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Emotionen

Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt

16.06.2013 | 16:45 Uhr
Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt
Gertrud und Peer Steinbrück beim Parteikonvent.

Berlin.   Peer Steinbrück zeigt Emotionen, als seine Ehefrau schildert, wie schwer der Wahlkampf die Familie belastet. Überschattet wird der erste gemeinsame Wahlkampfauftritt der Beiden von Zweifeln des Kanzlerkandidaten an der Loyalität des SPD-Vorsitzenden Gabriel.

Peer Steinbrück kann nicht mehr sprechen. In seinen Augen sind Tränen, mit dem Finger wischt er unter seiner Brille her. Seine Frau will seine Hand nehmen. Er wehrt ab. Der Umgang mit ihrem Mann im Wahlkampf sei für sie schwer zu ertragen, hat Gertrud Steinbrück gerade gesagt. Sie könnten zu Hause in Bonn Scrabble spielen, spazieren gehen, viel gemeinsam lachen. Stattdessen habe sich ihr Mann aber für die Kanzlerkandidatur entschieden. "Und dann wird er nur noch verhauen."

Sonntag, Parteikonvent der SPD im Berliner Tempodrom: Es ist das letzte große Parteitreffen vor der Bundestagswahl am 22. September. Erstmals tritt die Lehrerin hier auf großer Bühne auf. Seit 38 Jahren sind sie verheiratet. WDR-Moderatorin Bettina Böttinger befragt sie. Die Ehefrau sagt in Richtung der Medien, die ihn als Pannen-Peer verspotten: "Es wird immer nur geguckt, wo können wir ihn erwischen". Sie erkenne ihren Mann in vielen Beschreibungen nicht wieder.

Die Frage "Warum tun sie es" bleibt unbeantwortet

SPD
Gabriel dementiert Gerüchte um Knatsch mit Steinbrück
Gabriel dementiert Gerüchte um Knatsch mit Steinbrück

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist zu Beginn des Parteikonvents der Sozialdemokraten in Berlin Berichten über Streitigkeiten zwischen ihm und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück entgegengetreten. Ihre "politische Ehe" sei "sehr lebendig und meistens fröhlich", sagte Gabriel in Berlin. Zwar gebe es "gelegentlich auch Reibereien" und "auch mal eine Debatte", aber dies sei "normal". Wichtig sei jedoch: "Es gibt zwischen uns keine Streitereien", hob der Parteichef hervor.

Er selbst sei überzeugt, dass Peer Steinbrück "Deutschland besser und gerechter regieren wird" als die jetzige Bundesregierung, sagte Gabriel weiter. Zur Geschlossenheit rief auch Parteivize Manuela Schwesig auf. Jetzt gehe es darum, dass "wir die Ärmel hochkrempeln und anpacken, um diese Wahl gemeinsam zu geinnen - ich betone gemeinsam", sagte Schwesig in ihrer Eröffnungsrede. Dann werde es gelingen, mit Peer Steinbrück den Kanzler zu stellen und gemeinsam mit den Grünen zu regieren.

Steibrück soll von SPD-Chef Gabriel Loyalität gefordert haben

Das Magazin "Spiegel" hatte zuvor über Spannungen zwischen Gabriel und Steinbrück berichtet, der von dem Parteichef demnach mehr Loyalität eingefordert hat: Vor dem Parteikonvent habe Steinbrück seine Partei zur Bündelung aller Kräfte auf und forderte dabei laut "Spiegel" ganz ausdrücklich auch die Unterstützung von Gabriel ein. "Ich erwarte deshalb, dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen", sagte er dem "Spiegel". Er habe dabei auf eine Auseinandersetzung in der SPD-Fraktion Bezug genommen und erklärt: "Situationen wie am vergangenen Dienstag dürfen sich nicht wiederholen".

Nach Angaben aus SPD-Fraktionskreisen, so der "Spiegel weite", sei es am Dienstag an zwei Punkten zu Diskussionen gekommen, die Steinbrück offenbar als Schwächung seiner Position interpretierte. So habe Gabriel "mit einer vielleicht etwas unglücklichen Wortwahl" eine Debatte über die SPD-Wahlkampführung angezettelt und dabei fehlenden Angriffsgeist gegen den politischen Gegner kritisiert, berichtete ein Teilnehmer. Ausdrücklich auf Steinbrück habe er das aber nicht bezogen. Laut "Spiegel" sagte Gabriel: "So Leute, jetzt reden wir mal über den Wahlkampf, wir sind noch nicht im Wahlkampfmodus."

Unstimmigkeiten habe es auch bei der Diskussion über die geplante europäische Bankenunion gegeben, berichtet das Magazin. Auch hier habe es Stimmen gegeben, die Steinbrücks Linie in Hinblick auf Bedingungen für direkte Bankenhilfen des ESM nicht hätten folgen wollen. Dabei habe Gabriel dem Spitzenkandidaten nicht ausdrücklich den Rücken gestärkt. (afp/rtr)

Böttinger fragt den Ehemann: "Warum tun Sie es?" Gemeint ist die Kandidatur, die Bereitschaft, dem Land zu dienen. Der 66-Jährige kann nicht antworten. Es ist der bisher persönlichste, menschlichste Moment im Wahlkampf - der aber auch sehr nachdenklich macht. Es wird das sichtbar, was Steinbrück umtreibt. Wenn Politiker nur noch als Maschinen gesehen werden, nicht als Menschen, die auch mal Fehler machen, wenn Fettnäpfchen mehr als Inhalte interessieren: Wer soll dann noch in Parteien die demokratische Meinungsbildung organisieren?

Die SPD fühlt sich ungerecht beurteilt, während auf Kanzlerin Angela Merkel vergleichsweise milde geblickt werde. Doch wie will die Partei glaubhaft der Bundesregierung in den drei Monaten bis zur Wahl Misswirtschaft auf allen Feldern vorwerfen, wenn sie selbst immer wieder den eigenen Wahlkampf torpediert. Denn überschattet wird der Auftritt der Steinbrücks von Worten, die im neuen "Spiegel" stehen.

Der Kandidat zweifel an der Loyalität des Parteichefs

Es sind nur drei Sätze, die Steinbrücks neuer Sprecher Rolf Kleine als eine seiner ersten Amtshandlungen dem Magazin freigegeben hat. Der erste ist noch harmlos: "Nur eine Bündelung aller Kräfte ermöglicht es der SPD, die Bundesregierung und Frau Merkel abzulösen." Der zweite hat es in sich: "Ich erwarte deshalb, dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen." Und der dritte klingt wie eine letzte Warnung: "Situationen wie am vergangenen Dienstag in der Fraktion dürfen sich nicht wiederholen".

Ein verheerendes Signal: Die wichtigsten Leute liegen über Kreuz. Ein Kanzlerkandidat zweifelt die Loyalität seines Vorsitzenden an. Dabei lautet doch das SPD-Motto für die Wahl: "Das Wir entscheidet."

"Wehleidig und dünnhäutig" Stimmung

Rückblick auf jenen Dienstagnachmittag, Fraktionsebene im Reichstag. Teilnehmer berichten von einer turbulenten Sitzung - aber auch von unterschiedlichen Eindrücken. Mehrere Bundestagsabgeordnete haben nicht wahrgenommen, dass sich Gabriel offen gegen Steinbrück gestellt habe, der für eine Zustimmung zum Regierungsentwurf für eine europäische Bankenunion warb. Gabriel habe Kritikern beigepflichtet, dass ein direkter Zugriff auf deutsches Steuergeld bei der Rettung maroder Banken vermieden werden müsse. Zudem appellierte Gabriel, sich ab sofort im Wahlkampf richtig ins Zeug zu legen. War das ein Affront gegen den unermüdlichen Steinbrück?

SPD
Gabriel dementiert Gerüchte um Knatsch mit Steinbrück
Gabriel dementiert Gerüchte um Knatsch mit Steinbrück

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist zu Beginn des Parteikonvents der Sozialdemokraten in Berlin Berichten über Streitigkeiten zwischen ihm und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück entgegengetreten. Ihre "politische Ehe" sei "sehr lebendig und meistens fröhlich", sagte Gabriel in Berlin. Zwar gebe es "gelegentlich auch Reibereien" und "auch mal eine Debatte", aber dies sei "normal". Wichtig sei jedoch: "Es gibt zwischen uns keine Streitereien", hob der Parteichef hervor.

Er selbst sei überzeugt, dass Peer Steinbrück "Deutschland besser und gerechter regieren wird" als die jetzige Bundesregierung, sagte Gabriel weiter. Zur Geschlossenheit rief auch Parteivize Manuela Schwesig auf. Jetzt gehe es darum, dass "wir die Ärmel hochkrempeln und anpacken, um diese Wahl gemeinsam zu geinnen - ich betone gemeinsam", sagte Schwesig in ihrer Eröffnungsrede. Dann werde es gelingen, mit Peer Steinbrück den Kanzler zu stellen und gemeinsam mit den Grünen zu regieren.

Steibrück soll von SPD-Chef Gabriel Loyalität gefordert haben

Das Magazin "Spiegel" hatte zuvor über Spannungen zwischen Gabriel und Steinbrück berichtet, der von dem Parteichef demnach mehr Loyalität eingefordert hat: Vor dem Parteikonvent habe Steinbrück seine Partei zur Bündelung aller Kräfte auf und forderte dabei laut "Spiegel" ganz ausdrücklich auch die Unterstützung von Gabriel ein. "Ich erwarte deshalb, dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen", sagte er dem "Spiegel". Er habe dabei auf eine Auseinandersetzung in der SPD-Fraktion Bezug genommen und erklärt: "Situationen wie am vergangenen Dienstag dürfen sich nicht wiederholen".

Nach Angaben aus SPD-Fraktionskreisen, so der "Spiegel weite", sei es am Dienstag an zwei Punkten zu Diskussionen gekommen, die Steinbrück offenbar als Schwächung seiner Position interpretierte. So habe Gabriel "mit einer vielleicht etwas unglücklichen Wortwahl" eine Debatte über die SPD-Wahlkampführung angezettelt und dabei fehlenden Angriffsgeist gegen den politischen Gegner kritisiert, berichtete ein Teilnehmer. Ausdrücklich auf Steinbrück habe er das aber nicht bezogen. Laut "Spiegel" sagte Gabriel: "So Leute, jetzt reden wir mal über den Wahlkampf, wir sind noch nicht im Wahlkampfmodus."

Unstimmigkeiten habe es auch bei der Diskussion über die geplante europäische Bankenunion gegeben, berichtet das Magazin. Auch hier habe es Stimmen gegeben, die Steinbrücks Linie in Hinblick auf Bedingungen für direkte Bankenhilfen des ESM nicht hätten folgen wollen. Dabei habe Gabriel dem Spitzenkandidaten nicht ausdrücklich den Rücken gestärkt. (afp/rtr)

Ein Teilnehmer beschreibt die Stimmung als "insgesamt etwas wehleidig und dünnhäutig". Musste Steinbrück deswegen gleich den öffentlichen Disput suchen? Das Ganze geht wohl tiefer, es wirkt wie eine schleichende Entfremdung. Selten scheint der Wahlkampf im Willy-Brandt-Haus bisher Hand in Hand zu gehen, siehe Gabriels Ruf nach einem Temopolimit von 120 auf Autobahnen.

Kann in knapp 100 Tagen noch zusammenwachsen, was vielleicht nicht zusammengehört? Schon zu Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wird Gabriel ein schwieriges Verhältnis nachgesagt. Steinmeier mag froh sein, nicht Kanzlerkandidat von Gabriels Gnaden geworden zu sein.

Nebeneinander aber nicht Seit' an Seit'

Die Erosionserscheinungen in der Troika sind unübersehbar - hält sie zumindest bis zu Wahl? Wie könnte ein Kanzler Steinbrück mit einem Parteichef zusammenarbeiten, mit dem er sich auch beim Konvent wenig zu sagen hat? Der Blick geht bei Steinbrück geradeaus, Gabriel blättert in Papieren. Sie sitzen nebeneinander, schreiten aber nicht Seit an Seit. Gabriel versucht, den Konflikt herunterzuspielen, mit einem etwas ungelenken Satz: "Wir dürfen Euch versichern: Ja, nicht nur die private, auch die politische Ehe von Peer und mir existiert." Darauf Gertrud Steinbrück trocken: "Ich muss erstmal damit fertig werden, dass er offenbar in einer Regenbogenehe mit Sigmar ist".

Vielleicht impft US-Präsident Barack Obama ja am Mittwoch Steinbrück und der SPD ein, wie gewinnbringender Wahlkampf geht. Die Vorzeichen sind aber auch hier eher ungut. Das Weiße Haus kündigte am Wochenende an, nach der Rede vor dem Brandenburger Tor treffe Obama den "Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Mr. Steinberg". (dpa)



Kommentare
16.06.2013
19:30
Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt
von steckritzel | #4

Der Mensch Steinbrück ist zu bedauern.
Der Politiker Steinbrück nicht.
Er hat keine finanziellen Sorgen.
Er kennt keine Altersarmut, steht nicht in einem prekären Arbeitsverhältnis, mußte sich nicht als Leiharbeiter zu Armutslöhnen verdingen, hat mit Hartz IV - Empfang nichts "am Hut",
er kann seine Miete und die Energiekosten noch bezahlen.
Er muss auch nicht nach Afganistan um dort mit der Waffe "unsere Freiheit " zu sichern.
Er hat sich selbst mit zum "Merkel" Herausforderer gekrönt und ein "Kompetenzteam "bestimmt.
Wer bellt, der muss auch beißen können!
Außerdem ist sein Auftritt ja im September beendet.
Über 80% der Menschen in diesem Lande sind ärmer dran.

16.06.2013
17:58
Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt
von A.B.Surd | #3

@woelly
Da haben Sie absolut recht. Denn Frau Merkel fällt nie was ein.
Sie kupfert nur ab.

1 Antwort
@A.B.Surd
von Ondramon | #3-1

...und außerdem würde sie sich niemals die Blöße geben, von ihrem Thron im Bundeskanzleramt herabzusteigen und in einer Talkshow Rede und Antwort zu stehen. Das wäre nun wirklich zuviel der Demokratie!

16.06.2013
17:05
Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt
von woelly | #2

Er wurde sich doch von der SPD zum Kanlerkandidat eintscheiden müssen! Hätte ja auch nein sagen können!

16.06.2013
16:59
Wie Gertrud Steinbrück den Kanzlerkandidaten zu Tränen rührt
von woelly | #1

Meine Güte, was war denn dieser SPD Konvent mit Frau Steinbrück und Bettina Böttinger für eine komische Veranstaltung? Peinlich! Hat der Auftritt von Steinbrück bei Frau Illner nicht gereicht? Solch ein Unfug würde Frau Merkel niemals einfallen!

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