Wie Joachim Gauck bei Anne Will fast zum Papst emporgehoben wurde
23.02.2012 | 07:10 Uhr 2012-02-23T07:10:06+0100
Essen. Christian Wulff war gestern, heute ist Joachim Gauck. Kaum ist der eine Bundespräsident weg, knöpfen sich die Talk-Master der Republik den Nachfolger vor, noch bevor dieser im Amt ist. Doch bei Anne Will zeigte sich: Der Neue ist nicht so leicht zu packen.
Gut 20 Minuten hatte Anne Wills ARD-Runde die Personalie für den künftigen Hausherrn Joachim Gauck im Schloss Bellevue schon zwischen. Da waren etwa die Kritiker: Ein unbekannter Berliner Juso-Chef namens Christian Berg hatte sich ausgelassen über „erschreckende“ und „teilweise dramatische“ Aussagen Joachim Gaucks, etwa in der Sarrazin-Debatte ; Edith Franke, Gründerin der „Dresdner Tafel“, hatte sich über Joachim Gaucks „abstrakten Freiheitsbegiff“ mokiert, dem der Aspekt der Gerechtigkeit fehle.
Und da waren auch die Joachim Gauck-Fans : Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hieß einen, „der sich etwas traut“, euphorisch „herzlich willkommen“; der Historiker August Winkler lobte reichlich umständlich den Neuen für seinen „sehr gradlinigen“ Freiheitsbegriff. So ging das, wie gesagt, bereits 20 Minuten und der Daumen näherte sich schon gefährlich dem Umschaltknopf der Fernbedienung.
Richard David Precht über Joachim Gauck als Bundespräsident: "Er soll ja nicht Papst werden"
Dann kam Richard David Precht . Der in unzähligen TV-Talkrunden gestählte Alltags-Philosoph aus dem Bergischen Land hatte sein Hemd wieder weit aufgeknöpft und ruckte bereits ungeduldig auf dem Stuhl herum. Precht blickte vielsagend in die Runde, schob sich elegant die Intellektuellen-Haarsträhne aus dem Gesicht und raunte: "Er soll ja nicht Papst werden." Womit Precht schon deshalb richtig lag, weil et ist. Beides unüberwindliche Hürden für eine Karriere als Pontifex maximus. Aber Gauck soll ja auch nicht in den Vatikan, sondern als neuer Bundespräsident ins Schloss Bellevue einziehen. Und dafür sah selbst der gestrenge Freizeit-Oberlehrer Precht beim Kandidaten Gauck „die Qualifikation absolut erfüllt“: er könne gut reden, sei kein Berufspolitiker, dafür aber authentisch, glaubwürdig und eine starke Persönlichkeit. Man fragte sich: Redet Precht noch von Joachim Gauck, oder schon von sich selbst?
Anne Wills Diskutanten nahmen die Personalie Joachim Gauck bleischwer-wichtig
Anne Wills abendliche Runde war vor allem eines: Der Beweis dafür, dass es am Aschermittwoch kein Bierzelt und kein alkoholisiertes Publikum braucht, um zu einer wichtigen Sache wenig Sinnvolles zu sagen. Die Sigmar Gabriels und Horst Seehofers sind bei ihren angestrengt witzigen Reden gelegentlich wenigstens noch unfreiwillig komisch; die Diskutanten bei Anne Will nahmen die Personalie Joachim Gauck aber so bleischwer-wichtig, dass sogar die verzweifelten Verteidigungs-Erklärungen von Christian Wulffs Anwälten lockerer klangen.
"Das Volk muss den Bundespräsidenten direkt wählen"
Das Ganze wurde auch nicht besser, als sich die Runde der Frage zuwandte, wie der Bundespräsident künftig gewählt werden soll. „Der Parteienklüngel muss aufhören“, forderte Vera Lengsfeld, inzwischen bei der CDU untergekommene Ex-DDR-Bürgerrechtlerin . Das Volk müsse direkt wählen. Und klar, hakte da auch Richard David Precht wieder ein.ersammlung durch Politiker oder Delegierte der Parteien sei „nicht mehr zeitgemäß“, der erste Mann (oder die erste Frau) im Staate dürfe nicht länger „ins Amt geklüngelt“ werden. Wie denn dann? Precht wusste Rat: keine Direktwahl durchs Volk, nein, ein „zivilgesellschaftlicher Rahmen“ muss her. Eine „alternative Bundesversammlung“ aus Vertretern von amnesty international und Greenpeace, Kirchen, Sozialorganisationen und anderen Verbänden solle den Bundespräsidenten küren. Wie das den Klüngel verhindern soll, blieb allerdings sein Geheimnis.
Am Ende war man dann bei der Stasi, Otto Rehhagel und den Baby-Boomern angelangt und man wartete nur noch sehnsüchtig auf Anne Wills Abmoderation. Wir wissen heute nicht, mit welchem Kredit der zukünftige Bundespräsident Joachim Gauck sein Haus bezahlt hat oder wo und auf wessen Kosten er Urlaub machte. Aber wie auch immer – solch eine uninspirierte Runde wie an diesem Mittwochabend bei Anne Will hat der Mann auf keinen Fall verdient.

11:39
Nachdem uns, in mittlerweile bedenklicher Menge, die EV Pfarrer und deren Kinder politisch überfluten, wäre doch nächstens mal ein Gewerkschaftler für das BP Amt zu ernennen
11:50
Ich bin der Ansicht, dass die meisten Leute, die den Precht kritisieren einfach nur neidisch sind. Da zeigt sich in der Art und Weise, wie man sich nicht mit dem auseinandersetzt, was er sagt und schreibt, sondern sich an seinem Äußeren aufzieht und nur Allgemeinplätze von sich gibt.
Das Problem ist nämlich, um sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, müsste man auch mal ein wenig tiefer nachdenken.
Womit noch lange nicht allem zustimme, was er sagt. In dem Punkt "Präsidentenwahl" bin ich nämlich auch nicht seiner Meinung.
Aber sich nur mit Äußerlichkeiten auseinanderzusetzen ist einfach zu platt. Und das werfe ich diesem Artikel vor!
Wenn jemand meint, er müsse sich um das Outfit der Menschen im Fernsehen Gedanken machen, ist er vielleicht bei Sendungen wie dem "Bachelor" besser aufgehoben.
11:28
@cortomaltese
Also bzgl. Precht hat der Autor meine volle Zustimmung.
Was der mit einer zugegeben beneidenswerten Eloquenz für einen unausgegorenen Schwachsinn von sich gibt, ist unerträglich. - "Hauptsache irgendwas sagen"
"Todsicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit" scheint hier das Motto zu sein.
Der Bundespräsent soll von den NGOs ernannt werden....ja geht´s noch? - Wer soll denn dabei rauskommen? Peter Lustig oder Karl der Käfer?
Nur gut, dass die nicht völlig vernunftbefreiten Teilnehmer der Diskussion diesen Ball rasch wieder flach gespielt haben. Mann, Mann...
11:21
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10:29
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10:27
Sorry Herr Bau, in letzter Zeit wird auch viel von "Presseverdrossenheit" geredet. Bei Artikeln wie diesem, verstehe ich auch warum.
Mal abgesehen davon, dass die ganze Zeit Ihre persönliche Abneigeung Herrn Precht gegenüber durchleuchtet, was mit der Beschreibung so "objektiver" und "relevanter" Sachverhalte wie "hatte sein Hemd wieder weit aufgeknöpft", "blickte vielsagend in die Runde, schob sich elegant die Intellektuellen-Haarsträhne aus dem Gesicht und raunte" (wieso hat er geraunt und die anderen gesprochen? Ich habe ihn wesentlich deutlicher wahrgenommen als diese unsägliche Franke ) oder "der gestrenge Freizeit-Oberlehrer" deutlich wird. Nein, er möchte auch noch, dass die Leute jetzt auch lockerer über politische Themen reden, damit das alles nicht so "bleischwer" daher kommt.
...
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10:08
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09:43
dass niemand diese Stammtischrunden benötigt.
Sowohl die Runde als auch der Kandidat geben nichts neues her.
Von Herrn Gauck weiß man auch nicht mehr als von einem Stammtischtheologen oder wohlfeilen Kanzelredner. Es ist für die meisten Hörer etwas dabei und dazu oder weil noch anpassbar.
Abwarten!
09:17
Die Paranoia der Linken bzgl. Gauck ist eigentlich nicht nachzuvollziehen.
Dass SPD und Grüne den Mann allerdings zum weißen Gandalf hochstilisieren, halte ich für extrem peinlich.
Soll er doch Bundespräsent werden. Der Mann vergattert die Sternsinger und schreitet in Timbuktu die Ehrenformation ab. So what?
01:58
Das ist die Macht der Medien! Gauck ist ein richtig Asozialer. Aller Macht den Banken, keine Chance für Arbeiter oder gar Hartz-IV-Empfänger.
Gauck soll unser "König" werden? Lächerlich, einfach lächerlich! Und warum? Weil das Volk nicht über ihr Oberhaupt entscheiden darf!