Wie Michelle Obama gegenüber Ann Romney punktet
05.09.2012 | 17:39 Uhr 2012-09-05T17:39:00+0200
Charlotte. Erfolg für die Demokraten im US-Wahlkampf: Präsidenten-Gattin Michelle Obama macht bei der Charme-Offensive für ihren Mann nach Ansicht amerikanischer Kommentatoren eine bessere Figur als Ann Romney. Die wirkt, wie ihr Mann Mitt, wenig volksnah.
Nicht ein einziges Mal hat sie seinen Namen erwähnt, geschweige denn den Mann offen angegriffen, der ihrem unbedingt den Arbeitsplatz wegnehmen will. Am Ende der gut 30-minütigen, lautstark bejubelten Charme-Offensive, die Michelle Obama auf dem Parteitag in Charlotte für Barack Obama hinlegte, war Mitt Romney trotzdem „in Grund und Boden gelächelt“, wie es beim Verlassen der „Times Warner Cable Arena“ in Charlotte ein begeisterter Delegierter aus Florida formulierte.
Hat die amtierende „First Lady“ das Fernduell um Sympathiepunkte mit Ann Romney, die vor wenigen Tagen in Florida für ihren Gatten, den republikanischen Herausforderer, den umgekehrten Versuch unternahm, also gewonnen?
Die Mehrzahl der US-Kommentatoren findet: ja. Bezwingender, anschaulicher, emotional stimmiger und volksnäher sei der Vortrag der zweifachen Mutter gewesen, schreiben etwa „New York Times“ und „Washington Post“.
Und selbst Analysten des rechtspopulistischen Meinungsführer-Kanals Fox News, der keine Gelegenheit auslässt, Obama am Zeug zu flicken, bescheinigten der 48-Jährigen, die mit ihren pinkfarbenen Pumps und dem rosafarbenen Designer-Kleid von Tracy Rees dezenten Glamour verströmte, eine „unglaublich beeindruckende“ Frau zu sein.
Familie Romney ist von Haus aus reich
Aber das war Ann Romney, die mit 63 Jahren einer anderen Generation entspringt, in ihrem knallroten Oscar de la Renta-Kleid auf ihre Weise auch. Die Unterschiede machen sich am Preisschild fest – Michelle Obamas Textil ist für 400 Dollar zu haben, Ann Romneys nicht unter rund 2000 – und hören bei der Ansprache an das Wahl-Volk nicht auf. Alles ergibt sich aus der Herkunft. Was mehr verfängt, wird die Meinungsforschung testen und vielleicht der 6. November zeigen.
So öffentlich sind der US-Präsident und die First selten zärtlich: Bei einem Testspiel des Nationalteams der Basketballerinnen knutschte Barack Obama seine Michelle, als sich die „Kuss-Kamera“ auf das Paar richtete - und das Publikum jubelte.
Ann Romney musste nie erfahren, was Armut ist. Ihr Vater war Geschäftsmann. Sie besuchte eine Privatschule. Mit 16 kam sie mit einem Schlaks aus einer anderen Millionärsfamilie zusammen und blieb bei ihm: Mitt Romney.
Michelle LaVaughn Robinson wuchs in schwierigen Verhältnissen an der South Side von Chicago auf. Vater Fraser, gelernter Schlosser, litt an Multipler Sklerose. Mutter Marian, eine Sekretärin, musste mit jedem Cent rechnen. Ihre Lebensgeschichte ist ähnlich der ihres Mannes, der von einer alleinerziehenden Mutter durchgebracht wurde.
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