Wie Gauck als Bundespräsident Angela Merkel fordern soll
16.03.2012 | 18:58 Uhr 2012-03-16T18:58:00+0100
Berlin. Joachim Gauck wird am Sonntag zum Bundespräsidenten gewählt. Danach entscheidet sich, wie der ehemalige Bürgerrechtler in die Politik eingreifen wird. Die SPD spekuliert darauf, dass er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) häufig zum Duell herausfordern wird.
Auf der Ehrentribüne: der Clan. Zig Gäste mit dem Namen Gauck listet das Protokoll auf. Joachim Gaucks Frau fehlt, seine Lebensgefährtin nicht. Im Kreis der Familie wird er die Bundesversammlung im Reichstag verfolgen. Erst zur Verkündung des Ergebnisses wird der Kandidat im Plenarsaal Platz nehmen.
Anders als 2010, als er Christian Wulff unterlag, wird kein zweiter oder dritter Wahlgang nötig sein. Die große Mehrheit der 1240 Wahlfrauen- und männer legte sich auf den 72 Jahre alten evangelischen Theologen fest. Kein Duell.
Duell mit Merkel
Doch, beharrt Franz Müntefering. „Das mit dem Duell stimmt, da ist was dran.“ Der SPD-Politiker hat allerdings nicht Beate Klarsfeld von den Linken oder NPD-Kandidat Olaf Rose im Auge, sondern vielmehr Angela Merkel.
Gauck war der Vorschlag von SPD und Grünen, weil er großes Ansehen genießt, weil sie sich bei ihm in der Pflicht sahen – und weil man die Kanzlerin ärgern konnte. Sie wollte Gauck nicht. „Wenn sie etwas ausschließt“, frohlockte SPD-Chef Sigmar Gabriel, „wird’s interessant.“
Intern, gegenüber der FDP, wandte Merkel ein, Gauck sei thematisch zu schmalspurig. Gegenüber der SPD klagte sie, er sei ihr nicht zuzumuten. 2010 hatte sie ihn abgelehnt. Nun sollte es nicht so aussehen, als gäbe sie einen Fehler zu. Sie war aber für einen gemeinsamen Bewerber, ihretwegen sogar einen mit SPD-Parteibuch (Henning Voscherau) – nur nicht für Gauck.
Erst als die FDP sich auf Gaucks Seite schlug, gab Merkel klein bei. Längst beteuern Kanzlerin und Union, man werde ihn auch aus Überzeugung wählen. Das stimmt sogar, es ist ein offenes Geheimnis, dass Merkel ihn persönlich schätzt. Das klingt wie ein Widerspruch. Wer ihn auflösen will, kommt zurück auf Münteferings „Duell“. Gauck deckt Merkels Schwächen auf: Er ist ein Mann des Wortes, sie eine Frau der Tat. Er stellt Gefühle zur Schau, sie Fakten. Er neigt zu Pathos, sie bleibt nüchtern. Er hat die großen Linien im Auge, sie das nächste praktische Problem. Er liebt die Inszenierung, gern die eigene. Sie sei „anti-pompös“, so ihr Biograf Gerd Langguth.
Bruchlandung möglich?
Ist Gauck erst mal im Amt, so Münteferings Kalkül, ziehe er seine eigene Bahn. Im direkten Vergleich mit Gauck würde den Bürgern bald klar werden, was Merkel fehlt: Emotionen, Orientierung, Werte.
Müntefering hält sie für eine „Technikerin der Macht“. Er liebt den Vergleich mit einem Piloten. Mit Merkel am Steuer würde ein Flugzeug heil landen, nur wüsste man nicht – wo. Bei Gauck sei es andersherum. Das Ziel ist klar. Und eine Bruchlandung möglich?
Wie viel Widerspruch erträgt ein Seiteneinsteiger? Jeder Auftritt wird beäugt, jedes Wort politisch abgeklopft. Wie viel Spontaneität darf sich der Präsident leisten? Freiheit ist sein Thema, Freiheit vom Protokoll ist damit nicht gemeint. Gauck muss sich mit der Regierung abstimmen; schon weil Außenpolitik einen Großteil seiner Aufgaben ausmacht. Auf die Lotsen kommt es an, die Themen und Timing abstimmen. Drei oder vier Leute sind es, allen voran David Gill, der das Präsidialamt leiten soll. Auch er, Sohn eines Bischofs, kommt aus der evangelischen Kirche. Der Jurist ist Gauck seit den Wendetagen verbunden. Zum engeren Zirkel gehören Johannes Sturm, von dessen Diskretion und Organisationstalent sie in der SPD-Spitze schwärmen, und Andreas Schulze, der 2010 die Grünen erst auf Gauck gebracht haben soll.
Sonntag, 12 Uhr, schlägt Gaucks Stunde. Zwei Stunden später dürfte die Zeremonie mit dem Abspielen des Deutschlandlieds enden. Am Freitag kommt Gauck erneut ins hohe Haus, zur Vereidigung. Möglich, dass dann Wulff auf der Ehrentribüne sitzt. Danach ist Gauck in Schloss Bellevue angekommen. Bei den Grünen sagte er kürzlich: „Ich bin bereit zu lernen.“ Ein Anfang.
Frauen auf verlorenem Posten
Isabel Peron, Vigdis Finnbogaditir, auch Corazon Aquino: Island, Argentinien oder die Philippinen haben weibliche Präsidenten gehabt. Deutschland? Fehlanzeige. Die Deutschen haben Frauen immer nur in aussichtslose Rennen um das Amt des Bundespräsidenten geschickt. Am Ende siegten dann Männer.
Schon sieben Mal waren sie nur Zählkandidatinnen. Morgen wird es mit Beate Klarsfeld wohl der achte Fall werden. Dabei hatte schon die erste Politikerin, die sich der Bundesversammlung zur Wahl stellte, null Chance. Annemarie Renger (SPD) trat 1979 gegen eine absolute Mehrheit der Union an, die dann Karl Carstens wählte.
Ob Renger oder die Schriftstellerin Luise Rinser 1984, ob Dagmar Schipanski (CDU), die 1999 gegen Johannes Rau den Kürzeren zog, die Linke Luc Jochimsen 2010 oder Uta Ranke-Heinemann. Jede trat vergeblich an. Jede konnte hinterher aber die eigene Geschichte zur aussichtslosen Kandidatur erzählen. Gesine Schwan versuchte es, 2004 und 2009, sogar zwei Mal.
Das dramatischste Finale erlebte Hildegard Hamm-Brücher. Sie wurde von der FDP 1994 aufgestellt, weil der zunächst nominierte Unions-Kandidat Steffen Heitmann Umstrittenes zu den Themen Nation, Nazis und Frauen geäußert hatte.
Hamm-Brücher dabei
Am Pfingstmontag stand deshalb die Koalition Helmut Kohls kurz vor dem Aus. Erst der dritte Wahlgang brachte einen Ausweg: Die FDP zog Hamm-Brücher zurück. Roman Herzog wurde Präsident.
Die Verlierer in diesem Präsidenten-Rennen sind – auch – Unbekannte gewesen. Wer kennt noch Hans Hirzel von den rechten „Reps“, der nicht Mal ein Prozent der Stimmen bekam? Andere blieben Politiker von Rang: Kurt Schumacher, Gegenkandidat des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, und Carlo Schmid, der Heinrich Lübke unterlag. Johannes Rau und Richard von Weizsäcker kamen dann in einem zweiten Anlauf ins höchste Staatsamt.
Und Hamm-Brücher? Die Ex-Kandidatin kehrt am Sonntag in die Bundesversammlung zurück. Diesmal als von den Grünen aufgestellte Wahlfrau. Die 90-jährige strahlt: „Ich freue mich so.“

13:59
Mit dem von Merkel geschätzten konservativen Gauck wird sich wohl eher die SPD ein Kuckucksei ins Nest gelegt haben. Schließlich hat die SPD Gauck beim ersten Mal nur vorgeschlagen um der CDU, die bereits Wulff nominiert hatte, eins auszuwischen.
Besonders der intrigante Gabriel hat sich dabei hervorgetan, als er den SMS-Verkehr mit Merkel zu diesem Thema anschließend in der Presse öffentlich machte.
Und ausgerechnet der abgehalfterte Müntefering versucht sich jetzt durch eine eigenwillige Vision über Gaucks zukünftiges Verhalten wieder ins Gespräch zu bringen. Wobei seine bisherigen Zukunftsvisionen, die er zusammen mit seinem Chef Gazprom-Gert entwickelt hatte, so grandios daneben gegangen sind.
Er sollte es lieber mit einer anderen SPD-Größe halten, nämlich mit Helmut Schmidt. Der sagte einst: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen...
13:40
ordentliche Vorlagen zu liefern.
Manche mögen das auch fürchten, aber wat mut dat mut.
13:11
Mit der Partei übergreifenden Entscheidung Herrn Gauck als Kandidaten für des Amt des Bundespräsidenten aufzustellen kann man als bürgernah bezeichnen. Bei diesem Kandidaten darf man hoffen das dem Amt die Würde und den Respekt zurück gegeben wird, den das Amt verdient hat.
Gerade weil alle Parteien und die Kanzlerin in ihren Stellungnahmen davon ausgehen das er für sie ein kritischer und kein einfacher Präsident ist sollte er, aus Sicht der Bürger, die richtige Wahl sein.
Wenn also die Obrigkeit einen Kandidaten als für diese Obrigkeit unbequem tituliert ,dann soll dieser Kandidat der Richtige aus der Sicht der Bürger sein?
Meine Gratulation für diese Aufbereitung des Kritischen aus der Sicht der Obrigkeit ist typisch für die Sichtweise des die Obrigkeit und die offiziellen Autoritäten anbetenden geistig -tatsächlichen Untertans!
Meine Gratulation für diesen geistigen Kotau!
12:18
fordert von ihren Reste -Anhängern in diesem Zusammenhang eine hohe Fähigkeit von politischer Selbst-Verleugnung!
Aber die politischen Mental -Trainer -so der alt bewährte sauerländische Cartoon -Schwätzer Müntefering - sind ja dabei die sozialdemokratische Selbst -Verleugnung rhetorisch -mental zu erklären!
Von wegen der Herr Gauck würde die Politik der ehemaligen Blauhemd -Trägerin herausfordern!
Etwa deshalb ,weil die Polit-Zampanos a la Müntefering ,die Steinis und Co. dazu bisher nicht in der Lage waren?
Wenn ich sehe ,dass ein Müntefering ,der den politisch -gesellschaftlichen Dialog mit der IG -Metall standhaft verweigert hat, auf die Wirkung eines Bundespräsidenten -Kandidaten hofft ,der wortwörtlich erklärt hat ,dass für Ihn dieses Land auch ohne Sozialstaatsprinzip als in Freiheit lebend betrachtet werden könne ;dies zeigt doch wie desorientiert die Altvorderen bei der Reste -SPD inzwischen sind!
Man muss dafür offenbar aus dem katholischen Milieu des Sauerlandes kommen
11:33
Gauk auf Staatsreise oder als Redner – man wird ja nun warten müssen, ob er Schlafpillen, Kopfzerbrechen oder Verständliches an Reden ablassen wird und an welchen Orten er sich sonst noch bemerkbar macht -
Flugzeuginterview über den Einsatz der „Wehrmacht“ zur Rohstoffsicherung?
Vielleicht aber ist er auch ganz anders und verhindert mit Körpereinsatz die Räumung von Wohnungen, wenn die Mieter ohne Verschulden in Geldnot geraten sind, Miethaie Luxuswohnungen schaffen wollen und Altmieter mit krude vergraulen wollen..
Vielleicht bereist er Gegenden, in denen Menschen von Dauergestank aus Schweinemastmassenbetrieben, unerträglichen Flug- und Straßenlärm geplagt werden
und hält Widerstandsreden.
Das kann natürlich so Manchen fordern.
Oder er treibt sich vorwiegend bei den Maschmeyers, Ackermanns usw. herum und macht den Geburts- und Festtagsredner der allen zwielichtigen Figuren Außerordentlichkeit bescheinigt, wie auch jedem Toten ewige Ruhe.
11:31
Doch ist sie dann leider weg, die Frau Klarsfeld, war schön mit ihr, schön, das sie wenigstens für Tage eine Alternative bot.
Frau Klarsfeld scheint zufrieden, ein wenig auf sich und ein Teil ihrer Anliegen aufmerksam gemacht zu haben, das Weiterwirken und das Dasein der vielen großen Naziräder im damit vielfach alten Getriebe der Bundesrepublik nach dem Kriege.
Ich hingegen frage mich, ist die Bundesversammlung auch so eine Veranstaltung wo es Krawattenzwang gibt, ein Schaulaufen wie die Bambi-Verleihung oder die Wagner-Festspiele?
Dann muss das umgehend geändert werden – kost auch nur Geld, was für die Kultur des kleinen Mannes – Freibadbesuch, Kinderspielplätze, Kirmes und Turnhallensport, Essen und Trinken in der freien Natur, auf dem Volksfest oder auf der gepflegten Parkbank z. B. - fehlt.
11:13
wie sage HG Butzko:
die SPD und Grüne schlugen Gauck vor, weil sie Merkel ärgern wollten,
die FDP schlug Gauck vor, weil sie Merkel ärgern wollte.
eigentlich wollte den selbst keiner.
Nur bald wird Merkel mit Gauck insbesdondere SPD und Grüne ärgern!
(so oder so ähnlich)
09:48
Welche Wahl der heilige ist doch schon lange ausgekungelt also was soll der UNSINN?
09:33
Heute treffen sich die Gottesanbeter des Kapitals um in einer rituellen Handlung, die als Wahl bezeichnet wird (...!) mit dem Akt der Dreifaltigkeit, nämlich den "Wahlschein" drei mal zu knicken, ihren Gaucko, Pardon Guru auf das Börsenpaket des Moneten-Olymp zu erheben. Er wird ihnen von da aus die lang ersehnte Freiheit bringen, die ihm so am Herzen liegt: Die Freiheit, zu heuern und zu feuern, die Freiheit, Hungerlöhne Gesellschaftsfähig zu machen, die Freiheit, Ehrensold für Ehrenlose zu löhnen, die Freiheit an der Suppenküche an zu stehen, und die Freiheit, mit 77 in die Armutsrente zu gehen. Und wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man auch schon so eine Art Heiligenschein über ihm. Und wenn man noch genauer hinschaut sieht man, das dieser Heiligenschein aus einem Geflecht von Schrottpapieren besteht.
08:58
... gilt auch für Leute wie Sie. Schauen Sie sich die 2. Diktatur auf deutschem Boden an - Marx war die Theorie; Murx war die Praxis.