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Wie O2 aus den Daten der Kunden Kapital schlagen will

Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
Foto: Ulrich von Born/ WAZ

Der Vorstoß kam nicht zufällig: Pünktlich zum Börsengang des Telekommunikationsunternehmens „O2“, einer Tochter der spanischen Telefónica, wurde bekannt, dass O2 mehr Geld mit ihren Kunden machen will als diese selbst zahlen. O2 will Bewegungsprofile verkaufen, die mit persönlichen Angaben verknüpft sind. Die Börse war darüber entzückt, Datenschützer entsetzt.

Was soll verkauft werden?
Wer bei einem Mobilfunkanbieter einen Vertrag abschließt, muss Daten angeben. Name, Adresse, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und eine Ausweisnummer zur Identifizierung. Dazu kommen möglicherweise Daten, die O2 selbst erhebt, etwa eine Schufa-Auskunft. Um diese Daten geht es im Prinzip, auch wenn Name und exakter Wohnort nicht preisgegeben werden sollen.

Wie soll das funktionieren?
Wer mit seinem Mobiltelefon oder Smartphone unterwegs ist, wählt sich ohne sein Zutun in einen oder mehrere Sendemasten ein, um eine Verbindung zu haben. Gerade in Großstädten, wo die Masten besonders dicht stehen, kann aus den Schnittmengen der angewählten Masten sehr genau den Standort und die Bewegung abgelesen werden. Bei Smartphones dient dies dazu, auch in geschlossenen Räumen ohne Kontakt zu GPS-Satelliten den Standort bei Ortungsdiensten zu berechnen.

Was ist die Geschäftsidee?
Standort und persönliche Daten kombiniert sind für die Wirtschaft interessant. In welchen Teilen der Stadt gehen Menschen einkaufen, die in Vierteln wohnen, in dem meist Besserverdienende leben? Oder: Bleiben vor meinem Schaufenster Frauen im Alter von 20 bis 40 stehen? Ein Ort, der fünfmal die Woche für acht Stunden aufgesucht wird, dürfte der Arbeitsplatz sein. Auch hier könnte interessieren, ob dies eine Bank oder eine Schlosserei ist.

Wie werden die Daten verkauft?
Zur Vermarktung hat Telefónica eine Tochter gegründet, die Telefónica Dynamic Insights mit Sitz in London. Das Produkt heißt „Smart Steps“, also „Schlaue Schritte“. Angeblich soll es in Deutschland erst verkauft werden, wenn alle Datenschutzbestimmungen überprüft sind.

Was machen die Käufer damit?
Sie stellen ihr Marketing darauf ein, schicken etwa in Stadtteile, aus denen viele Menschen in die Nähe ihres Geschäfts kommen, besonders viel Werbung. Oder sie kaufen etwa zusätzlich Adressdaten von Frauen, wenn sie erfahren, dass Frauen oft vor ihren Schaufenstern stehen bleiben.

Was sagen die Datenschützer?
Die sind alarmiert. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, geht davon aus, dass die Bildung von Bewegungsprofilen an Bedeutung gewinnen dürfte. Er nennt das Telefónica-Angebot einen „gefährlichen Trend“.

Gibt es noch mehr Unternehmen, die private Daten nutzen?
Jede Menge. Vor einigen Monaten kam Apple in Verruf, weil das Unternehmen Bewegungsprofile von Kunden, die sogar noch genauer per GPS-Ortung erhoben wurden, lange speicherte. Ursprünglich sollte dies technische Gründe haben, die Daten weckten aber schnell Begehrlichkeiten. Inzwischen werden diese Daten nur noch über einen kurzen Zeitraum gespeichert. Das Programm „Whats­App“ sendet kostenlose SMS, plündert aber die gesamte Adressdatei des Smartphones. Wozu? Das sagt der Anbieter nicht. Facebook sammelt alle Informationen, die der Nutzer freiwillig eingibt und nicht für eine weitere Nutzung sperrt. Damit werden persönliche Vorlieben analysiert und an Werbekunden verkauft. Google hat ein Programm entwickelt, dass sogar Gesichter erkennen und zuordnen kann. Dies darf aber im Moment nur aktiviert werden, wenn der Nutzer es ausdrücklich will.

Wie geht die Entwicklung weiter?
Google kann etwa die IP-Adresse des Nutzers auslesen, also jene Adresse im Netz, über die Computer oder Smartphones mit dem Internet verbunden sind. Zurzeit wechseln diese Adressen noch und lassen sich angeblich nur per richterlicher Anordnung zurückverfolgen. Im Moment stellt die Technik jedoch auf feste IP-Adressen um, das heißt, jedes Gerät und damit jeder Nutzer ist über lange Zeit im Netz verfolgbar. Wer dann noch mobiles Gerät und Heim-PC auf einen Nutzer zusammenführen kann, weiß schnell mehr über einen Menschen, als dessen beste Freunde.

Sven Frohwein und Christoph Bauer

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Kommentare
01.11.2012
16:31
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von tom009 | #14

ich lach mich immer schlapp.

erst wollen die verbraucher den freien markt und wettbewerb.
nun da er da ist und plötzlich festgestellt das die anderen firmeen geld verdienen wollen wird wieder nach papa staat gerufen um das ganze wieder rückgängig zu machen.

und das ist ja nicht nur bei telefon so sondern bei fast allem so.

komisch
warum hat mann dann bloß einst alles darangesetzt um ja von post bahn und den ach so teuren stadtwerken wegzukommen.
und heute wollen es alle wieder rückgängig habem.......

ihr habt es ja so gewollt.

jetzt müßt ihr mit den folgen eurer endscheidungen leben.

wer damals mal etwas nachgedacht hätte der konnte die folgen damals schon vorhersehen.

aber nein

da galt ja der satz geiz ist geil.
und wer dem nicht folgte war ja blöd.

nun seht ihr die folgen davon.

01.11.2012
16:10
Das ist Privatisierung, also nicht jammern
von meigustu | #13

Wenn die das Ding Billig-Vorwahl genannt wurde bestände eine Chance auf Regress, falls man einen solvente Betreiber der Nummer finden sollte.

Und wie wird denn Wucher definiert ? Für mich ist eine SMS für die 9 ct verlangt wird. die aber bestenfalls 2 Cent kostet auch Wucher.

Wer dann auch noch die TK Oligarchen aus der Regulierung entlassen will, dem schwinden die letzten Notbremsen. Wann begreift der mündige Bürger, dass die Staatsgründer der Nachkriegszeit mit guter Überlegung Infrastruktur und andere natürlich Monopole in die Staatshand nahmen oder dort beließen.

01.11.2012
15:41
Jerrymator | #11
von peerkeinstueck | #12

Dass man über "Billig Vorwahlen" billiger telefonieren kann, ist Tatsache.

Und ich weiß nicht, was Sie Verbrauchern vorwerfen, wenn sie diese Angebote nutzen.

Warum eigentlich folgen auf jeden Bericht über solche üblen Machenschaften mit absoluter Zuverlässigkeit diese bescheuerten "Sind die Verbraucher doch selbst Schuld"-Beiträge?

01.11.2012
15:37
Teuer-Vorwahl und nicht Billig-Vorwahl
von Jerrymator | #11

Alleine die Überschrift "billig Vorwahl" suggeriert dem Verbraucher das falsche.
Hinter diesen ganzen angeblichen billig Angeboten steckt meist die reine Abzockerei.
Anstatt das Gehirn bei "Schnäppchen" zu aktivieren, schaltet es beim deutschen Verbraucher aus.
Übrigens täte es dem Wettbewerb und der Innovation in der Telekommunikatsionsbranche gut, die Telekom endlich aus der Regulierung zu entlassen.

01.11.2012
15:13
@akaz | #9
von vaikl2 | #10

Wenn Sie uns dann bitte auch nur *einen* Fall nennen würden, in dem die damalige Bundespost auch nur eins ihrer Produkte über Nacht und ohne öffentliche Diskussionen in den gesetzgebenden Institutionen hundertfach überteuert hatte? Danke.

1 Antwort
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von akaz | #10-1

Mann vaikl2, ich sprach von Call-by-call, also Billig-Vorwahl. Bei Billig-Vorwahl durfte man tunlichst nicht über die volle Stunde telefonieren.
Das Doof-und-Dämlich-Verdienen der DBP betraf die Zeit vor der Billig-Vorwahl. Denn an dem Umsatz und Verdienst dieser DBP haben sich die Billiganbieter orientiert.
Aber Sie haben die Ehre der DBP verteidigt, das ehrt Sie. Nur Ihre Argumentation ging ins Leere, denn die Kosten für eine Einheit war bei der DBP unverschämt hoch. von den Taktzeiten ganz zu schweigen. Ich habe für die Übermittlung des Zählimpulses, um die Kosten für jedes Telefonat erfassen zu können, sogar noch einen kleinen Betrag zahlen müssen.

01.11.2012
14:07
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von akaz | #9

Es gab Zeiten, da wurde der Tarif während des Gespräches umgestellt, wenn die volle Stunde vorbei war. Zweimal bin ich in die Falle gelaufen, weil die Anzeigen im Videotext sich damals nur auf die aktuelle Stunde bezogen.
Wie #6 schon ausführte, muss sich die damalige Bundespost sich doch doof und dämlich verdient haben.
Davon haben sich alle nachfolgenden Unternehmen, die auch nur das Geringste mit Telefon zu tun haben, blenden lassen und versuchen nun über die miesesten Tricks an Geld zu kommen. In Bewegungsprofile zu verkaufen, kann unser Oberwächter Schaar nur einen „gefährlichen Trend“. Was soll der "Beauftragte" auch sonst sagen. Wenn er zu heftig wird, nehmen sie ihm das Feigenblatt weg. Was anderes ist der Datenschutzbeauftragte und die anderen Beauftragten und -innen ja doch nicht.

01.11.2012
13:29
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von peerkeinstueck | #8

Es ist erschütternd, dass es anscheinend überhaupt niermanden stört, wenn "Bewegungsprofile" verkauft werden.
Der Aufreger hier ist die Abzocke, der weitaus größere Skandal bleibt weitgehend unbeacxhtet.

Wie lange ist es her, dass Menschen in Deutschland gegen eine popelige Volkszählung auf die Straße gegangen sind? Und heute werden Daten von erfasst, verschoben, verkauft, dass ein Erich Mielke im Grab noch leuchtende Augen kriegt.

Aber diesmal ist es ja nicht der Staat, sondern die Privatwirtschaft und die ist ja immer gut. Da müssen wir uns keine Sorgen machen, die wollen ja nur unser Bestes.

01.11.2012
13:22
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von Waitki | #7

Seit August 2012 ist übrigens die Tarifansage im Call-by-Call Pflicht, was einen guten Schutz vor Kostenfallen darstellt.
http://www.billiger-telefonieren.de/festnetz/schnellrechner/

01.11.2012
13:05
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von Waitki | #6

Der größte Wucherer vor der Liberalisierung war doch die Deutsche Bundespost/Telekom. Als sie noch das Monopol hatten kostete eine Gesprächsminute in die USA 2,90 DM (1,41 €) Nach dem Wegfall des Monopols kann man für 0,0064 € die Minute in die USA anrufen. 100 Minuten Ferngespräch kosten in die USA beim Mitbewerber kosten jetzt also also 0,64 € bei der Bundespost/Telekom waren das 141,00 €.
http://www.billiger-telefonieren.de/festnetz/telefon-tarifrechner/

Und trotzdem gibt es Leute die das alte Monopol zurück haben möchten.

01.11.2012
12:12
@meigustu | #3
von vaikl2 | #5

Sie wissen aber schon, dass selbst ein Monopolist nicht am Wucher-Paragraphen des BGB vorbei kommt, oder?

2 Antworten
Wildwest-Methoden - Billig-Vorwahl verhundertfacht ihren Tarif
von Waitki | #5-1

Wenn ein Anbieter von Telefondiensteistungen vor dem Beginn eines Telefonats kostenlos auf den Tarif hinweist, und er kein Monopolist ist, kann er nicht wegen Wuchers belangt werden.
Es gibt mindestens 70 solcher Angebote.
http://www.billiger-telefonieren.de/call-by-call-anbieter/
Niemand ist also auf einen Monopolist angewiesen.

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Bundesnetzagentur-geht-gegen-Call-by-Call-Anbieter-vor-2056377
Seit 1. August 2012 müssten Anbieter von Call-by-Call-Diensten den Bruttopreis ansagen, den dieser Dienst koste. Die Preisansage und mindestens drei weitere Sekunden müssten kostenlos sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Monopol
Ein Monopol (Zusammensetzung von altgriechisch μόνος monos ‚allein‘ und πωλεῖν pōlein ‚verkaufen‘) nennt man eine Marktsituation (Marktform), in der für ein ökonomisches Gut NUR EIN ANBIETER vorhanden ist

@Waitki | #5-1
von vaikl2 | #5-2

Die TKG-Neufassung gilt ab dem 01.08.12, die im Artikel beschriebenen Fälle beziehen sich auf den Juli diesen Jahres.

Trotzdem ist so eine sittenwidrige Erhöhung Wucher - egal ob "Kleiner" oder Monopolist.

Wäre schön, wenn hier Differenzierung statt Pauschalisierung an der Tagesordnug wäre. Ist aber wohl nur ein Traum...

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