„Wir lassen uns nicht erpressen, wir haben keine Angst...“

Athen..  Als sich am Donnerstagabend spontan viele Tausend Menschen auf dem Athener Syntagmaplatz versammeln, ist auch Petros Diamantis dabei. „Die Regierung braucht jetzt unsere Unterstützung, deshalb bin ich hier“, sagt er. Aus dem Athener Arbeitervorort Aspropyrgos ist er in die Stadt gefahren, gleich nachdem Feierabend war in dem kleinen Metallbaubetrieb, wo der 53-Jährige als Schweißer arbeitet. Zwei Stunden hat die Anfahrt gedauert, dann war er endlich da, auf dem Syntagmaplatz vor dem Parlamentsgebäude, wo die neu gewählten Abgeordneten wenige Stunden zuvor ihren Eid geleistet haben.

Eine solche Massendemonstration hat es in Athen seit Jahrzehnten nicht gegeben - für eine Regierung, nicht gegen sie. Tausende strömten zusammen. Junge und Alte, Schüler, Studenten, Arbeiter, Hausfrauen und Rentner. Sie wollten der neuen Regierung des Links-Premiers Alexis Tsipras, der mit der EU um ein Ende des Sparprogramms ringt, den Rücken stärken.

Petros Diamantis hat durch Arbeitskollegen von der Versammlung gehört. In seinem Betrieb haben alle die Tsipras-Partei Syriza gewählt. „Jetzt sprechen wir“, sagt Diamantis. Die Menschen stimmen Sprechchöre an: „Wir lassen uns nicht erpressen, wir geben nicht nach, wir haben keine Angst“.

Immer wieder ertönen auch Hymnen auf Yanis Varoufakis, den neuen Finanzminister, der zu dieser Zeit gerade auf dem Rückflug von Berlin ist, wo er mit Wolfgang Schäuble zusammentraf. Varoufakis ist nach Tsipras der populärste Politiker der neuen Regierung. Seit er wenige Tage nach der Wahl dem nach Athen geeilten Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem vor laufenden Kameras mitteilte, Griechenland lehne weitere Verhandlungen mit der Troika ab, steht Varoufakis in den Augen vieler Griechen als ein tapferer Drachentöter da.

Auch Tsipras schwimmt auf einer Welle der Sympathie. Sein Linksbündnis Syriza bekam 36 Prozent der Stimmen, aber laut Umfragen sind 56 Prozent der Griechen mit dem Wahlausgang zufrieden. Und sogar 70 Prozent sagen, dass sie dem neuen Premier vertrauen.

Wenig Sympathie für Angela Merkel

Aber bisher beißt die neue Athener Regierung auf Granit. Varoufakis und Tsipras wurden zwar bei ihren Auslandsbesuchen diese Woche überall freundlich empfangen. Doch in der Sache blieben die Partner knallhart: kein Schuldenschnitt, keine Abkehr vom Sparkurs, kein Reform-Rabatt. Umso gespannter erwartet man nun Tsipras’ ersten Auftritt bei einem EU-Gipfel am kommenden Donnerstag.

Schlecht sind viele Griechen auf Deutschland zu sprechen. Sie vermuten, wieder einmal, Angela Merkel als treibende Kraft hinter der harten Linie der EU gegenüber Griechenland. Die Wirtschaftszeitung Naftemporiki sieht gar eine „neue Berliner Mauer“ gegen Griechenland.

Tatsächlich mauern die Partner. Sie setzen offenbar darauf, dass den Griechen schon bald das Geld ausgehen wird und Tsipras dann zu Kreuze kriecht. Aber ob ihn der Nervenkrieg zum Nachgeben bewegen wird, ist keineswegs sicher. Er fühlt sich nicht nur durch die günstigen Umfragewerte und die spontane Massendemonstration vom Donnerstagabend gestärkt.