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#EineArmlänge - Warum Kölns OB Reker Empörung auslöst

06.01.2016 | 09:26 Uhr
#EineArmlänge - Warum Kölns OB Reker Empörung auslöst
Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker riet zu „einer Armlänge Abstand“, um sexuellen Übergriffen vorzubeugen. Es war nur einer von vielen Ratschlägen zur Prävention. Sie steht nun im Mittelpunkt eines Shitstorms.Foto: dpa

Köln.  Kölns OB Reker ruft im Netz Empörung hervor, weil sie Frauen zum Schutz vor Übergriffen zu einer Armlänge Abstand rät. Wie kam es dazu?

In das Entsetzen und die Ohnmacht angesichts der Übergriffe in der Silvesternacht in Köln mischt sich nun auch Empörung über eine Empfehlung von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Ihre Aussage, Frauen könnten „eine Armlänge“ Distanz zu fremden Männern halten, um sich zu schützen, wird auf Twitter als Kapitulation verstanden und als Verhöhnung der Frauen, die umringt von Männern wohl gerne eine Armlänge Abstand gehalten hätten. #EineArmlänge war am Dienstag ganz oben in den Twittertrends. Der Kontext und andere Aussagen von Reker gehen dabei unter.

Dora Streibl aus Berlin hatte als erste den Hashtag genutzt und damit einen Nerv getroffen. Sie hatte von der Pressekonferenz und der Aussage gelesen und sich geärgert.

 

 

Dabei gehe es ihr nicht vordringlich um Reker: „So ein Satz ist sehr symptomatisch für den Umgang unserer Gesellschaft mit Übergriffen auf Frauen“, sagte sie unserer Redaktion. „So wird die Schuld an einem Übergriff auch dem Opfer gegeben. Die Schuld liegt immer beim Täter.“ Mit diesem Tenor twitterten auch viele Menschen. Bald gab es aber auch die erste süffisante Forderung, Reker solle zurücktreten – eine Armlänge. Eine Auswahl von Tweets:

 

 

Reker war nach Prävention gefragt worden

Dabei ging unter, wie es zu der Aussage kam. Eine Reporterin hatte im Verlauf der Pressekonferenz Reker gefragt: „Sie sprachen Präventionsmaßnahmen an, wie können sich junge Frauen schützen. Ich habe keine Vorstellung, wie kann man sich schützen, präventiv in so einer Situation? Was sind da so die Tipps, die der Stadt da eventuell vorschweben?“

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Reker geriet bei der Antwort ins Schwimmen, schaute sich hilfesuchend um: Sie sagte, es sei „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge beträgt. Also von sich aus gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind und zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat.“ Reker suchte nach anderen Möglichkeiten, „sich in Gruppen zusammenzufinden, sich nicht trennen zu lassen auch nicht in Feierlaune.“ Die Hinweise sollten auf der Internetseite der Stadt Köln nachzulesen seien.

Reker: Müssen Karneval auch erklären

Vorangegangen war die Frage einer taz-Journalistin, im Maßnahmenkatalog stünden Hinweise, wie sich Frauen zu verhalten haben. Reker antwortete, es gebe bereits solche Tipps, „damit die Frauen und jungen Mädchen auch gut vorbereitet in das Karnevalsfeiern gehen können und nicht einem Unsicherheitsgefühl unterliegen. Das wollen wir nicht. Wir wollen eine Stadt, die sicher und lebenswert ist und in der jeder feiern kann.“ Ein Spießrutenlaufen für Frauen dürfe es nicht geben.

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Reker hatte dezidiert auch Aufklärungsarbeit angemahnt: „Es wird vielleicht dazu gehören, dass wir unseren Karneval und die Zuwendung, die im Karneval erfolgt, den Menschen aus anderen Kulturkreisen besser erklären, dass sie nicht sofort als Einladung verstanden werden können.“ Inzwischen hat die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt, es werde zur Prävention noch rechtzeitig vor den Karnevalstagen auch in verschiedenen Sprachen deutlich klargestellt, wo auch im Karneval die Grenzen im zwischenmenschlichen Umgang sind. Das richtet sich in erster Linie an Männer jedweder Herkunft.“

Das ist auch eine Forderung, die von Dora Streibl kommt: „Kampagnen richten sich immer an die Opfer. Wir müssen auch etwas für das Bewusstsein tun. Viel zu häufig wird nicht verstanden, dass ein Anlächeln keine weitergehende Einladung ist.“ Diese Botschaft hatte bereits #Aufschrei vermitteln wollen, ein Hashtag, der dann sogar den Grimme Online Award gewonnen hatte. Dora Streibl hatte auch unter diesem Hashtag mitgeschrieben. „Jetzt ist #EineArmlänge ein Ventil.“

Auch Jan Böhmermann macht sich über Reker lustig

Zu den Ersten, die sich über Rekers Äußerung lustig machten gehörte der Satiriker Jan Böhmermann. „Nur fürs Verständnis, ich frage für eine Freundin: Gilt Henriette Rekers “Eine Armlänge Abstand”-Trick für normale oder bewaffnete Fremde?“, fragte er süffisant bei Twitter. Und weiter: „Wie viele Armlängen Abstand müssen Frauen nach Henriette Reker zu einem fremden, mit einem Messer bewaffneten Tyrannosaurus Rex halten?“

Böhmermanns Aufruf, ein wenig zu photoshoppen kamen dann auch ein paar Leute auf Twitter nach.

Lars Wienand

Kommentare
07.01.2016
14:54
#EineArmlänge - Warum Kölns OB Reker Empörung auslöst
von RedWhite78 | #151

Die Frau hat Talent. Von der Heldin in kürzester Zeit zur Persona non grata. Sie ist jetzt schon nicht mehr tragbar. Ich glaube Köln braucht alles...
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http://www.derwesten.de/politik/wie-koelns-ob-reker-frauen-zu-einer-armlaenge-abstand-raet-id11436562.html
2016-01-06 09:26
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