Wie SPD-Kandidat Schulz in Europa Karriere macht
20.05.2009 | 07:19 Uhr 2009-05-20T07:19:00+0200
Brüssel. Von Würselen nach Brüssel - lautmalerisch kein großer Sprung, geographisch auch nicht, meint Martin Schulz. Die kommende Wahl könnte den Vollblutpolitiker und SPD-Spitzenkandidaten für Europa nun ganz nach oben spülen, in das Amt des EU-Parlamentspräsidenten.
Würselen? Das klingt nicht nach Karriere. Klingt wie etwas, das man in der Sackgasse macht: „Hat sich total verwürselt...“ Tatsächlich handelt es sich um eine kleine Stadt bei Aachen, die zwei bedeutende Menschen hervorgebracht hat: Jupp Derwall, früher Trainer der Fußballnationalmannschaft, und Martin Schulz, europäische Nummer eins der deutschen Sozialdemokratie. Derwall war einst aktiv bei der örtlichen Rhenania, Schulz war daheim Buchhändler und elf Jahre lang Bürgermeister. Und „diese ganze Kommt-aus-Würselen-Nummer“, die nervt ihn. Denn Würselen ist nicht Provinz, sondern Europa. Man muss es nur von oben sehen.
"Vorort von Brüssel"
„Geographisch, wenn man auf die gesamte europäische Landkarte schaut, ist das ein Vorort von Brüssel“, sagt der 53-Jährige. „Für jemanden aus Nordschweden wohne ich direkt nebenan.“ So hat es, im wörtlichen Sinne, nahe gelegen, dass Martin Schulz Europa zum Beruf gemacht hat. Bei den EU-Wahlen tritt er als Spitzenkandidat der SPD an – mit Aussichten auf das höchste Amt, das die europäische Volksvertretung zu vergeben hat, das des Präsidenten.
Diesen ehrenvollen Posten, auf dem man viel herumkommt und die Wichtigen der Welt trifft, bekleidet derzeit der Christdemokrat Hans-Gert Pöttering. Dem ist das Präsidieren zweite Natur. Wenn Pöttering auf den Fuß getreten wird, sagt er „Bei aller Anerkennung des Grundrechts auf freie Platzierung der Extremitäten darf ich Sie bitten, Ihre Füße zurückzuziehen.“ Schulz sagt: „Pass op, Kääl!“, was nur inhaltlich ungefähr dasselbe ist. „Wenn ich Präsident werde, würde ich dem EP ein anderes Gesicht geben“, kündigt Schulz an. Versprechen? Drohung? Jedenfalls glaubwürdig.
Schulz, das "political animal"
Denn Schulz ist das, was die Engländer ein „political animal“ nennen. Das sind die, die das Geschäft mit Instinkt und Biss betreiben. Die sich auch nach der Entdeckung der Pöttering-Vokabel „Gestaltungsmöglichkeit“ manchmal trauen, einfach „Macht“ zu sagen. Die SPD hat nicht mehr viele von der Sorte.
Und Schulz ist angetreten nachzuweisen, was noch keinem deutschen Politiker gelungen ist: dass man „in Europa“ eine Power-Karriere hinlegen kann. Dabei hat er es weiter gebracht, als die meisten dem etwas bollerigen Glatzkopf zugetraut hätten: vom einfachen Abgeordneten über den Vorsitz der SPD-Gruppe zum Chef der gesamten sozialistischen Fraktion. Für dies Amt kandidiert er wieder, denn Präsident kann er nach Lage der Dinge erst in der zweiten Halbzeit der Legislaturperiode werden, in Absprache mit einem Vertreter der Konkurrenz, der die erste Hälfte bekäme (Favorit: der polnische Konservative Jerzy Busek).
Was ist mit dem deutschen Sitz in der EU-Kommission? Auch dafür haben ihn die Genossen nominiert. Es ist indes unwahrscheinlich, dass die SPD hier zum Zuge kommt. Wenn doch, könnte sich die Frage stellen, ob Schulz unter Kommissionschef Barroso dienen oder sein führender parlamentarischer Gegenspieler sein will. Barroso zöge Ersteres vor. Schulz eher nicht – „unter Barroso“ ist nicht oben.

13:51
Nichts,wie alle anderen Politiker auch!
12:24
Na, immerhin hat Schulz Berlusconi zu diesem unsäglichen KZ Vergleich herausgefordert. Aber was hat er sonst noch getan? Das möchte ich mal hören.
00:46
Auch hier wieder vom Moderator kommentarlos rausgekickt. Hier trotzdem noch einmal der ursprünglich unter #3 geschriebene Kommentar:
Deshalb, #2 ThomasS, hilft die WAZ -UNABHÄNGIG,ÜBERPARTEILICH-,ja hier nach... . Aber den muß man nicht kennen. Hat in der Vergangenheit schon zu viel Bockmist geredet! Was solls, Hauptsache die EU-Pension stimmt...
18:56
Wer nicht wird, der wird Wirt, und wer dann immer noch nichts geworden ist, der geht zur EU und macht sich da die Taschen voll...
12:42
Schulz ....wer?????
Ohne Berlusconi (Nazivergleich) wuerde den Buchhaendler Schulz niemand kennen.
Und nach den obigen Artikel erst Recht nicht. Was hat der Kerl denn bisher geleistet.
Da wird ein nichtssagender Artikel geschrieben, um den Kerl als Praesident des Europaparlaments zu empfehlen.
Ihr musst doch in der Redaktion einen an der Muetze haben, oder habt ihr was dafuer bekommen?
10:23
Herr Schulz ist doch der Mann, der die private Pensionskasse in Brüssel verteidigt.
Ca. 120.000000 Millionen verzockt und der Steuerzahler soll es finanziell wieder richten.
Ist doch im Moment das Thema über Brüssel in den Medien!
10:04
Dieser Typ ist der grassierende Restsoziokrat , hier auf europäischer Ebene.
01:45
Ihm haben wir es mitzuverdanken, dass die europäischen Sozialisten keinen Gegenkandidaten zu Barroso aufgestellt haben.
Jetzt ist Barrosos zweite Amtszeit schon vor den Europawahlen praktisch garantiert und wir haben bei dieser Wahl wieder nicht die Möglichkeit, den Kommissionspräsidenten mitzubestimmen.
Aber Martin Schulz will sich bei den Konservativen nicht unbeliebt machen - er will ja schließlich Parlamentspräsident werden und dazu braucht er sie. Und das ist ihm offensichtlich wichtiger als die Möglichkeit der Bürger, den Boss in Brüssel zu bestimmen.
00:12
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
23:29
Ohne Berlusconi würde den wohl kaum jemand kennen..