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Wie das BKA Baumärkte mit "Verdachtskriterien" verunsichert

29.01.2016 | 06:01 Uhr
Wie das BKA Baumärkte mit "Verdachtskriterien" verunsichert
Die Kölner Polizei hatte eine Fahndung eingeleitet, nachdem ein Mann verdächtige Chemikalien in einem Baumarkt gekauft hatte. Foto: dpa

Essen.  Ist der Kunde nervös? Dann könnte er ein Bombenbauer sein. Ein Flyer des BKA könnte Baumarkt-Mitarbeiter bald alles und jeden verdächtigen lassen.

Wer demnächst im Baumarkt größere Mengen Düngemittel für seinen Schrebergarten kaufen will, sollte sich an ein paar Verhaltensregeln halten: Ein allzu unsicheres Auftreten könnte den Verkäufer dazu verleiten, die Polizei zu rufen, weil er seinen Kunden für einen potentiellen Bombenbauer hält.

Terror-Verdacht
Kölner Fall nährt Sorgen vor

Der verdächtige Chemikalienkäufer bei Köln hatte doch keinen Terror-Hintergrund. War am Ende sein Aussehen der entscheidende Verdachtsmoment?

Jedenfalls könnte man diese Befürchtung hegen, angesichts eines Flyers, den das Bundeskriminalamt (BKA) über Branchenverbände an Baumärkte und andere Geschäfte, die Chemikalien führen, ausgeben lässt. Unter „Verdachtskriterien“ steht dort unter anderem zum „Auftreten des Kunden“: „Nervöser Eindruck, gibt ausweichende Antworten auf Nachfragen“ oder „Zahlung erfolgt in bar“. Bei Verdacht soll „unverzüglich die Polizei“ gerufen werden.

Seit August gibt es diese Handlungsempfehlungen, im Fokus der Öffentlichkeit sind sie aber erst, seit vor einigen Tagen die Polizei samt Überwachungskamera-Foto nach einem Mann gefahndet hatte, der in einem Kölner Baumarkt Chemikalien kaufen wollte. Ein Mitarbeiter hatte Verdacht geschöpft, und die Beamten alarmiert. Wie sich herausstellte, wollte der Mann keinen Sprengstoff, sondern Drogen zusammenrühren.

Kann ich auch zum Verdächtigen werden?

Für Baumarkt-Kunden, die weder das eine, noch das andere wollen, bleibt die Frage: Kann ich auch plötzlich zum Verdächtigen werden? Eine Sprecherin des BKA verweist auf eine EU-Verordnung, die regelt, welche Stoffe als verdächtig gelten und je nach Ermessen meldepflichtig sind. Das Problem: Einige der Chemikalien kommen in alltäglichen Waren wie Bleichmittel oder eben Dünger vor. Und der Flyer des BKA ist so schwammig formuliert, dass Verkäufer, wenn sie sich daran halten, demnächst alles und jeden verdächtigen könnten. Aus Branchenkreisen heißt es, dass Mitarbeiter im Einzelhandel intern geschult und auf das Thema sensibilisiert werden, solche „Handlungsempfehlungen“ aber eher verunsichern.

Der Bundestag wird deshalb jetzt über klarere Regeln diskutieren. Die Grünen fordern gar eine Höchstabgabegrenze für bestimmte Chemikalien. Irene Mihalic, Sprecherin für innere Sicherheit bei den Grünen, glaubt: „Der Flyer des BKA ist unbrauchbar für die Angestellten im Baumarkt. Wir brauchen eine branchenspezifische Checkliste und eine Höchstabgabegrenze.“ Die Branchenverbände würden das begrüßen: Denn so stünden sie nicht mehr in der Verantwortung. (pen)

Kommentare
31.01.2016
23:40
Wie das BKA Baumärkte mit "Verdachtskriterien" verunsichert
von Tobias_Claren | #13

Das sollte man jetzt eigentlich regelmäßig, am besten über Deutschland verteilt auf die Spitze treiben.
Sich wie ein Salafist anziehen, Fuselbart...
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http://www.derwesten.de/politik/wie-das-bka-baumaerkte-mit-verdachtskriterien-verunsichert-id11504181.html
2016-01-29 06:01
Baumarkt, Bombe, Chemikalien
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