Wie gefährlich der Bundeswehreinsatz in Afghanistan wirklich ist
27.11.2012 | 15:19 Uhr 2012-11-27T15:19:00+0100
Essen. Die WAZ-Mediengruppe veröffentlicht hunderte bislang geheim gehaltene Dokumente zum Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan-Krieg. Daraus wird sichtbar, dass die Lage am Hindukusch seit Jahren schlechter ist, als öffentlich dargestellt.
Die Lage in Afghanistan ist brisanter als öffentlich dargestellt. Wie aus bislang geheim gehaltenen Einsatzberichten der Bundeswehr zum Krieg in Afghanistan hervorgeht, verschlechtert sich die Sicherheit am Hindukusch kontinuierlich. Von 2007 bis 2012 verdreifachte sich die Zahl der Angriffe auf Angehörige der Koalitionstruppen. Allein innerhalb einer Woche im September 2012 kam es zu über 620 Attacken. Gleichzeitig war die Bundeswehr wegen der andauernden Unruhen und Anschläge im Frühjahr 2012 gezwungen, ihre Operationen vorübergehend auf das „zwingend nötige Maß zu reduzieren“.
Wie aus den Einsatzberichten weiter hervorgeht, nahm die Intensität der Anschläge im Laufe der Zeit zu. Mittlerweile gelingt es Taliban und anderen Aufständischen sogar, Panzerfahrzeuge der Bundeswehr im Norden Afghanistans zu vernichten. Die Lage wird weiter durch so genannte „Grün auf Blau“-, beziehungsweise Insider-Attacken verschärft. Dabei greifen Angehörige verbündeter afghanischer Truppen Soldaten der Nato-Armeen an. Immer wieder gelingt es so Einzeltätern oder bewaffneten Gruppen ISAF-Soldaten zu töten oder zu verletzten. In den Berichten werden diese Insider-Attacken regelmäßig beschrieben.
Anschläge von "Innentätern" nehmen zu
Entsprechend kommt die Bundesregierung in ihrem neuen Afghanistan-Fortschrittsbericht zu der Einschätzung, dass ein dauerhafter Frieden am Hindukusch in weiter Ferne liegt. Trotz Ausbildung von nationaler Armee und Polizei seien die „regierungsfeindlichen Kräfte weiterhin handlungsfähig“, heißt es laut Spiegel in Fortschrittsbericht. Sorge bereiten demnach vor allem die oben beschrieben Innentäter. Allein in diesem Jahr wurden bereits 48 Soldaten bei entsprechenden Angriffen getötet.
Zu Beginn wollte die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder am Hindukusch einen Rechtsstaat schaffen. Das Ziel wurde verfehlt. Nun setzt die schwarz-gelbe Bunderegierung zum Teil auf einen Abzug der Truppen bei gleichzeitiger Verlängerung der Mission. Auch das wird nicht funktionieren.
Die Bundesregierung will an diesem Mittwoch das neue Mandat für die Bundeswehr in Afghanistan beschließen. Bis 2016 sollen jedes Jahr bis zu 430 Millionen Euro nach Kabul fließen, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung und die Regierungsführung zu verbessern. Zudem will sich die Bundesregierung die afghanischen Sicherheitskräfte mitbezahlen. Dies will sie sich in den nächsten Jahren jeweils rund 150 Millionen Euro kosten lassen.
Bei den von der WAZ veröffentlichten Einsatzberichten handelt es sich um sogenannte „Unterrichtungen des Parlamentes“. Diese Papiere stellt das Verteidigungsministerium jede Woche dem Verteidigungsausschuss des Bundestages zu Verfügung. Sie sollen die Abgeordneten über die weltweiten Einsätze der Bundeswehr auf dem Laufenden halten und sind mit dem Hinweis „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ gestempelt. Dabei handelt es sich um die niedrigste Geheimhaltungsstufe in Deutschland. Die Bundeswehr lehnt eine Veröffentlichung der Berichte ab, weil aus ihnen Rückschlüsse auf „Einsatzverfahren und Einsatztechniken“ möglich sein sollen.
Der ungefilterte Blick
Die WAZ-Gruppe hat mehrere tausend Seiten dieser geheim gestempelten Berichte im Internet veröffentlicht. Sie enthalten kaum unbekannte Einzelvorfälle. Über viele Vorgänge wurde in der Presse berichtet. Die Originaldokumente erlauben allerdings erstmals einen ungefilterten Blick auf den Kriegsverlauf im deutsch kontrollierten Gebiet am Hindukusch. Sie umspannen den Zeitraum von 2005 bis 2012. Die Papiere zeigen die weitgehende Wirkungslosigkeit der bisherigen ISAF-Strategien – enthalten aber keine Informationen über „Einsatzverfahren und Einsatztechniken“ der Bundeswehr, wie von der Bundeswehr behauptet.
Stattdessen werden in den geheimen Berichten auch Zahlen zu Opfern des Krieges genannt, die in den frei verfügbaren „Unterrichtungen der Öffentlichkeit“ von der Bundeswehr nicht verbreitet werden. So zitiert das Verteidigungsministerium etwa im geheimen Bericht 33 aus dem August 2012 eine Statistik der UNO. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 3099 Zivilisten verletzt oder getötet, darunter 925 Frauen und Kinder; 1145 Menschen starben, 1954 mussten behandelt werden. Laut UNO sind für 80 Prozent der Opfer die Aufständischen verantwortlich. ISAF-Soldaten und afghanische Sicherheitsdienste hätten etwa 310 Opfer verschuldet. In den öffentlichen Berichten der Bundeswehr fehlen diese Zahlen. Dabei sind auch diese Angaben nicht geheim. Die UNO veröffentlicht sie im Internet.
Weiter enthalten die geheimen Berichte Informationen über Einsätze der Bundeswehr im umkämpften Süden des Landes. Dort sind sie für ihre Bündnispartner aktiv. So setzt die Bundeswehr seit Jahren reguläre Soldaten des ehemaligen Fernmeldebataillons 284 aus Wesel in der Unruheprovinz Kandahar ein. Sie helfen dort den militärischen Flughafen zu kontrollieren – jeweils mit einer Ausnahmegenehmigung des gerade amtierenden Verteidigungsministers. Diese Einsätze verschweigt die Bundeswehr in ihren erst seit 2011 wöchentlich erscheinenden „Unterrichtungen der Öffentlichkeit“. Dabei handelt es sich bei den Angaben durchaus nicht um Geheimnisse. Soldaten aus Wesel berichteten in der Vergangenheit offen in Zeitungen über ihren Einsatz in Kandahar.

09:52
Weltweite Kriegseinsätze der Bundeswehr. Waffenexporte deutscher Rüstungsfabriken auch in Spannungsgebiete. Information der Bevölkerung über die Ziele und Rechtmäßigkeit der Einsätze vor dem Grundgesetz mangelhaft. Vertuschung belastender Ergebnisse der Kriegseinsätze von Material und Menschen und den Kosten. Täuschung der Bevölkerung über den angeblichen Aufbau einer zivilen Ordnung und Infrastruktur in Afghanistan. Unter den Augen der Bundeswehr und der anderen kriegsführenden NATO-Staaten ist Afghanistan zum größen Drogenproduzenten weltweit avanciert.
Aber die Parteien CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne machen weiter so mit kriegsführenden Einsätzen der Bundeswehr, die angeblich nur im Verteiligungsfall eingesetzt werden darf. Wie viele Lügen müssen wir uns von diesen Parteien noch anhören?
15:03
Na Super das sind sogenannte Tages oder Tätigkeitsberichte und "VS-Vertraulich " ist selbst der Dienstplan.
Sicherheitsrelevante Infos gibt es erst 2 Stufen höher .
00:02
Unser Frieden wird NICHT am Hindukusch verteidigt. Raus mit unseren Soldaten aus einem Krieg, den wir nicht ausgelöst und nicht verschuldet haben. Holt sie raus, bevor noch mehr getötet oder verwundet werden. Stoppt den Berliner Großmacht-Wahnsinn und deren Nato-Hörigkeit. Seit der Wiedervereinigung scheint Berlin völlig verrückt und größenwahnsinnig geworden zu sein. Holt unsere Soldaten aus Bosnien, dem Kosovo, aus Somalia und aus allen anderen Krisengebieten zurück. Von deutschem Boden darf nie mehr ein Krieg ausgehen! Berlin hat das nur zu schnell, katzbuckelnd vor der Nato und eitel wie ein Pfau vergessen. Höchste Zeit, dass wir Bürger Berlin daran erinnern. Zum Mitschreiben: Von deutschdem Boden darf nie mehr ein Krieg ausgehen!
17:31
Wie bitte, im Krieg ist es gefährlich? Das muss man den Leute aber auch vorher sagen, sonst meinen die, das sie auf einem Betriebsausflug sind...
15:25
Krieg ist halt kein Kindergeburtstag.
Wobei ich mich immer noch frage was fremdländische Soldaten dort zu suchen haben?
Die Afghanen wollen unsere und auch andere Soldaten doch wohl garnicht.
Also raus da und fertig.
Ist auch billiger.
15:06
Wazleaks
Lasst uns für den Frieden kämpfen, notfalls bis zum letzten Mann !
14:40
Na das sind ja Neuigkeiten - wär hätte das gedacht - wirklich ein unnützer Artikel. Krieg ist eben schlimm und dort sterben Menschen. Wer sich zu diesem Verein meldet weiß das aber vorher, dass er als Soldat im Einsatz auch sterben kann oder etwa doch nicht??? Dann würde ich mal das Hirn einschalten!
13:48
Wenn man es alleine nüchtern aus finanzieller Sicht betrachtet ( ungeachtet der menschlichen Tragödien ) und sich die Unsummen anschaut, die der Militäreinsatz sowie die vorgesehenen Hilfen für das afghanische Volk seit Jahren und in den nächsten Jahren verschlingt, kann man nur den Kopf schütteln!
Diese unzähligen Milliarden wären bei den vielen großen und ungelösten Problemen hierzulande mit Sicherheit besser angelegt.
Vor allem, da das afghanische Volk offensichtlich in großen Teilen gar nicht das "großartige" Demokratiegebilde des Westens haben möchte, welches dort aufgebaut werden soll.
Die Afghanen sehen uns dort mittlerweile als Besatzer.
Also: was wollen wir dort, wieso zwängen wir den Menschen dort mit Unsummen unseren Lebensstil auf und warum lassen wir die Menschen nicht so leben wie sie möchten- auch wenn es bedeutet, dass man dort im 13.Jahrhundert haust..
Jeder wie er möchte!
Gruß
13:46
Das sind ja mal wieder sensationsgeschwängerte News hier.
Auch das Bild ist lächerlich montiert.
Wurde die WAZ-Mediengruppe von Springer übernommen?
Warum steht da noch immer WAZ oben auf der Seite, müsste dort nicht mittlerweile ein BILD-Logo prangen?
13:24
Das Poblem ist:
Wir scheuen die Diskussion über "Krieg" wie der Teufel das Weihwasser.
Dabei ist eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber seit Jahren überfällig. Da das Thema unpopulär ist, wurde der Afghanistan-Krieg ja von Anfang an nicht Krieg genannt. Es sollten ja nur Brunnen gebaut werden.