Wieder mehr Erstsemester in MINT-Fächern

An Rhein und Ruhr..  Das Interesse junger Menschen an naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern hat in den vergangenen Jahren überraschend stark zugenommen. Das beobachten Fachleute und Statistiker. Die Sorge, Deutschland könnten die Ingenieure ausgehen, scheint sich zunächst nicht zu bewahrheiten.

In NRW etwa sind zum achten Mal in Folge die Studienanfängerzahlen im Fach Informatik angestiegen. Nach aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik schrieben sich 2014 insgesamt 17 200 junge Leute für ein Informatikstudium an einer NRW-Hochschule ein. Das sind 7,7 Prozent mehr als 2013. Lange Zeit waren die Erstsemesterzahlen in der Informatik rückläufig. 2006 wurde mit rund 6000 Studienanfängern ein Tiefstand erreicht.

Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft in Essen beobachtet insgesamt einen deutlichen Zustrom bei den naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern. Die Zahl der Abschlüsse in den Ingenieurwissenschaften an deutschen Hochschulen sei zwischen 2008 und 2013 um fast die Hälfte auf rund 62 000 gestiegen. Auch die Zahl der Wissenschaftler in Lehre und Forschung an Hochschulen habe zugenommen. In den MIN-Fächern war 2013 rund ein Viertel, in den technischen Fächern sogar ein Drittel mehr wissenschaftliches Personal beschäftigt als 2008. Handlungsbedarf gibt es dagegen auf einem anderen Gebiet: Noch immer ist der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften gering, in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften ist er rückläufig. Auch internationale Studierende entscheiden sich zu selten für ein MINT-Fach in Deutschland. Auch ihr Anteil sei zwischen 2008 und 2013 gesunken.

MINT-Fächer haben in den vergangenen fünf Jahren aber an Beliebtheit gewonnen. Die Studienanfängerzahlen stiegen von 2008 bis 2013 um 32 Prozent in MIN- und um 41 Prozent in T-Fächern und damit deutlich stärker als bei den Studienanfängern insgesamt, bei denen es nach Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh (CHE) im selben Zeitraum um 27 Prozent nach oben ging.

Doch der positive Trend trifft nicht auf alle Bundesländer zu. Den größten Schub machten Berlin und Bayern. Die Zahl der Neuingenieure stieg hier um 87 beziehungsweise 76 Prozent. Auch NRW schneidet im Ländervergleich des Stifterverbandes gut ab. Hier nahmen die Anfängerzahlen um 56 Prozent in den Bereichen Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) um 56 Prozent zu, im Bereich Technik (T) sogar um 75 Prozent.

Absolventen der sogenannten MINT-Fächer gelten in der hochtechnologisierten deutschen Industrie als besonders nachgefragt. Insgesamt muss sich NRW im Länderranking des Stifterverbandes allerdings mit einem Platz im Mittelfeld begnügen. Der Grund: Der Anteil ausländischer Studenten in den MINT-Fächern sinkt an Rhein und Ruhr stärker als im Bundesdurchschnitt.