„Wir haben Bauchschmerzen“

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Für Petra Zahn von der Fachgewerkschaft Komba und viele ihrer Kolleginnen ist der Ausstand kaum noch zu ertragen – der Kinder wegen.

Essen..  Drei Wochen Streik. Ohne Pause. Ohne erkennbaren Verhandlungsfortschritt. Für Petra Zahn (57) und ihre streikenden Kolleginnen von der Fachgewerkschaft Komba ist das kaum zu ertragen. Die Erzieherin aus Essen, seit 23 Jahren im Beruf, hat schon viel erlebt, aber dieser Arbeitskampf zerrt, bohrt, sägt an ihren Nerven.

„Wir haben Bauchschmerzen, wir gehen auf dem Zahnfleisch. Erzieherinnen gehören ja zu einer Berufsgruppe, die üblicherweise nicht streikt“, sagt sie dieser Zeitung. Die Streikbereitschaft sei weiter riesengroß. Mindestens so groß wie „die Wut darüber, dass die Arbeitgeber das einfach so aussitzen“. Aber das Unwohlsein nimmt von Tag zu Tag zu.

Petra Zahn und ihre Kolleginnen treiben quälende Fragen um: Was ist, wenn die Kitas bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben? Wie fühlen sich dann die Schulkinder, die sich so sehr auf ihre Abschiedsfeier freuen? Wie lange halten die betroffenen Eltern das alles aus? „Wir bekommen ein absolut schlechtes Gewissen“, sagt Zahn. Die Solidaritätsbekundungen diverser Bürgermeister gegenüber den Erzieherinnen hält sie nur noch für „politisch motiviertes Geplauder“. Weiche Töne nach außen, aber hinter verschlossener Tür werde knallhart verhandelt. 50 Euro Streikgeld bekommt Petra Zahn an Tag, etwa 7,50 Euro weniger, als sie normal im Vollzeitjob verdient. Gestern demonstrierte sie mit 45 Kolleginnen im Essener Rathaus. An der Seite wütender Eltern. Die Nerven liegen blank, der Streik geht weiter.

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