Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Libyen

Wie stark ist Gaddafi noch?

20.05.2011 | 18:08 Uhr

Tripolis/Essen.   Die Nato hat die Streitkräfte des libyschen Diktators mittlerweile erheblich dezimiert. Exakte Aussagen über die verbliebene Schlagkraft der Armee Gaddafis sind jedoch schwierig.

Nach der Luftwaffe zerstört die Nato nun die See-Streitkräfte des libyschen Diktators Muammar Gaddafi. Die internationale Koalition unter Führung der Nato versenkte in der Nacht zum Freitag acht Kriegsschiffe der libyschen Marine – nach Angaben des Bündnisses eine Reaktion auf die Angriffe der Gaddafi-Flotte auf Nato-Schiffe während der Woche. Außerdem hätten libysche Boote versucht, die Hafeneinfahrt von Misrata zu verminen.

Inzwischen stellt sich die Frage: Wie schlagkräftig ist die Armee des Diktators nach den seit acht Wochen andauernden Angriffen der Nato noch?

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und US-Präsident Barack Obama zeigten sich gestern überzeugt, dass Gaddafis Tage gezählt sind und sich der Zusammenbruch des libyschen Regimes nähert. „Ich bin zuversichtlich“, sagte Rasmussen, „dass die Mischung aus starkem militärischen und wachsendem politischen Druck sowie die zunehmende Unterstützung für die Opposition schließlich zum Kollaps des Regimes führen wird.“

„Zeit arbeitet gegen Gaddafi“

Die internationale Koalition habe „Gaddafis Kriegsmaschine bedeutend be­schädigt, und jetzt sehen wir die Ergebnisse – die Opposition hat an Boden gewonnen.“ US-Präsident Barack Obama sagte, „die Zeit arbeitet gegen Gaddafi“.

Wie viele der acht versenkten Schiffe tatsächlich Kriegsschiffe gewesen sind, ist unklar. Möglicherweise waren auch mehrere Boote der Küstenwache darunter.

Es ist schwierig, exakte Zahlen über die Stärke von Gaddafis Streitkräfte zu erhalten. Laut des in Washington ansässigen Center for Strategic and International Studies (CSIS) verfügte Gaddafi vor Beginn des Bürgerkriegs über eine 118 000 Mann starke Armee, über 2000 Panzer, 2400 Artilleriegeschütze, 685 Raketen, 35 Kampfhelikopter sowie zwei Fregatten, eine Korvette, zwei U-Boote und 14 Küstenwachboote.

Luftwaffe wohl zerstört

„Für den Kriegsverlauf ist die Marine ohnehin nicht entscheidend gewesen, zumal sie bis zuletzt nur sehr wenig aktiv gewesen ist“, bewertete Pieter Wezeman vom Internationalen Institut für Friedensforschung in Stockholm (SIPRI) gegenüber der WAZ den Nato-Angriff. Seiner Ansicht nach seien momentan nur Schätzungen über den aktuellen Umfang und die Qualität des Waffenarsenals Gaddafis möglich. Offizielle Zahlen zum Beispiel darüber wie viele Soldaten zu den Rebellen übergelaufen sind, gibt es ebenso wenig wie Statistiken über die Anzahl der Panzer, die noch funktionstüchtig sind.

Die ehemals 375 Flugzeuge umfassende Luftwaffe soll komplett zerstört sein. Mittlerweile soll Gaddafi vormals in der Landwirtschaft eingesetzte Kleinflugzeuge vom Typ Cessna mit Bomben bewaffnen lassen, um gegen Rebellenstellungen vorzugehen.

Ralph Schulze und Gregor Boldt


Kommentare
22.05.2011
11:43
Wie stark ist Gaddafi noch?
von zombie1969 | #1

Die Luftschläge zeigen offenbar erste Auswirkungen. Wichtig ist nun dass die Angriffe unvermindert weiter gehen bis das gesamte Regime weggefegt ist. Es darf Gaddafi keine Atempause verschafft werden.

Aus dem Ressort
Papst Franziskus fordert in Osterbotschaft Frieden
Kirche
Papst Franziskus und viele Bischöfe zeigten sich zu Ostern besorgt über Kriege und Gewalt. Auch das Flüchtlingselend war ein Thema. Mehrere deutsche Oberhirten treibt noch eine andere Debatte um: Sie bezogen Position gegen Sterbehilfe und forderten mehr Hospiz- und Palliativbegleitung.
Tote bei Kämpfen in der Ostukraine - Moskau beschuldigt Kiew
Ukraine-Krise
Wieder fließt Blut in der Ostukraine, von österlicher Ruhe kann keine Rede sein. Die OSZE spricht von einer schwierigen Lage in der russischsprachigen Region: Die nach Moskau orientierten Uniformierten würden ihre Waffen nicht einfach niederlegen. Und auch Russland schickt warnende Töne.
Bundesagentur will Kleinbeträge nicht mehr eintreiben
Jobcenter
Manchmal sind es 20 bis 30 Euro, manchmal nur wenige Cent - bei der Rückforderung von zu viel gezahlter Hartz-IV-Unterstützung sind Jobcenter penibel. Oft sind die Kosten für das Eintreiben höher als der zurückgeforderte Betrag. Das soll sich jetzt ändern.
Starker Zustrom von Asylsuchenden hält an
Flüchtlinge
Der starke Zustrom von Asylsuchenden nach Deutschland hält an. Insgesamt 37 820 Menschen stellten in den ersten drei Monaten dieses Jahres nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg einen Asylantrag.
Großteil syrischer C-Waffen abtransportiert oder vernichtet
Konflikte
Etwa 80 Prozent der syrischen Chemiewaffen sind abtransportiert oder vernichtet worden. Das erklärte die UN-Sonderbeauftragte für die Operation, Sigrid Kaag, am Samstag nach Angaben der Vereinten Nationen.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?