Wie Michelle Obama gegenüber Ann Romney punktet

Michelle Obama begeisterte mit ihrer Rede die Delegierten der Demokraten.
Michelle Obama begeisterte mit ihrer Rede die Delegierten der Demokraten.
Foto: AP
Was wir bereits wissen
Erfolg für die Demokraten im US-Wahlkampf: Präsidenten-Gattin Michelle Obama macht bei der Charme-Offensive für ihren Mann nach Ansicht amerikanischer Kommentatoren eine bessere Figur als Ann Romney. Die wirkt, wie ihr Mann Mitt, wenig volksnah.

Charlotte.. Nicht ein einziges Mal hat sie seinen Namen erwähnt, geschweige denn den Mann offen angegriffen, der ihrem unbedingt den Arbeitsplatz wegnehmen will. Am Ende der gut 30-minütigen, lautstark bejubelten Charme-Offensive, die Michelle Obama auf dem Parteitag in Charlotte für Barack Obama hinlegte, war Mitt Romney trotzdem „in Grund und Boden gelächelt“, wie es beim Verlassen der „Times Warner Cable Arena“ in Charlotte ein begeisterter Delegierter aus Florida formulierte.

Hat die amtierende „First Lady“ das Fernduell um Sympathiepunkte mit Ann Romney, die vor wenigen Tagen in Florida für ihren Gatten, den republikanischen Herausforderer, den umgekehrten Versuch unternahm, also gewonnen?

Die Mehrzahl der US-Kommentatoren findet: ja. Bezwingender, anschaulicher, emotional stimmiger und volksnäher sei der Vortrag der zweifachen Mutter gewesen, schreiben etwa „New York Times“ und „Washington Post“.

Und selbst Analysten des rechtspopulistischen Meinungsführer-Kanals Fox News, der keine Gelegenheit auslässt, Obama am Zeug zu flicken, bescheinigten der 48-Jährigen, die mit ihren pinkfarbenen Pumps und dem rosafarbenen Designer-Kleid von Tracy Rees dezenten Glamour verströmte, eine „unglaublich beeindruckende“ Frau zu sein.

Familie Romney ist von Haus aus reich

Aber das war Ann Romney, die mit 63 Jahren einer anderen Generation entspringt, in ihrem knallroten Oscar de la Renta-Kleid auf ihre Weise auch. Die Unterschiede machen sich am Preisschild fest – Michelle Obamas Textil ist für 400 Dollar zu haben, Ann Romneys nicht unter rund 2000 – und hören bei der Ansprache an das Wahl-Volk nicht auf. Alles ergibt sich aus der Herkunft. Was mehr verfängt, wird die Meinungsforschung testen und vielleicht der 6. November zeigen.

US-Präsident Ann Romney musste nie erfahren, was Armut ist. Ihr Vater war Geschäftsmann. Sie besuchte eine Privatschule. Mit 16 kam sie mit einem Schlaks aus einer anderen Millionärsfamilie zusammen und blieb bei ihm: Mitt Romney.

Michelle LaVaughn Robinson wuchs in schwierigen Verhältnissen an der South Side von Chicago auf. Vater Fraser, gelernter Schlosser, litt an Multipler Sklerose. Mutter Marian, eine Sekretärin, musste mit jedem Cent rechnen. Ihre Lebensgeschichte ist ähnlich der ihres Mannes, der von einer alleinerziehenden Mutter durchgebracht wurde.

Michelle Obama erzählt, wie ihr Mann sich hochgekämpft hat

Michelle Obama erzählt über ihren Mann, dass er nach der Elite-Uni hochdotierte Jobs ausgeschlagen und in armen Stadtvierteln Gemeindearbeit geleistet habe. „Weil für Barack Erfolg nicht bedeutet, wie viel Geld einer verdient. Sondern ob jemand anderen Menschen im Leben hilft.“

Ann Romney bewundert hingegen den Unternehmergeist ihres Gatten. Sein dreistelliger Millionenerfolg würde ihm niemals so geneidet, „wenn es Amerika in den vergangenen vier Jahren besser gegangen wäre“.

Michelle Obama, erklärte die TV-Moderatorin Rachel Maddow, nimmt man ab, wenn sie die „Rostlaube“ des jungen Barack Obama schildert und sagt, er sei besonders stolz auf einen „Kaffeetisch“ gewesen, den er auf dem Müll gefunden habe.

Nudeln mit Tunfisch auf dem Bügelbrett

Als Ann Romney davon berichtete, dass sie und Mitt als frisch verheiratetes Paar auf einem „Bügelbrett“ als Tischersatz „Nudeln und Thunfisch“ gegessen hätten, verdrehten in Tampa selbst wohlmeinende Republikaner die Augen.

Michelle Obamas Ziel war es, die Politik ihres Mannes – in Abgrenzung zum abgehoben wirkenden Romney – aus seiner persönlichen Geschichte abzuleiten: „Wenn es darum geht, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen, dann denkt Barack Menschen wie meinen Vater und seine Großmutter“, sagte sie , „er nimmt soziale Probleme persönlich und nicht als Politik.“

Darum könne man ihm trauen, auch wenn der 2008 versprochene Wandel „schwierig ist und lange dauert“. Darum könne man ihm abnehmen, die Reparatur des Landes mit Augenmaß für die Mitte und Ränder der Gesellschaft anzugehen. „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass Präsident zu sein nicht deinen Charakter verändert. Es legt aber offen, was dein Charakter ist“, sagt Michelle Obama am Schluss. An dieser Stelle muss Ann Romney passen. Sie kann es nicht wissen.