in der Wirtschafts- und Außenpolitik. Droht der Frontalzusammenstoß?
Lehrer nach fragwürdigem Auschwitz-Vergleich suspendiert
Holocaust-Gedenken
Ein Dortmunder Lehrer darf nach einer rechtsextremen Äußerung nicht länger unterrichten. Das gab jetzt Regierungspräsident Bollmann bekannt.
Kraft will digitalen Aufbruch - CDU wirft ihr Ablenkung vor
IT-Technik
Die Landesregierung will über 700 Millionen Euro in modernste Informationstechnologie stecken. Die Opposition moniert: Das klingt bloß schick.
Große Mehrheit für umstrittenen Irak-Einsatz im Bundestag
Bundeswehr
Die Bundesregierung schickt neben Waffen 100 Militärausbilder für den Kampf gegen die Terrormiliz IS in den Nordirak. Das ist rechtlich umstritten.
Kögida gibt auf - Demos in Köln sollen abgesagt werden
Demos
In Köln wird es vorerst keine weiteren Kögida-Demos geben. Stattdessen wollen sich die Organisatoren auf Demos in Düsseldorf konzentrieren.
Fotos und Videos
article
1591060
"Wir sind sehr glücklich"
"Wir sind sehr glücklich"
$description$
http://www.derwesten.de/politik/wir-sind-sehr-gluecklich-id1591060.html
2008-05-13 22:52
Politik