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Wie die Organspende in Deutschland funktioniert

07.08.2012 | 18:48 Uhr
Wie die Organspende in Deutschland funktioniert
In solchen Kisten gehen Organe auf Reisen: Manchmal weit, manchmal nah, aber immer schnell.

Hattingen.   Mit dem Skandal von Göttingen ist das ganze System der Organspende plötzlich in Verruf geraten. Der Hattinger Arzt Dr. Ulrich Kampa schildert das Geschehen im Krankenhaus und erklärt, warum Ärzte die Empfänger der Organe nicht kennen. Zudem stellt er ein interessantes Konzept vor.

Wenn Organe entnommen werden, muss eine Klinik große logistische Aufgaben bewältigen. Alles muss getan werden, damit das Organ schnellstens zum Empfänger kommt. Die Uhr läuft. Nur wenn ­alles schnell geht, kann die Transplantation gelingen.

„Ein Herz muss zum Beispiel sehr schnell transportiert werden“, sagt Dr. Ulrich Kampa, Facharzt für Intensivmedizin am Evangelischen Krankenhaus in Hattingen und Transplan­tations-Beauftragter.

Eine Niere hat bis zu 24 Stunden Zeit, ein Herz nicht

Schon etwa eine halbe Stunde nach der entscheidenden Hirntod-Diagnostik komme der Hubschrauber. Das Organ muss also ­vorher entnommen werden, „dann wird es auf schnellstem ­Wege nach Lissabon oder wohin auch immer ­gebracht. Dort steht das Operations-Team bereit, der Patient ist optimal vorbereitet“, so Kampa. Bei einer Niere sei der Druck hingegen nicht so hoch. „Eine Niere hält sich gekühlt ­zwischen zwölf bis 24 Stunden.“

Die Ärzte, so Kampa, kennen nur den Spender – nicht den Empfänger. „Es ist alles komplett anonym. Wir haben keinen Einfluss darauf, wer das Organ erhält. Wir rufen die Deutsche Stiftung Organtransplantation an, diese schaltet Eurotransplant ein, die die Organe verteilt.“

Seniorenprogramm: Alte Organe für alte Empfänger

Um schneller an ein Organ zu kommen, hält Kampa das Eurotransplant-Seniorenprogramm (dabei sind Spender und Empfänger mindestens 65 Jahre alt) für gut. „Die Leber eines Siebzigjährigen kann doch noch zehn Jahre ihre Dienste tun. Für einen Achtzigjäh­rigen ist das eine Möglichkeit.“ Der Empfänger kann, sofern es ihm die Krankheit erlaubt, selbst entscheiden, „ob er ein nicht so hochwertiges Organ erhält, dafür aber schneller dran ist“, so Ulrich Kampa.

Petra Koruhn

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