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Externe Berater

Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben

06.11.2009 | 12:44 Uhr

Essen. Immer mehr Ministerien fordern bei Gesetzentwürfen fremde Hilfe an. Seit 1999 ließen sich Bundesregierungen bei insgesamt 60 Vorhaben durch Private beraten. Den größten Bedarf hatte das Umweltressort. Doch wo hört Sachverstand auf und wo beginnt Korruption?

In den vergangenen Jahren haben weitaus mehr Kanzleien, Institute oder andere externe Gutachter an Gesetzen und Verordnungen mitgeschrieben als bislang bekannt. Seit 1999 ließen sich Bundesregierungen bei insgesamt 60 Vorhaben durch Private beraten. Den größten Bedarf hatte das Umweltressort.

Lobbyszene Berlin: Immer mehr externe Berater schreiben an Gesetzen mit. Foto: Ullstein

Mehr als die Hälfte der Fälle (35) entfiel auf das Bundesumweltministerium. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linken hervor, die der WAZ vorliegt. Bislang verteidigte das Umweltministerium die Auftragsvergaben damit, dass Fachwissen fehle. Der Bund der Steuerzahler indes hält die „inflationäre Hinzuziehung von externem Sachverstand” für Steuergeldverschwendung.

Es war im vergangenen Sommer, als sich der Himmel für den damaligen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plötzlich verdunkelte. Als bekannt wurde, dass er den Auftrag für einen Gesetzentwurf zur Rettung maroder Banken an die Großkanzlei Linklaters vergeben hatte und auf der fertigen Vorlage auch noch der Schriftzug des Unternehmens prangte, prasselte die Kritik auf den CSU-Jungstar hernieder: Mit Herrn Von und Zu habe man den Bock zum Gärtner gemacht.

Linklaters: kein Einzelfall

Tatsächlich aber ist die Affäre Linklaters kein Einzelfall. In den Bundesministerien gehen immer mehr externe Fachleute ein und aus, sie schreiben an mehr Gesetzen und Verordnungen mit als bislang bekannt. Und obwohl Sachverstand und Expertise eigentlich Aufgabe der nachgeordneten Fachbehörden ist, geben die Ministerien Millionen Euro für externe Gutachter aus.

Wie groß mittlerweile der Einfluss Privater auf die Gesetzgebung geworden ist, zeigt eine Auflistung, die die Große Koalition als eine ihrer letzten Amtshandlungen an die Bundestagsfraktion der Linken übersandt hat. Seit 1999 – damals kam Rot-Grün an die Macht – haben externe Gutachter an 60 Gesetzen und Verordnungen direkt mitgeschrieben.

3,6 Millionen an Honoraren

Ganz vorne dabei: das Bundesumweltministerium. 35-mal holte sich das Haus externen Sachverstand. Rund 3,6 Millionen Euro flossen an Honoraren. Unter den Empfängern findet sich insbesondere Ecologic, eine „Denkfabrik” für Umweltforschung. Sie allein erhielt rund 1,8 Millionen Euro für „juristische und fachliche Unterstützung” beim Emissionshandelsrecht, beim Entwurf eines Wärmegesetzes oder für die Mitarbeit an einem Umweltgesetzbuch. Ecofys, ein Beratungsunternehmen für erneuerbare Energien, half bei Verordnungen für Windenergieanlagen und kassierte dafür 166 700 Euro.

Buchstäblich im Dunkeln bleibt, bei welchen Gesetzen und zu welchen Kursen das Finanz- und das Wirtschaftsministerium Private an die Feder ließen. Diese Angaben werden als vertraulich eingestuft und in der Liste geschwärzt. Die Zahlen und Namen wurden an die „Geheimschutzstelle des Bundestages” gesandt.

Wo aber hört externer Sachverstand auf, wo beginnt die Arbeit der Lobbyisten, die ihre Anliegen in Gesetzestexte einfließen lassen? Das Umweltministerium erklärte dazu in der vergangenen Legislaturperiode vor dem Hintergrund der Linklaters-Affäre: Man habe die Vorschriften eingehalten und von externen Beratern keine kompletten Gesetzestexte schreiben lassen.

Wer sind die Menschen?

Für die Antikorruptionsorganisation Transparency International ist das eine schwache Argumentation. Denn wer da den Ministerien zuarbeite, werde der Öffentlichkeit vorenthalten: „Wir fordern ein Lobbyistenregister, das Bürgern verdeutlicht: Wer sind die Menschen, die in Berlin Politik beeinflussen?”, sagt Geschäftsführer Christian Humborg. Seiner Erfahrung nach hätten Gesundheits- und Pharmaindustrie, Energie- und Finanzwirtschaft die eifrigsten Lobbyisten. Deren Wirken will Humborg kenntlich machen: „Wir brauchen einen legislativen Fußabdruck, also einen Nachweis darüber, wer an einem Gesetz mitgearbeitet hat. Es muss nachvollziehbar sein, welche Personen oder Organisationen Einfluss ausgeübt haben.”

„Auf externen Sachverstand gelegentlich zurückzugreifen, ist in Ordnung”, sagt Karl Heinz Däke, der Präsident des Bunds der Steuerzahler. Doch die „inflationäre Hinzuziehung” von externem Sachverstand innerhalb der vergangenen zehn Jahre müsse sehr kritisch betrachtet werden. Immerhin säßen in den Ministerien rund 21 000 Mitarbeiter, teils hochbezahlte und hochqualifizierte Fachkräfte. Deren originäre Aufgabe sei es unter anderem, Gesetzentwürfe zu erarbeiten. „Dieses Personal wird vom Steuerzahler finanziert”, sagt Däke. „Dass zunehmend Externe mit diesen Aufgaben betraut werden, die zusätzlich bezahlt werden müssen, geht eindeutig zu weit und grenzt an Steuergeldverschwendung.“

Sachverstand abgebaut

„Da wird sich einiges in die Taschen gelogen”, heißt es in den gescholtenen Ministerien. Weil seit Jahren Stellen abgebaut würden, die Zahl von Gesetzen und Verordnungen aber stetig zunähme, sei man ohne fremde Hilfe schlichtweg aufgeschmissen. Als Beispiel wird das Gesetzespaket für Klima und Energie genannt. „2008 mussten innerhalb eines halben Jahres 16 Gesetze und Verordnungen auf den Weg gebracht werden”, sagt ein Mitarbeiter. Er bestätigt, was die Lobbyisten in der Hauptstadt längst als Glücksfall sehen: Ohne Externe sind manche Gesetzgebungsverfahren nicht mehr zu schaffen.

Jürgen Polzin

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Kommentare
18.01.2010
12:13
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von dr.reinbeck | #24

Alle Minister und Staatssekretäre müssten ihre Qualifikation vor der Ernennung belegen. Auch die Frage ohne Lobbyisten auszukommen muss klar beantwortet werden. Dann hätten wir Qualität ohne Lobbyisten.

16.01.2010
21:52
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von WERNER MOHR | #23

Jedes Volk bekommt die Regierung welches es verdient hat aber : keiner hat sie gewählt .

02.12.2009
06:05
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von Al | #22

> Und obwohl Sachverstand und Expertise eigentlich
> Aufgabe der nachgeordneten Fachbehörden ist, ...

Nein, in nachgeordneten Fachbehörden werden Familienangehörige beschäftigt, welche weder vom Tuten noch vom Blasen Ahnung haben.

Das wissen alle, daher muss das Wissen extern eingekauft werden.

01.12.2009
22:06
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von Der Rheinberger | #21

Bismark sagte einmal:

Es ist gut, dass die Bevölkerung nicht weiß, wie die
Wurst und wie die Gesetze gemacht werden!

17.11.2009
15:52
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von vantast | #20

@von jafan: Offenbar ist Ihr Name Programm.Die Grünen waren die ersten, die auf die Bedrohung der Umwelt aufmerksam machten, während diese Gefahr von den anderen Parteien ignoriert wurde. Die sogenannten Fachleute haben durch ihre interessengeleitete Ignoranz nichts zur Aufklärung beigetragen, das können Sie sehr gut bei den Atomfirmen sehen.

07.11.2009
13:35
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von jafan | #19

Mehr als die Hälfte der Fälle (35) entfiel auf das Bundesumweltministerium Das ist mal wieder der beste Beweis dafür,dass diese grünen Schwätzer von absolut nichts eine Ahnung haben - außer vom Wasserpredigen!

06.11.2009
21:18
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von sich-Fragender | #18

Welche FDP besteht denn nur aus Lobbyisten und hat keinen eigenen Sachverstand??

06.11.2009
21:09
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von Elektrosteiger | #17

Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben

Wer macht denn wohl sonst die Gesetzte in Deutschland???

06.11.2009
16:02
Wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben
von Pit01 | #16

Lasst uns doch die Regierung abwählen :-)) Doch im Ernst, es macht mich schon nachdenklich, wenn ich höre, dass nicht legitimierte Gesetze mitgestalten. Ist denn so wenig Sachverstand in den Ministerien vorhanden? Das kann und darf doch nicht wahr sein.

06.11.2009
15:46
Blockierter Kommentar.
von metalcage | #15

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