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Wehrpflicht

Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet

28.10.2009 | 17:34 Uhr
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet

Essen. Die Wehrpflicht ist international ein Ladenhüter. In kaum einem Nato-Staat gibt es sie noch. Die neue Regierung will an ihr festhalten - ein bisschen. Doch der schwarz-gelbe Koalitions-Kompromiss, den Dienst auf sechs Monate zu kürzen, macht militärisch keinen Sinn

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Wehrpflicht - ist das noch zeitgemäß?

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In Italien werben sie mit Schnupperwochen in den Kasernen. Zwei Wochen können sich junge Männer und Frauen bis über die Schmerzgrenze drillen lassen. Nachts mit schwerem Gepäck marschieren, vor dem Hahnenschrei aufstehen, durch den Schlamm robben, Stiefel wienern und in der Gegend rumballern. Vor vier Jahren haben sie die Wehrpflicht abgeschafft. Jetzt suchen sie Hände ringend Freiwillige.

Nur noch fünf Nato-Staaten haben Wehrpflicht

Bei uns wollen die einen den Zwangsdienst in der Truppe beibehalten, die anderen aussetzen: „Die Koalitionsparteien halten im Grundsatz an der allgemeinen Wehrpflicht fest mit dem Ziel, die Wehrdienstzeit bis zum 1. Januar 2011 auf sechs Monate zu reduzieren“, lautet der schwarz-gelbe Kompromiss. Ein fauler Kompromiss. Er rechnet sich weder militärisch noch ökonomisch.

Auch die Alternative eines sechsmonatigen Zivildienstes ist kaum noch sinnstiftend. Dass sich die Union die Wehrpflicht nicht abhandeln lassen würde, war klar. Zumal die Kanzlerin dieses Mannwerdungsritual für ein „Markenzeichen unserer Streitkräfte“ hält. Um das wir angeblich „international beneidet“ werden.

In Wahrheit ist die Wehrpflicht ein Ladenhüter: 23 der 28 Nato-Staaten haben sie abgeschafft und setzen auf Freiwilligenarmeen. Deren Anforderungen wird die Wehrpflichtarmee aus dem Kalten Krieg nicht mehr gerecht. In Zeiten gefährdeter äußerer Sicherheit war es an der Nahtstelle der beiden feindlich gesonnenen Blöcke richtig, jungen Männern eine Pflicht zur Landesverteidigung aufzuerlegen. Dieser laut Altbundespräsident Roman Herzog „tiefe Eingriff in die individuelle Freiheit“ ist unter den heutigen sicherheitspolitischen Bedingungen nicht mehr zu begründen.

Wehrgerechtigkeit ist abhanden gekommen

Die Vorbereitung auf den gefährlichen Dienst der Soldaten in einer Armee im Einsatz kann der auf sechs Monate zusammen geschrumpfte Grundwehrdienst schon gar nicht leisten. Hoch spezialisierte, gut ausgebildete und hoch motivierte Berufssoldaten sind gefordert. Schon bislang konnte zu Recht kein Rekrut zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr gezwungen werden. Doch aus diesem Reservoir, argumentieren Befürworter der Wehrpflicht, gewinnen die Streitkräfte bis zu 40 Prozent ihres Nachwuchses für Zeit- und Berufssoldaten. Doch zu behaupten, nur eine Armee der Wehrpflichtigen repräsentiere die Mitte der Gesellschaft, beleidigt die demokratische Gesinnung der Berufssoldaten. Ungleich problematischer ist das von Bundespräsident Horst Köhler der Bevölkerung attestierte „freundliche Desinteresse“ an unserer Armee.

Schwer wiegt zudem die abhanden gekommene Wehrgerechtigkeit in der Bundeswehr. Vom Jahrgang 1984 etwa wurden ganze 19 Prozent der jungen Wehrpflichtigen gezogen. Mit der Sechs-Monate-Regelung werde immerhin ein Drittel eines Jahrgangs dienstverpflichtet, sucht sich die abgeschmetterte FDP zu trösten. Deren Vorsitzender Guido Westerwelle blieb im Übrigen ungedient: „1979 wurden gleichgeschlechtlich orientierte Männer ausgemustert“.

Richard Kiessler

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Kommentare
02.11.2009
14:39
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet
von Chrischian | #5

Sehe ich genauso, durch die 6 Monate bleibt das bestehende Problem Wehrungerechtigkeit stehen, auch wenn die Zahlen vllt. ein klein bisschen besser aussehen. Im Endeffekt wird das mehr kosten... Ein Festhalten an der Wehrpflicht um ihrer selbst willen ist doch Blödsinn.

29.10.2009
08:45
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet
von Sozialerdemokrat | #4

Nach der Generation Praktikum kommt das Zwangspraktikum bei der Bundeswehr. Vielleicht bekommen anschließend Langzeitarbeitslose eine befristete Stelle.

28.10.2009
16:30
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet
von sommerundschneider | #3

Weg mit der Wehrpflicht.
Statt dessen lieber die Pflicht zur Verteidigung der Arbeitsplätze!
Denn wer seinen Arbeitsplatz schätzt, der verteidigt ihn auch!

28.10.2009
16:18
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet
von wesselhorn | #2

Wehrpflicht ist überlebt. Berufsarmee ist in. Allerdings braucht die Truppe eine ordentliche Ausrüstung. Leider gibt es bis in die höchsten Offizierschargen viele Unfähige.
Nicht anders als im 1. Weltkrieg als sich viele Offiziere von und zu Nichts als feige, inkompetent, führungsschwach und einfältig herausstellten.
Ergebnisse bei Verdun eindrucksvoll zu besichtigen!

28.10.2009
15:51
Wie der schwarz-gelbe Kompromiss der Truppe schadet
von L.Albers | #1

Gibt es bei Schwarz/Gelb überhaupt etwas was Sinn macht?
Ich sage nein!
Und als Mutter: Weg mit dem Wehrdienst und den Waffen!

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