Wir brauchen einen politischen Pakt

Trotz ihrer großen Gewerkschaftsnähe dürfte die rot-grüne Landesregierung kaum auf die Idee verfallen, der NRW-Wirtschaft auch noch eine Ausbildungsabgabe aufzubrummen. Es ist zwar ein soziales Symbolthema wie der gesetzliche Mindestlohn, an dem sich mancher rot-grüne Anhänger wärmen kann. Doch der arbeitsmarktpolitische Nutzen einer solchen Strafzahlung für Betriebe ohne Lehrlinge ist noch umstrittener als die 8,50 Euro pro Stunde, die einiges an Bürokratie produzieren.

Wer als eigenverantwortlicher Unternehmer nicht ausbilden will oder kann, wird sich durch eine Zwangsumlage erst recht nicht zur Einstellung von Lehrlingen motivieren lassen. Zwar haben fromme Appelle auch nichts bewirkt. Die Zahl der unversorgten Jugendlichen ist skandalös hoch. Die gesellschaftliche Pflicht zur Ausbildung droht ausgehöhlt zu werden. Wichtig wäre deshalb ein politischer Pakt für mehr Lehrstellen in NRW.

Ideen gibt es viele: Zählbar mehr Ausbildungsverträge 2015 im Tausch gegen eine spürbare Entbürokratisierungs- und Entlastungsoffensive für kleine und mittlere Unternehmen. Ausweitung der sinnvollen Berufsorientierung in der achten Klasse, damit die Jugendlichen besser präpariert zum Bewerbungsgespräch kommen. Schluss mit dem Akademisierungswahn, der jeden zum Abitur und Hochschulstudium drängen will.