Wenig bekommen und viel gewonnen

Bringt der Schlichterspruch die Tarifparteien bei ihrem Ringen um eine Einigung im Kita-Konflikt weiter?
Bringt der Schlichterspruch die Tarifparteien bei ihrem Ringen um eine Einigung im Kita-Konflikt weiter?
Foto: Julian Stratenschulte
Ein Kommentar von Nina Grunsky

Für die Angestellten der Länder hatte Verdi im Frühjahr dieses Jahres ein durchschnittliches Plus von 4,83 Prozent ausgehandelt – nach gerade einmal vier Warnstreiktagen. Für die Erzieherinnen ist offenbar nach vier Wochen Ausstand gerade einmal ein Plus zwischen 2 und 4,5 Prozent drin.

Nicht einmal die Hälfte dessen, was man zunächst gefordert hatte. Eine durchschnittliche Erhöhung von 10 Prozent hatten die Gewerkschaften ursprünglich verlangt. So gesehen ist eine erste Enttäuschung der Beschäftigten verständlich. Zumal sie auf diese Weise niemals die Lohnlücke zu den Beschäftigten des produzierenden Gewerbes aufholen werden: 3,4 Prozent mehr hatte zum Beispiel die IG Metall in diesem Jahr für ihre Mitglieder ausgehandelt.

Dem Ziel, dass die Arbeit mit Menschen der Gesellschaft genauso so viel wert ist wie die Arbeit an Maschinen, ist man damit kaum näher gekommen.

Die Kommunen sind klamm

Mehr allerdings werden die Erzieher nicht heraushandeln können. Die Kommunen sind klamm. Bereits dieser Vorschlag trifft viele hart. Vor allem aber ist der Streik in diesem Arbeitskampf kein wirksames Mittel mehr.

Wenn die Gewerkschaften den Schiedsspruch ablehnen und Kindergärten erneut schließen, droht die Stimmung zu kippen, können die Erzieher kaum mehr auf den Rückhalt der Eltern hoffen.

Gewonnen haben sie aber dennoch sehr viel in diesem Streik. Mehr Ansehen. Sie haben öffentlich gemacht, dass Kindergärten heutzutage ein wichtiger Teil des Bildungssystems sind. Sie haben deutlich gemacht, welche hohen Anforderungen Erzieher längst erfüllen.

Und sie haben endlich gezeigt, dass auch Sozialberufe bereit sind, für ihre Interessen zu streiken. Das stärkt die Position in künftigen Auseinandersetzungen.