Wie die neuen Öl- und Gasfunde der USA die Welt verändern
22.01.2013 | 15:50 Uhr 2013-01-22T15:50:00+0100
Berlin. Eine vertrauliche BND-Studie sieht einen geostrategischen Umbruch auf die Welt zukommen: Wegen der neuen Öl- und Gasfunde in den USA, die vor allem durch Fracking erschlossen werden, könnte sich das Land vom Energie-Importeur zum -Exporteur entwickeln - und unabhängig von der Golf-Region werden. Manche Experten zweifeln allerdings an Unabhängigkeit der USA.
Die neuen Gas- und Ölfunde in den USA haben die Energie- und Finanzmärkte in große Aufregung gestürzt. Während der Gaspreis in den USA drastisch sinkt, steigt der Wert der Firmen, die an der Gewinnung beteiligt sind. In Texas und North Dakota macht sich Goldgräberstimmung breit, weil Technologien plötzlich den Abbau neuer großer fossiler Rohstoffvorkommen möglich machen. Tausende neue Förderstellen sind entstanden. Doch erst in Ansätzen wird deutlich, wie dramatisch auch die globalen und sicherheitspolitischen Auswirkungen sein können.
Eine vertraulichen Studie des Bundesnachrichtendienstes (BND) macht dramatische Änderungen aus, die auch die Politik im Nahen und Mittleren Osten sowie das Machtgefüge zwischen den USA und dem aufstrebenden China verändern können. Weil die USA bis 2020 sogar Saudi-Arabien als größten Ölproduzenten einholen könnten, wird aus dem Importeur möglicherweise ein Exporteur.
Das Thema Fracking erhitzt die Gemüter in Deutschland. Im Bundesrat hat sich NRW mit einem Antrag durchgesetzt, wonach jeder Fracking-Bohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschaltet sein muss. Im Gastkommentar zeigt US-Botschafter Philip Murphy, wie Fracking in den USA betrachtet wird.
Die Abhängigkeit der Amerikaner von der Golf-Region, so glauben die Autoren der Studie, werde drastisch sinken. Damit werde „die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfreiheit“ für die Regierung in Washington erheblich zunehmen. Unter anderem verliere die vom Iran angedrohte Sperrung der Straße von Hormus deshalb für die Amerikaner an Schrecken, weil die Versorgung des Landes künftig nicht mehr von Lieferungen der arabischen Staaten abhängig sei.
Bundesregierung: Thema ist geostrategisch extrem wichtig
Mit dieser Einschätzung steht der Geheimdienst nicht alleine. In den USA war in einem Bericht der Rice-University schon 2011 ein dramatischer Umbruch durch den neuen Öl- und Gasreichtum prognostiziert worden, weil die westliche Welt wegen des Schiefergases weniger auf Importe von un- oder halbdemokratischen Ländern wie Saudi-Arabien, Katar, Russland oder Venezuela angewiesen sein werde.
Auch in der Bundesregierung ist das Thema als geostrategisch extrem wichtig identifiziert worden, dessen weitreichende Auswirkungen in der Öffentlichkeit noch gar nicht erkannt werden. Während etwa Wirtschaftsminister Philip Rösler mehrfach vor einem Umbruch auf den internationalen Energiemärkten warnte, erwartet man auch in Regierungskreisen politische Auswirkungen auf den Nahen Osten. Und selbst Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen orakelte vergangene Woche, dass die finanziell und ökonomisch angeschlagene Supermacht USA durch das Schiefergas wieder die Chance auf einen Aufstieg habe.
Prognose stimmt nur bei massivem weiteren Fracking-Ausbau
Doch der Amerika-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Josef Braml, hält die Auswirkungen für überbewertet. „Die USA werden nicht unabhängig werden können“, sagt er und zweifelt an den hochfliegenden Ausbauplänen der heimischen Öl- und Gasproduktion. Tatsächlich gehen die Prognosen für die Zeit bis 2020 davon aus, dass es keine Rückschläge beim rasanten Ausbau der Fracking-Technologie gibt. Das ist aber angesichts großer Bedenken über die Umweltschäden durch diese Technik durchaus möglich.
Das Europäische Parlament hat mit großer Mehrheit einem Fracking-kritischen Antrag zugestimmt: Die Bohr-Methode wird in Trinkwasserschutzgebieten verboten und nicht mit öffentlichen Mitteln erforscht oder gefördert. Die Parlamentarier sprachen sich aber gegen ein generelles, europaweites Verbot aus.
Ohne massiven weiteren Ausbau stimmten aber die Prognosen nicht. „Das einzige, was die USA vor der Preispolitik der OPEC schützt, ist die Sonderbeziehung mit Saudi-Arabien. Sicherheit für Öl - die Amerikaner schützen das nicht so demokratische Königreich, im Gegenzug sorgen die Saudis dafür, dass die Preise moderat bleiben“, dämpft Braml Erwartungen eines auch geostrategischen Umbruchs.
BND: Wegen rasanter Entwicklung sind viele Analysen veraltet
Das sehen die BND-Experten allerdings für die Zukunft etwas anders. Sie räumen ein, dass etwa das Pipeline-System in den USA Milliardeninvestitionen erfordert, weil die Versorgungswege in den USA neu ausgerichtet werden müssten. Aber dennoch haben sie mit dem Verweis auch auf die Einschätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) keine Zweifel am Aufstieg des Öl- und Gasproduzenten USA. Und die Entwicklung ist aus ihrer Sicht so schnell und unerwartet, dass viele Analysen eben immer noch der alten Sicht der Dinge aufsäßen.
Ein entscheidender Einwand gegen eine Abkopplung der USA von der Golfregion kommt von Stormy-Annika Mildner, einer Energie-Expertin des Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). „Sowohl Europa als auch Asien werden weiterhin von den ölproduzierenden Ländern des Nahen und Mittleren Ostens abhängig bleiben“, meint sie. Damit aber sei die Supermacht USA automatisch weiterhin dort gebunden. „Sie haben keinerlei Interesse daran, dass es in diesen Regionen aufgrund von Lieferunterbrechungen zu wirtschaftlichen Verwerfungen kommt.“
Durch Fracking könnten Ressourcen weltweit erschlossen werden
Möglicherweise wirken sich die neuen Technologien aber auch ganz anders aus. Denn die „Fracking“-Methode führt auch in anderen Teilen der Welt dazu, dass neue Ressourcen erschlossen werden können. Die Folge: Das Angebot an Gas und Öl könnte insgesamt zunehmen.
Geopolitisch dürfte dies vor allem Russland schaden, das sich als sicherer Lieferant Europas und künftig auch Chinas profilieren will. Statt der befürchteten wachsenden Abhängigkeit von russischem Gas könnten die Europäer versuchen, ihren Bedarf stärker aus anderen Quellen zu decken. Hinzu kommt, dass Russland besonders anfällig für Verschiebungen auf den Energiemärkten ist, weil dort die Produktionskosten für Öl und Gas in schwer zugänglichen nördlichen Gebieten sehr viel höher sind als in vielen anderen Teilen der Welt.
Werden die USA noch weniger auf Klimaschutz achten?
Auch der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, rechnet mit Konsequenzen für Russland. „Ich sehe aber deswegen keine amerikanisch-russischen Spannungen auf uns zu zukommen, sondern eher erhebliche inner-russische Spannungen“, sagte der Ex-Diplomat zu Reuters. „Das wird natürlich die Frage aufwerfen: Wie kann Russland dann möglicherweise unter Druck eine Modernisierung und Diversifizierung seiner Wirtschaft weg von der alleinigen Einnahmequelle Öl und Gas nachholen?“ Dies setze eine weitere Öffnung der russischen Wirtschaft nach Westen voraus.
Mildner weist aber noch auf eine ganz andere Großdebatte hin, die sich verändern könnte. Denn mit den Funden an fossiler Energie könnte das Interesse von US-Präsident Barack Obama erlahmen, eine ehrgeizige Strategie hin zu erneuerbaren Energien zu verfolgen. „Durch die Renaissance der fossilen Energieträger kommt dem Klimaschutz, der ohnehin ein Schattendasein in den USA fristet, noch weniger Beachtung zu“, glaubt sie. (rtr)

21:17
Und das dann auch gleich noch im internationalen Maßstab.
Es ist schon zum Bauklötze staunen , wie sich staatliche Institutionen -hier sogar der deutsche Geheimdienst - in das Ineressengeflecht von -hier - Energie - Konzernen einspannen läßt.
Früher wäre man im Traum nicht darauf gekommen in diesem Zusammenhang zu sagen :
"Wessen Brot ich eß ,dessen Lied ich sing!"
Dies war aber in der grauen Vorzeit als unser Gemeinwesen und das dieses tragende Demokratie - Prinzip nicht "marktkonform" funktionieren mußte.
Aber immerhin hat die BND - Studie die wunderbare Aussagekraft ,dass man eine möglicherweise bessere Welt errichten könnte.
Wenn nicht ,ja wenn nicht dieses neue technische Wunder - Verfahren "Fracking!" in dem realistischen Verdacht stehen würde -aufgrund der chemischen Brühe ,die mit Druck in den Untergrund gepresst wird - das Grundwasser weiträumig zu vergiften.
Der BND scheint zu wissen ,dass US - Konzerne schon in Deutschland entsprechende Claims abgesteckt haben.
18:36
Und wenn sie nicht (an Vergiftung) gestorben sind, dann vegetieren sie noch heute...
Cooler Spruch!
Danke! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
18:04
schöne Märchen - für die ganze Familie: für Mutti, Vati, Omama, Tictacoma, cousine und Tantchen, Onkelchen, baby, Söhnchen und dem Töchterchen. Reizend, Und so - nice. Nur leider - es gibt Menschen die einen derartigen Blödsinn nicht glauben. Das mit den Gasvorkommen schon - toll, ist doch erfreulich, sind die US.-Amerikaner endlich unabhängig. Nein, das mit den Saudis. Wie, das wissen wir nicht? Das ist doch nur - geschönt geschrieben: wegen der hohen Politik. Auf Hochdeutsch: wegen der KOntrolle über den europäischen Staaten und weil - wer hats nochmal erfunden - ach ja, wegen der Bank von England - weil die,naja der Laurence, der Oliver - weil der so schön aktiv mitwirkte bei der Befreiung und der Einigung der turkmänischen Stämme - so, und damit die unabhängig bleiben, die auch und die werden und wir nicht, darum ist das so wie es ist - eben nicht wie im Märchen. Aber da klingt eigentlich alles immer viel schöner - eben amerikanisch nach happy end. Einer ist immer der Verlierer.
17:40
.... ohne Schönrederei der Förderindustrie:
http://www.youtube.com/watch?v=PELxZ3K2o0c
kurz gefaßt: die sicherste Methode unser Trinkwasser über Jahrzehbte zu verseuchen.
17:26
Wohl kaum, wie diese Doku aus den USA belegt:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=dZe1AeH0Qz8#!
"Fracking - die unabsehbare Gefahr aus der Tiefe" titelt die Wirtschaftswoche:
http://www.wiwo.de/technologie/umwelt/schiefergas-foerderung-die-gefahren-durch-fracking/7603738-3.html
16:17
Super Nachricht, werde gleich mal die Preise an meiner Tankstelle checken, müssten jetzt ja sinken.Lach
16:15
Wenn die alles abgefrackt haben, ist Amerika reif für die Sondermülldeponie...
Und was die Fracker überlassen, putzten die entfesselten Renditejäger nach der Brüsseler Wasser-Privatisierung weg.
16:13
Und in NRW, wo große Gasvorkommen liegen, soll die Förderung verboten werden!
Die Frage bleibt, ist bei diesen Vorgaben Bergbau untertage, sowie übertage überhaupt noch möglich? Das Verbringen von radioktivem Restmüll unetrtage dürfte unmöglich werden, Die Sicherung von Todstollen und alten Schächten, durch Verpressen scheidet aus. Die Suche, Sondierung und Öffnung von Mineralquellen, mit bekannten Verfahren scheidet aus. Die Suche nach Bodenschätzen in Deutschland kommt insgesamt zum Erliegen! NRW wird sich so selber den Hals umdrehen! Wollen wir das wirklich? Kennt Hannelore die Antworten? Ich glaube nicht! Wir verpassen den Anschluß unter Rot Grün!
woelly, versuchen Sie doch bitte mal, die Farben Rot, Schwarz, Gelb und Grün in Ihrem Gehirn auszublenden und schauen Sie sich folgende Zahlen an, die unabhängig von der in Düsseldorf regierenden Partei Gültigkeit haben:
Bevölkerungsdichte in Einwohnern pro qkm
Texas: 36
North Dakota: 4
Nordrhein-Westfalen: 523
Das Risiko einer Trinkwasserverseuchung ist viel zu hoch, die Folgen viel zu gravierend in einem so dicht besiedeltem Gebiet wie Nordrhein-Westfalen. Auch unter geologischem Aspekt birgt das Fracking große Gefahren; Tiefbohrungen zwecks geothermischer Energiegewinnung haben in Deutschland schon in verschiedenen Fällen zu leichteren Erdbeben geführt. Das wäre in einer Region, die durch jahrzehntelangen Bergbau schwer beschädigt worden ist, wirklich fatal.
STOP FRACKING!
Ondramon
wenn das jetzt woelly bloss einsieht - ich habe meine Zweifel.
Hut ab, daß sie es überhaupt versuchen
Es soll ja nicht mitten in Düsseldorf auf der Kö, oder vor dem Landtag gebohrt werden!
Antworten hier immer dieselben "Fachleute"?
wkah, Sie hatten Recht: er ist beim Lesen nur bis Düsseldorf gekommen.
Aber ist auch egal. Wissen Sie, woelly hatte sich ja in letzter Zeit sehr rar gemacht, und ich wollte ihm einfach mal "Guten Tag" sagen...
@woelly
Keine Ahnung warum Deutschland den US Amerikanern alles nachmachen muss. Die Geschichte der Amerikaner hatte immer damit etwas zutun, das dieser alles bis aufs äusserste ausgebeutet hat...in Deutschland kannte und kennt man noch ein gewisses Maß an Nachhaltigkeit. Das ist auch gut so!
Ismet kann nicht wissen, dass in Amerika um ein Haar Deutsch gesprochen worden wäre. Damit hätte Deutsch eine Weltsprache werden können. Die Eigenversorgung mit Energie ist für die USA immens wichtig. Das gilt für Deutschland aber auch!