Das aktuelle Wetter NRW 4°C
TV-Interview

Wie Englands politischer Aufsteiger Boris Johnson abstürzt

26.03.2013 | 16:34 Uhr
Wie Englands politischer Aufsteiger Boris Johnson abstürzt
Das ging schief: Boris Johnson im Interview mit Eddie Mair.Foto: getty

London.  Londons Bürgermeister Boris Johnson ist ein Typ, der so wirkt, als hätte er immer die richtige Antwort parat. Weil er aber in einem BBC-Interview überhaupt keine mehr fand, sinkt sein Stern jetzt. Ambitionen auf das Amt des Premierministers dürften dahin sein.

Eddie Mair dürfte seit ein paar Tagen einen neuen Freund fürs Leben haben - er heißt David Cameron und ist britischer Premierminister. Denn Eddie Mair hat dem von einer Krise zur nächsten taumelnden Regierungschef den größten anzunehmenden Dienst erwiesen. Mit einem einzigen Interview hat er ihm den schärfsten politischen Widersacher aus dem Weg geräumt: Londons Bürgermeister Boris Johnson - den wohl weit und breit einzigen innerparteilichen Konkurrenten, der Cameron wirklich hätte gefährlich werden können.

Eddie Mair ist Aushilfsinterviewer bei der britischen BBC. Am vergangenen Sonntag war er für seinen erkrankten Kollegen Andrew Marr eingesprungen, eine Institution im britischen Fernsehen. Die sonntägliche Andrew-Marr-Show ist der wöchentliche Spiegel der britischen Politik. Dort werden die wichtigen Themen besprochen, mit den Gästen, die etwas zu sagen haben.

Gegenüber dem Premier auf der Überholspur

Boris Johnson, perfekt inszenierter Polit-Showman, hatte bisher immer etwas zu sagen. Bei den großen Themen - weit über die Londoner Stadtgrenzen hinaus - schien der 48-Jährige mit der Starkstromfrisur zuletzt immer einen Schritt schneller als Premier Cameron. Aus dem Hinterhalt des Londoner Rathauses schoss er seine Giftpfeile ab, in Form wohlformulierter, bis aufs Äußerste zugespitzter Zitate - ob es um Europa ging, um Bankerboni oder um Migration.

Olympia
Londons Bürgermeister Johnson amüsiert Besucher

Londons exzentrischer Bürgermeister Boris Johnson hat mal wieder für Aufsehen gesorgt. Am Mittwoch amüsierte Johnson die Olympia-Besucher mit einer ungewollt komischen Einlage.

Vor Wochen hatte Johnson schon eine Debatte über die Zuwanderung von Rumänen und Bulgaren von 2014 an vom Zaun gebrochen. Cameron musste an diesem Montag mit einer Grundsatzrede zur Migration nachziehen. In der Europapolitik gab Johnson seinem "Parteifreund" stets gute Ratschläge, wie die britischen Interessen in Brüssel gewahrt werden könnten - wohlwissend, dass das Londoner Ideal im Verhandlungssaal für Cameron nicht annähernd erreichbar ist.

Und nun: entzaubert

So hatte sich Johnson bei den konservativen Tories zur Ikone der Rechten entwickelt - als echte Alternative zu Cameron. Der rechte Parteiflügel macht Parteichef Cameron seit Monaten das Leben so schwer, wie es nur irgend geht. Immer wieder muss sich der Regierungschef gegen die Kritiker aus den eigenen Reihen durchsetzen - und um des innerparteilichen Friedens willen auch bei der Ausrichtung seiner Politik ständig nachjustieren.

Der Druck könnte jetzt etwas geringer geworden sein: Johnson, die Speerspitze der Rechten und - dank seines Hangs zum Polit-Entertainment - auch Idol der jungen Wähler, ist entzaubert. Dafür reichten einige wenige Fragen von Interviewer Mair zur Vergangenheit des charismatischen Blonden mit osmanischen Wurzeln.

Star stammelt Sermon

Mair hielt Londons Bürgermeister vor, dass er einst als Journalist der "Times" ein Zitat gefälscht hatte und deswegen rausgeflogen war. Und dem sonst so eloquenten Johnson fiel nichts Besseres ein als zu antworten: "Ich habe das, was jemand gesagt hat, etwas glatt geschliffen.." Aber Mair hatte noch mehr in der Hinterhand: eine vor dem früheren Parteichef verheimlichte Liebesaffäre Johnsons, das Verpfeifen eines Kollegen.

TV-Show
David Cameron zeigt bei Letterman peinliche Wissenslücken

Der britische Regierungschef David Cameron hat einige Wissenslücken, was die Geschichte seines Landes angeht. Im US-Fernsehen unterzog Moderator David Letterman den Premier einem spontanen Geschichtstest. Cameron, der an der Elite-Universität Oxford studiert hat, nahm das Kreuzverhör mit Humor.

Obwohl es sich um altbekannte Kamellen handelte, kam vom völlig perplexen Johnson nur eines: hilfloses Stammeln. Nachdem die BBC am Montagabend noch mit einer Dokumentation über Johnsons Leben nachgelegt hatte, waren sich die Kommentatoren im politischen London am Dienstag einig: Premierminister kann der nicht mehr werden. Am Ende hat Eddie Mair dem als Lügner enttarnten Johnson so vielleicht sogar unfreiwillig zur Wahrheit verholfen - Johnson hatte stets betont, er wolle überhaupt nicht nach Westminster wechseln, sondern lieber seinen Job als Bürgermeister weitermachen. (dpa)



Kommentare
27.03.2013
12:55
Wie Englands politischer Aufsteiger Boris Johnson abstürzt
von wohlzufrieden | #2

Strömungsabriss...

26.03.2013
23:24
Wie Englands politischer Aufsteiger Boris Johnson abstürzt
von Karlot | #1

Nun ja, Politik in Großbritannien das ist: personliche Denunziation, Sex und die Frage, ob Großbritannien in Europa liegt.
Mehr ist da nicht mehr.

Aus dem Ressort
Wegen Mindestlohn wird Taxifahren um 25 Prozent teurer
Taxi
Taxifahrer profitieren als eine der ersten Berufsgruppen vom Mindestlohnanstieg auf 8,50 Euro. Das lässt allerdings auch die Preise für die Kunden steigen – durchschnittlich um 25 Prozent. Befürchtet wird der Verlust von Fahrerjobs und das Ausdünnen des Taxiangebotes.
Papst sorgt sich um Europas Seele
EU-Parlament
Bei einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg hat Papst Franziskus den Abgeordneten am Dienstag ins Gewissen geredet. Mit deutlichen Worten forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche, dass Europa "seine gute Seele wiederentdeckt".
Kauder poltert gegen Schwesig: "Nicht so weinerlich sein"
Frauenquote
Im Streit um die Frauenquote ist Unionsfraktionschef Volker Kauder mit Manuela Schwesig hart ins Gericht gegangen: "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein." SPD-Chef Gabriel stänkerte zurück: "Wenn Männer das als nervig empfinden, zeigt das eher, dass Männer ein Problem haben."
Hagener SPD-Mitgliedern droht nach Wahlkampf der Rauswurf
OB-Wahl
Der SPD-Unterbezirksvorstand Hagen hat Ordnungsverfahren gegen zwei SPD-Mitglieder eingeleitet. Der Vorwurf: Klaus Kaiser und Andreas Baumann sollen Wahlkampf für OB Erik O. Schulz gemacht haben, der kurz zuvor die SPD verlassen hatte. Baumann ist immerhin Ortsvereinsvorsitzender.
Stadt Herne erhält weitere Millionen aus NRW-Anleihe
Rathaus
Die klamme Stadt Herne setzt beim Schulden machen noch stärker auf die kommunale NRW-Gemeinschaftsanleihe und erhält weitere acht Millionen Euro. Der Zinssatz ist gegenüber dem alten Paket deutlich gesunken. Kämmerer Hans Werner Klee nennt die Anleihe ein "Erfolgsmodell".
Umfrage
Ernährungsberater sagen, im Schulessen sei zu viel Fleisch. Stimmt das?
 
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke