Wie aggressive Passagiere die Lust am Bahnfahren vermiesen

Bei der Deutschen Bahn nimmt im Revier der Vandalismus deutlich zu. Die Kombination von Alkohol und Fußballfans ist häufig Grund für den Zerstörungsmut. Die Vorfälle sind im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen im Vergleich zu 2013.
Bei der Deutschen Bahn nimmt im Revier der Vandalismus deutlich zu. Die Kombination von Alkohol und Fußballfans ist häufig Grund für den Zerstörungsmut. Die Vorfälle sind im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen im Vergleich zu 2013.
Foto: Ulrich von Born/ WAZ Bildredaktion
Was wir bereits wissen
Ein Pärchen wollte die Zerstörungswut einiger Jugendlicher stoppen. Dank unsensibler Polizisten bescherte ihr Mut ihnen eine unangenehme Gegenüberstellung mit den Tätern.

Essen.. Zugfahren ist zwar bequem, hat aber auch neben Verspätungen noch weitere Tücken. Wer am späten Abend noch auf die Bahn angewiesen ist, muss immer häufiger mit Vandalismus rechnen. In NRW häufiger als im Bundestrend, wie neue Zahlen belegen. Ein Erfahrungsbericht von einer Bahnfahrerin, die anonym bleiben will:

„Als Frau nach 0 Uhr allein am Bahnhof stehen. Ungern. Als Frau nach 0 Uhr allein im Zugabteil sitzen. Ungern. Die sicherere Alternative: Gemeinsam mit einer männlichen Begleitung in den Zug steigen. Doch auch das kann zu einem unangenehmen Unterfangen werden. Die Fahrt sollte um 23:49 Uhr ab Köln Hauptbahnhof beginnen. Wie für mich schon fast selbstverständlich hatte die Regionalbahn 40 Minuten Verspätung. Und nicht nur das sollte meine Nerven während dieser Heimreise strapazieren.

Eine Horde Elefanten randaliert in der ersten Klasse

Deutsche Bahn Der Zug fährt ein. Völlig erschöpft setzen wir uns in das untere Abteil des Doppelstockwagens. Und dann geht der Horror los. In der ersten Klasse über uns scheint eine Horde Elefanten ausgebrochen zu sein, die alles im Weg stehende mit sich reißt und durch die Gegend schleudert. Eine Stunde soll diese Fahrt dauern und an jeder Haltestelle hoffe ich inbrünstig, dass diese merklich aggressiven Passagiere aussteigen. Aber das wäre zu einfach gewesen. Als ernsthafte Angst in mir aufsteigt und ich mir schon ausmale, wie die Decke gleich über uns einkracht, entscheide ich mich dafür, mir ein Bild von dem Ausmaß zu machen und die Telefonnummer der Bundespolizei zu notieren, die in jedem Waggon der Deutschen Bahn aushängt.

Die Zugtüren bleiben bis zum Eintreffen der Polizei verschlossen

Ein kurzer Blick zeigt mir, dass Sitzkissen und Zeitschriften auf dem Boden verteilt herumfliegen, dass das Fahrrad umhergetreten wird und die Stimmung sehr angespannt ist. Mit aggressiven Sprüchen pusht sich die Gruppe gegenseitig hoch. Ich erkenne ihre Gesichter. Um weitere blinde Zerstörungswut zu verhindern, rufe ich die Bundespolizei an. Doch die scheint eher weniger interessiert. „Gibt es keinen Zugbegleiter? Der soll sich darum kümmern.“ Vielen Dank für die Hilfe, denke ich mir entmutigt, mache mich aber gemeinsam mit meinem Freund auf die Suche nach dem besagten Zugbegleiter. Im ersten Waggon finden wir ihn und schildern ihm die Situation. Sofort lässt er die Türen bis zum Eintreffen der Polizei schließen. Immerhin zeigt er die nötige Initiative.

Die Täter müssen identifiziert werden

Vandalismus Am Düsseldorfer Hauptbahnhof kommt der Zug schließlich zum Stehen. Kein Fahrgast kommt mehr raus und keiner kommt rein. Außer der Polizei. Und diese möchte von uns tatsächlich noch bestätigt bekommen, dass die festgehaltenen Personen, auch wirklich die Täter sind. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch folgen wir dem Beamten zurück zu den Vandalen. Die scheinbar alkoholisierten jungen Männer, krakeelen auch jetzt noch aus vollem Halse und natürlich sind es dieselben Jugendlichen, die ich beobachtet hatte. Unsere Blicke kreuzen sich und auch sie erkennen mein Gesicht. Trotzdem nicke ich dem Polizisten zu. „Bestätigt“, ruft er seinem Kollegen zu und führt uns ins untere Abteil. Seltsam. Diese Situation hätte ich mir gern erspart.

Immerhin muss die Gruppe samt Fahrrad den Zug verlassen (Tickets haben sie natürlich auch keine). Ansonsten wären wir diejenigen gewesen, die ausgestiegen wären. Denn auf eine Konfrontation war ich nicht aus. Mit dem Gedanken mir ein Auto anzuschaffen, spiele ich auch wegen solchen Vorfällen häufiger.“ (we)